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Andreas Gehrke ist der Bürgermeister der Gemeinde Amt Neuhaus. (Foto: privat)

Sturmfest und erdverwachsen

Bleckede/Neuhaus. Freitag morgen, kurz vor zehn Uhr: Die LZ hat sich mit Andreas Gehrke zum Interview verabredet. Doch der Leiter des Haupt- und Ordnungsamtes der Stadt Bleckede bittet noch um ein wenig Geduld. In seinem Büro sitzt noch ein anderer Gast – Henning Banse, der ehemalige Bleckeder Stadtbrandmeister. Ein kurzer, aber herzlicher Plausch zwischen zwei Männern, deren Leben sich jetzt grundlegend ändern wird: Für Henning Banse, weil er seit Anfang des Monates auch hauptberuflich in den Ruhestand gegangen ist („ein tolles Gefühl“) – und für Andreas Gehrke, weil er am 1. November das Amt des Bürgermeisters in der Gemeinde Amt Neuhaus antreten wird.

Zwei Jahre war Gehrke bei der Stadt Bleckede, davor war der 40-jährige dreifache Familienvater bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Beim gleichen Arbeitgeber also, bei dem auch Henning Banse beschäftigt war. Die beiden Männer kennen sich schon lange, waren über viele Jahre Kollegen. Und als Leiter des Bleckeder Ordnungsamtes war Gehrke zuletzt auch Ansprechpartner für den ehemaligen Bleckeder Stadtbrandmeister. Und umgekehrt.

Die Arbeit in Bleckede hat mir Spaß gemacht“, sagt Gehrke – und fast klingt es so, als müsse er dafür um Entschuldigung bitten, dass er sich um das Bürgermeisteramt in Neuhaus beworben hat. Dort setzte sich der gelernte Verwaltungsfachangestellte und Diplom-Kaufmann bei der jüngsten Bürgermeisterwahl bereits im ersten Durchgang gegen seine beiden Mitbewerber, Amtsinhaberin Grit Richter und Christian Möhring durch.

Theoretisch hätte er seinen Hut auch bei der Wahl am 10. November in den Ring werfen können, denn dann wählen auch die Bleckeder ein neues Stadtoberhaupt, weil der bisherige Rathauschef Jens Böther (CDU) als Landrat nach Lüneburg wechselt. Doch diese Option war für Andreas Gehrke nie eine. Geboren in Hagenow, wohnhaft in Rassau, fühlte und fühlt sich der 40-Jährige stets verbunden mit der Region und den Menschen, die in der Gemeinde Amt Neuhaus leben. „Auch wenn das mit meiner Wahl zum Bürgermeister in der Gemeinde Amt Neuhaus nicht geklappt hätte, an der Bürgermeisterwahl in Bleckede hätte ich trotzdem nicht teilgenommen“, versichert der 40-Jährige.

Ihn zieht es jetzt also beruflich nach Neuhaus, hier will er „gestalten, neue Impulse geben und nicht nur verwalten“. Dass das angesichts der hohen Verschuldung der Gemeinde nicht leicht wird, weiß Gehrke. Dazu kommen die Probleme des demografischen Wandels. Junge Menschen ziehen mangels Perspektiven und beruflichen Möglichkeiten weg. Hier will der neue Bürgermeister gegensteuern, Angebote entwickeln – auch für Unternehmen. Dazu braucht es aber die feste Elbquerung – nach der Rückgliederung von der Politik versprochen und bis heute nicht realisiert.

Er selbst wohnt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Rassau auf dem Hof seiner Großeltern. „Das ist schon sehr ländlich hier. Wer hier lebt, muss das mögen „, sagt Gehrke. Seine Familie und er mögen es, lieben das Landleben und können sich ein Leben in der Großstadt kaum vorstellen. Zumal der Ort Rassau, der Hof seiner Großeltern, für Andreas Gehrke eine ganz besondere Bedeutung hat. Dass seine Großeltern zu DDR-Zeiten nicht zwangsumgesiedelt und der Hof niedergerissen wurde – wie so viele andere Gehöfte im ehemaligen Grenzgebiet – war dem Umstand geschuldet, „dass meine Großmutter schwanger war“, berichtet Andras Gehrke. Nur deshalb habe sie und ihr Mann bleiben dürfen, selbst die Geschwister hätten den Hof verlassen müssen. „Das alles sind Schicksale, über die erst nach der Wende nach und nach gesprochen wurde“, sagt Gehrke.

Von Klaus Reschke