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Lünertorstraße: Schon bei einem Auto durchschnittlicher Größe zeigt sich: Das Überholen eines Radfahrers ist bei Gegenverkehr nicht möglich, denn es müsste auf die Gegenspur ausgewichen werden. (Foto: Schwanitz)

Etwas Abstand gewinnen

Lüneburg. Das hat definitiv jeder schon einmal falsch gemacht, und bestimmt nicht nur einmal: Wer mit dem Auto unterwegs ist, kommt immer wieder in die Situation, einen Fahrradfahrer überholen zu müssen. Dafür gibt es eine klare gesetzliche Vorgabe: Zwischen dem Auto und dem Radfahrer sollten mindestens 1,5 Meter Abstand sein. In Lüneburg wollen die Verkehrswacht und die Polizei darauf jetzt verstärkt aufmerksam machen.

Diese Entfernung ist zwar in der Straßenverkehrsordnung nicht explizit genannt, jedoch hat sich die Rechtsprechung in der Vergangenheit auf diese Größenordnung festgelegt. In der nahen Zukunft soll dieser Abstand, der wohlgemerkt als Mindestabstand zu verstehen ist, im Straßenverkehrsrecht fest verankert werden. Das nützt dem Radfahrer leider nur wenig, wenn Autofahrer sich nicht an diese Vorgaben halten.

Polizei rät Radfahrern: Lieber nicht diskutieren

„Radfahrern empfehle ich, offensichtliche Unterschreitungen des Mindesabstands nicht mit dem Autofahrer zu diskutieren, da die Konfliktwahrscheinlichkeit und das anschließende Frustrationspotenzial sehr hoch sind“, weiß Martin Schwanitz, Verkehrssicherheitsberater bei der Lüneburger Polizei, um die Frustration vieler Radfahrer. Er nennt drei mögliche Gründe, warum der Abstand nicht eingehalten wird: Der Überholende kennt entweder die Vorschrift nicht, er schätzt zweitens den Mindestabstand falsch ein – oder er setzt sich bewusst über diese Regel hinweg.

Prof. Dr. Peter Pez, Verkehrsexperte der Lüneburger Universität, sagt: „Jeder Kraftfahrer sollte einsehen, dass sein Fahrzeug eine potenzielle Gefahr ist – ähnlich wie wir Kinder vor Messer, Schere, Gabel und Licht warnen. Also lieber mal hinter einem Radler langsam herfahren und warten, bis man die 1,50 Meter Abstand einhalten kann, als womöglich die Gesundheit oder gar das Leben eines anderen Menschen auf dem Gewissen zu haben.“

Wie schnell ein Autofahrer einen Fehler begehen kann, sollen die vier Fotobeispiele in Lüneburg veranschaulichen, die vom ADFC und der Verkehrswacht inszeniert worden sind.

Einen öffentlichen Vortrag zum Thema hält Dieter Müller am Mittwoch, 30. Oktober, ab 15 Uhr im Hörsaal 3 der Leuphana. Er ist Professor für Straßenverkehrsrecht und trägt mit seinen Ehrenämtern viel für die Verkehrssicherheit bei; die Unfallforschung der Versicherer beauftragte Müller mit einem „Rechtsgutachten zu markierten Radverkehrsführungen“.

Von Thorsten Lustmann