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Den symbolischen ersten Spatenstich für den Glasfaserausbau setzen im Nikolaihof (v.l.) Paul Gummert (Firma Internexio), Steffen Gärtner, Uwe Krabbe und Heiner Luhmann. (Foto: t&w)

Zukunft startet an historischer Stätte

Bardowick. Der Ort für den ersten Spatenstich hat Symbolkraft. Vor den ältesten Gebäuden auf dem mittelalterlichen Nikolaihof in Bardowick fiel gestern der Startschuss für den Glasfaserbau in Bardowick, Vögelsen und Reppenstedt.

Im Schatten der Kapelle aus dem frühen 14. Jahrhundert und vor dem alten Männerhaus von 1316, in dem heute die Bücherei der Samtgemeinde Bardowick beheimatet ist, griffen Vertreter der an dem Ausbau beteiligten Kommunen und Firmen zu Schaufeln, um den Baustart einzuläuten. „Hier trifft Geschichte auf Moderne“, sagte Uwe Krabbe, Geschäftsführer des Unternehmens Internexio, das künftig als Pächter das Netz betreiben wird und nach dem Tiefbau für die Hausanschlüsse verantwortlich ist.

Schnelles Internet auch wichtig für eine Bücherei

Er betonte, dass das Glasfasernetz in den drei Orten jetzt so schnell wie möglich aufgebaut wird. „Der Markt drängelt, weil Kapazitäten gefragt sind“, so Krabbe. Das bestätigte Bücherei-Leiterin Ursula Schwanitz-Roth, die die Gäste der kleinen Feierstunde durch das mehr als 700 Jahre alte Gemäuer führte. „Wir warten händeringend auf das schnelle Internet. Zurzeit können wir unseren Nutzern nicht mal WLAN anbieten, weil die Leitungskapazität durch den Betrieb unserer vier Bücherei-Computer bereits überlastet ist“, sagte sie. Doch ein funktionierender Internet-Zugang sei für eine moderne Bücherei wichtig. Zumal immer mehr moderne Medien digitale Leitungen benötigten, ergänzte Uwe Krabbe.

Als erstes rücken Leitungsbauer aus Schweden in Vögelsen an. „Im Baugebiet Süderfeld 3 liegen schon Leerrohre“, berichtete Merlin Krabbe von der Firma LAN Consult, die als zuständiges Ingenieur-Büro die Bauaufsicht hat. Bürgermeisterin Silke Rogge (SPD) freut sich über den Start im Süderfeld. „So erhalten die dortigen Bauherren tatsächlich noch die Möglichkeit, modernes Glasfaser schon jetzt nutzen zu können“, meinte sie.

„Der Markt drängelt, weil Kapazitäten gefragt sind.“
Uwe Krabbe, Internexio

Merlin Krabbe veranschlagt für das Projekt maximal zwei Jahre. In diesem Zeitfenster soll in allen drei Gemeinden das Glasfasernetz aufgebaut sein. „Zuerst werden die Hauptstränge verlegt. Von Vögelsen ausgehend nach Bardowick und Reppenstedt. Jeder Ort erhält seinen eigenen Hauptverteiler“, erklärte er. Vögelsen ist für das Projekt der technische Dreh- und Angelpunkt, weil dort bereits Glasfaserleitungen aus Neu Vögelsen und Mechtersen kommend verlegt wurden.

Steffen Gärtner (CDU), Bürgermeister der Samtgemeinde Gellersen, ist überzeugt, dass der Aufbau des Glasfasernetzes ein großer Erfolg wird. „Es ist bis hierhin viel passiert hinter den Kulissen, das war eine tolle Teamleistung“, sagte er. Das sieht auch sein Amtskollege Heiner Luhmann (CDU) aus der Samtgemeinde Bardowick so: „Es war zwar ein langer und steiniger Weg bis zum ersten Spatenstich, doch die Vorarbeit hat sich gelohnt.“

Luhmann und Gärtner sehen ihre Samtgemeinden als Vorreiter beim Ausbau des schnellen Internets in Kommunen, die eigentlich als versorgt gelten, weil 30 Mbit/Sekunde im Download möglich sind. So ist es auch in Bardowick, Reppenstedt und Vögelsen. Die Orte müssten dem privaten Markt überlassen werden. Der Gesetzgeber untersagt der öffentlichen Hand, beim Aufbau eines Glasfasernetzes selbst tätig zu werden.

Nicht verboten ist Kommunen allerdings, eigene Unternehmen zu gründen, um solche Projekte zu realisieren. Das haben die Samtgemeinden Bardowick und Gellersen gemacht. „Unter Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten“, betonte Luhmann.

Von Stefan Bohlmann