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Gemüsebauer Jens Warnecke steckt mitten drin in der Grünkohlernte. (Foto: t&w)

Eine echte Vitaminbombe

Bardowick. Erst wenn Grünkohl Frost abbekommen hat, entfaltet sich sein Aroma perfekt. „Wir hatten ja schon Nächte mit minus vier Grad und haben deshalb jetzt mit der Ernte losgelegt“, sagt Gemüsebauer Jens Warnecke aus Bardowick.

Eigentlich, erklärt er, benötigten die modernen Sorten keinen Frost mehr. „Trotzdem sorgen die Minusgrade dafür, dass der Grünkohl süßer im Geschmack wird. Auch ist sein Gewebe dann weicher und er lässt sich besser kochen“, erläutert der Landwirt, der seit mehr als vier Jahrzehnten das typische Wintergemüse im Domflecken anbaut.

„Wer gesund bleiben will, sollte viel Grünkohl essen.“
Jens Warnecke, Gemüsebauer

Auf dem Feld im Bardowicker Bruch setzt er die Klinge seines äußerst scharfen Messers an, schneidet den rund acht Zentimeter dicken Kohlstängel durch, trennt den oberen Teil der Pflanze vom unteren ab. „Was für eine prächtige Palme des Nordens“, schwärmt er von dem Exemplar der Sorte Winterbor in seinen Händen. Überhaupt ist er begeistert von dem Gewächs auf seinem Acker. „Es ist ein Super-Gemüse und echter Darmputzer.“

Denn Grünkohl regt wegen seiner zahlreichen Ballaststoffe nicht nur die Verdauung an, sondern entschlackt auch. „Es gibt nichts Gesünderes.“ So stecken in dem Wintergemüse 105 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm Kohl. „Das ist mehr als in einer Zitrone“, sagt Jens Warnecke. Für ihn gibt es kein Vertun: „Wer gesund bleiben will, sollte viel Grünkohl essen.“

Doch dieser Appell verhallt seit Jahren vermehrt. Die Nachfrage sinkt ständig. „Meist sind es Kunden in den Altersstufen über 40 Jahre, die noch Grünkohl kaufen“, berichtet er. Dennoch trotzt der 64-Jährige dem Trend und baut, wenn auch auf einer vergleichsweise kleinen Fläche von einem Hektar, das Gemüse nach wie vor an. „Es gehört einfach zu meinem Wintersortiment, das ich meinen Kunden anbieten möchte“, sagt der Bardowicker, der seine Waren direkt vermarktet, im Hofladen und auf Märkten in der Region und in Hamburg. Zukaufen von anderen Produzenten lohne nicht. „Außerdem wüsste ich nicht, welche Qualität ich bekomme.“ Auch deshalb baut er selber an. „Da weiß ich, was ich habe.“

Mühevoll ist die Arbeit. „Jede Palme pflanze ich mit einer Maschine einzeln“, sagt er. Rund 10 000 in einem Treibhaus bei Bremen vorgezogene Topfpflanzen wanderten so für diese Saison ab Anfang August in den Boden. „Früher habe ich den Kohl noch selber gezogen. Aber das lohnt sich nicht mehr.“ Ebenfalls maschinell hackt Jens Warnecke Unkraut zwischen den Grünkohlpflanzen heraus. Er muss das Gemüse im Sommer zudem wässern, damit sich die Blätter nicht auf Grund des Mangels an Feuchtigkeit gelb färben.

„Bei der Ernte wird dann jedes Exemplar einzeln mit dem Messer geschnitten und in Handarbeit gerupft. Wenn Schnee und Frost auf dem Grünkohl liegen ist das eine fiese Arbeit“, erzählt der Landwirt. Für ein Kilo handgerupften und gewaschenen Grünkohl nimmt er aktuell 2,90 Euro. Je nach Wetter dauert die Grünkohlzeit bis Mitte Februar. Dann hat Jens Warnecke schätzungsweise zwischen 5000 und 6000 Kilo des gesunden Super-Gemüses geerntet und den noch verbliebenen Grünkohl-Liebhabern Gaumenfreuden bereitet.

Deftig schmeckt‘s ihm am besten

Jens Warnecke mag Grünkohl klassisch deftig am liebsten. „Grünkohl muss mit Kassler aufgekocht werden, später dann kommt Bregenwurst mit in den Topf – am liebsten von unserem Schlachter in Bardowick.“ Schmalz, Zwiebeln, Pfeffer, Salz, ein Hauch Senf gehören ebenfalls mit in den Kochtopf. „Serviert wird der Grünkohl dann mit halbfestkochenden Kartoffeln. Mit denen lässt sich der Kohl dann so richtig gut musen. Lecker!“

Von Stefan Bohlmann