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Ralf Wildvang demonstrierte live, wie einfach ein Computer-Angriff ist. (Foto: t&w)

Online? Aber sicher!

Lüneburg. Ob beim Einkaufen, beim „Whatsappen“ oder abends vor dem Smart TV. Wir alle werden täglich mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung konfrontiert. Aber was bedeutet es eigentlich für unsere Sicherheit, wenn weite Teile unseres Haushalts digital vernetzt sind? Welche Gefahren lauern beim bargeldlosen Zahlungsverkehr? Wie bewegen wir uns sicher in Sozialen Netzwerken? Wie wir unsere persönlichen Daten vor Angriffen schützen können, beantwortete eine interaktive Live-Hacking Show im Libeskind-Gebäude der Leuphana Universität.

Veranstalter war das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport. „Es geht darum, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Wir müssen erkennen, wie viel unsere Daten eigentlich wert sind“, erklärte David Richter, EDV-Sicherheitsfachmann. Neben ihm waren auch zahlreiche Experten von Polizei und Verbraucherschutz eingeladen, die Bürger umfassend über mögliche Schutzmaßnahmen zu informieren.

Der jüngste Teilnehmer ist zehn Jahre alt

Die Veranstaltung war Teil einer Cyber-Security Kampagne des niedersächsischen Innenministeriums und findet dieses Jahr in sechs Städten in Niedersachsen statt. „Auch in Lüneburg besteht großes Aufklärungs-Interesse mit über 500 Anmeldungen für den Abend in der Leuphana. Das Bedürfnis nach Sicherheit im Netz wird immer größer. Der jüngste Teilnehmer ist zehn Jahre alt und die älteste über achtzig“, berichtete Nadine Bunzler-Devoucoux, Pressesprecherin des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport.

Zu Beginn führte Moderator Andreas Kuhnt vom NDR mit dem Lüneburger Polizeipräsidenten Thomas Ring und Lüneburgs Stadtrat Markus Moßmann ins Thema ein.

„Aber nicht nur online kommt es zu Angriffen. Durch psychische Manipulation und Angst der Nutzer ist diese facettenreiche Geschichte auch offline möglich.“ – Ralf Wildvang, IT-Experte

Danach erhielten die Teilnehmer einen Einblick in die Arbeit moderner Hacker im Rahmen eines interaktiven Live-Hackings. Ralf Wildvang, Geschäftsführer der Firma Sempacon, demonstrierte, wie einfach es ist, gehackt zu werden – wie schnell also Fremde Zugriff auf einen Computer haben können: „Es geht nicht darum, den Leuten Panik zu machen, sondern sie aufzuklären. Seit zehn Jahren mache ich das jetzt schon.“ Dafür stellte er zwei Computer auf – einen als Hacker, den anderen als Anwender. Auf einem großen Bildschirm verfolgten die Zuschauer, wie schnell jeder Opfer eines Angriffes werden kann. „Aber nicht nur online kommt es zu Angriffen. Durch psychische Manipulation und Angst der Nutzer ist diese facettenreiche Geschichte auch offline möglich“, erklärte der IT-Spezialist.

Betrüger greifen auf Kreditkartendaten zu

Das beste Beispiel dafür hatte Sabine Oppen-Schröder von der Verbraucherzentrale: „Angebliche Microsoft-Mitarbeiter brachten einige bereits um ihr Geld. Die Leute bekamen Hinweistexte beim Surfen im Internet, welche den gesamten Bildschirm blockierten. Doch was sich zunächst nach einem guten Service anhörte, war in Wahrheit eine Betrugsmasche, die sich ,Tech Support Scam‘ nennt.“ Die Betrüger konnten dann aus der Ferne auf den Computer zugreifen und zudem noch Kreditkartendaten einsehen. „Ein
Kunde hätte seinen Computer danach am liebsten einfach für immer zerstört, weil er kein Vertrauen mehr in die Technik hatte.“

Vor und nach den Vorträgen bestand die Möglichkeit, verschiedenen Experten aus Verbänden, Vereinen und staatlichen Institutionen im Rahmen der „Security Expo“ Fragen rund um das Thema  Informationssicherheit zu stellen. Außerdem konnte man sich über private sowie staatliche Konzepte und Maßnahmen für mehr Sicherheit im Umgang mit dem Internet informieren. „Nicht nur die Daten müssen sicher sein, auch die Menschen selber. Durch Cyberstalking und Mobbing hat es bereits Todesopfer gegeben“, gab Dieter Hellberg, Mitarbeiter beim Weißen Ring, zu bedenken.

Von Malin Mennrich