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Mit diesem Entwurf für die Bastei konnte Henning Claassen die Stadt und Teile der Politik nicht überzeugen. Skizze: Claassen

Auch der zweite Standort fällt durch

Lüneburg. Es war bereits der zweite Standortvorschlag, den der Lüneburger Unternehmer Henning Jörg Claassen Mitte September für seine geplante Kunstgalerie in der LZ präsentierte. Die Stadt reagierte damals knapp mit dem Hinweis, dass der Basteipark ein hochwertiges Naturdenkmal sei und die Realisierung einer Galerie dort nicht einfach sei. Das Projekt wurde von LZ-Lesern lebhaft diskutiert. Gut einen Monat später liegt der LZ nun eine Stellungnahme der Stadt vor, auch die Grünen und der Nabu haben reagiert. Tenor: Keine Bebauung der Bastei. Claassen will nun nur noch bis zum Jahresende abwarten: Wenn bis dahin kein Alternativvorschlag für einen Standort von der Stadt komme, werde er das „fruchtlose Vorhaben beenden und an anderer Stelle – also nicht in Lüneburg – verwirklichen“.

Wie berichtet, möchte Claassen ein Gebäude für seine Sammlung internationaler Kunst errichten. Ein Teil davon ist derzeit im Untergeschoss des „Alten Kaufhauses“, das Claassen inzwischen an die Domero-Hotelgruppe verkauft hat. Der erste Vorschlag, ein Gebäude am Platz Am Werder zu bauen, fiel im Bauausschuss durch. Die Mitglieder sahen die Bäume gefährdet. Sollte der Bauherr es nicht ermöglichen können, dass das Gebäude kleiner werde, solle die Verwaltung nach einem anderen Standort suchen. Im März hob der Kulturausschuss das Projekt noch einmal auf die Tagesordnung, dort lobten Politiker von CDU, SPD, FDP und Grünen das Angebot des Investors, seine Sammlung in einem Neubau öffentlich zu machen.

Ausstellungsfläche von 600 Quadratmetern

Zuvor hatte Oberbürgermeister Ulrich Mädge deutlich gemacht, dass es ihm ein Anliegen sei, die Sammlung in der Stadt zu halten. Er hoffe, dass Bauherr, Politik und Verwaltung eine Lösung fänden. Der Kulturausschuss gab der Verwaltung mit auf den Weg, dass sie mit dem Investor im Gespräch bleiben soll – auch, was einen neuen Standort angehe.

Ein halbes Jahr später macht Claassen seinen Vorschlag Basteipark öffentlich, präsentiert den Entwurf eines Gebäudes mit einer Ausstellungsfläche von 600 Quadratmetern auf zwei Etagen. Den habe er bereits Mitte Juni den Vorsitzenden des Bau- und Kulturausschusses sowie der Stadt vorgestellt.

Sanierungsverfahren „Grünband Innenstadt“

Auf LZ-Anfrage erklärt Stadtbaurätin Heike Gundermann jetzt, warum sich der Basteipark aus Sicht der Verwaltung nicht als Standort eigne. „Die Bastion ist als Teil der ehemaligen Stadtbefestigung ein Denkmal.“ Die Fläche sei von besonderem „stadtgeschichtlichen Zeugniswert“, der bei einer Bebauung nicht mehr von der Öffentlichkeit wahrgenommen werde. Außerdem sei der Park im Rahmen des Förderprogramms Östliches Wasserviertel umfassend saniert und aufgewertet worden – im Zusammenspiel mit Bürgern und Umweltverbänden. 2017 sei zudem die Freifläche Teil des Sanierungsverfahrens „Grünband Innenstadt“ geworden, mit Fördergeld sollen „die historischen Strukturen der Bastionshalbinsel herausgearbeitet“ werden, sagt Gundermann.

Bestärkt sieht sie sich durch das Niedersächsische Landesdenkmalamt, das in einer Stellungnahme schreibe: „Dieses Projekt ist an dieser Stelle nicht mit den Anforderungen an den Denkmalschutz vereinbar.“ Die Stadtgestalt sei wesentlich durch ihre Umgrenzung definiert. Typisch für die ursprüngliche Bastion seien große Freiflächen mit kleinen Gebäuden gewesen. Durch die Errichtung der Galerie gehe dieser Eindruck verloren.

Gundermann verweist darauf, dass die Stadt dem Investor als Alternativstandort ein Grundstück vor dem Avacon-Ausbildungsgelände – in der Nähe zu Salzmuseum, Theater und Musikschule – benannt habe. Oder Claassen solle doch ein Gebäude in der Innenstadt erwerben.

Standort auf Avacon-Areal für Claassen keine Alternative

Ein Vorschlag, den auch die Grünen fast wortgenau in einer Stellungnahme machen. Wie die Stadtbaurätin verweisen sie darauf, dass der Basteipark mittels sechsstelliger Fördersumme aufgewertet wurde und nun „Sanierungsgebiet Grünband“ sei. Entsetzt ist Thomas Mitschke, Chef des Naturschutzbundes, weil es sich doch um ein „hochwertiges Naturdenkmal“ handele. Als Teil des Sanierungsprojektes Grünband gebe es nun die Chance für die Bastei, dass dort viele Maßnahmen erfolgen könnten im Sinne der biologischen Vielfalt. Der Nabu-Chef bietet aber seine Unterstützung bei der Suche nach einem Standort fürs Galeriegebäude an und bittet darum, den Lambertiplatz und Clamartpark unter die Lupe zu nehmen.

Claassen sagt, dass die Stadt Anfang April – nach Ablehnung des Werder-Standorts – das Avacon-Grundstück ins Spiel gebracht habe. „Es erwies sich aber zu klein.“ Den Vorschlag Bastei habe er der Stadt am 16. Juni zukommen lassen. Die lehnte das damals schon ab. Einen Alternativvorschlag zur Bastei habe er bisher nicht erhalten.

Von Antje Schäfer

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