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Der Baukran hat auf dem Klärwerksgelände Position bezogen, wo die neue Rechen- und Pumpenanlage gebaut wird. (Foto: be)

Eine saubere Sache

Lüneburg. Rund 9 Millionen Kubikmeter Abwasser aus Lüneburg und den umliegenden Gemeinden werden pro Jahr im Klärwerk an der Bockelmannstraße gereinigt. Die Rechenanlage, mit der im ersten Schritt Grobstoffe wie Steine, Fasern oder Holzteilchen herausgefiltert werden, ist in die Jahre gekommen, die Technik veraltet, die Bausubstanz marode. Deshalb baut die Abwasser, Grün & Lüneburger Service GmbH (AGL) eine neue Rechenanlage sowie ein Pumpwerk, die Arbeiten haben gerade begonnen. Geschäftsführer Lars Strehse und Torsten Bolick, Bereichsleiter Klärwerk, stellten das Projekt jetzt vor. Die AGL investiert rund 9,5 Millionen Euro.

Die vorhandene Rechenanlage ist rund 20 Jahre alt, das Gebäude zum Teil von 1958. Ein Bauen im Bestand wäre aufwendig und teuer gewesen, deshalb habe man sich für den Neubau entschieden, erläutert Strehse. „Die neue Anlage wird nun im westlichen Teil des Betriebsgeländes errichtet in unmittelbarer Nähe zu den nachfolgenden Reinigungsstufen und ist damit der letzte Schritt der Verlagerung der Abwasserreinigungsanlagen.“ Damit werde gleichzeitig Platz geschaffen für künftige weitere Anlagen und Gebäude. „So ist derzeit bereits der Neubau eines Zwischenlagers für Klärschlämme in der Planung, da gemäß gesetzlicher Vorgaben die AGL bis spätestens 2029 die landwirtschaftliche Verwertung der Klärschlämme einstellen muss.

Zulaufkanäle müssen neu gelegt werden

Aufgrund der Düngeverordnung kann die Landwirtschaft schon heute nicht mehr alle anfallenden Klärschlämme verwerten, so dass der überwiegende Teil der Schlämme bereits thermisch entsorgt werden müssen. Der Neubau wird notwendig, um Material in ausreichender Menge zwischenlagern zu können.“

Die Verlagerung der Anlage nebst sogenanntem Schneckenpumpwerk auf dem Betriebsgelände hat zur Folge, dass die Zulaufkanäle dorthin neu verlegt werden müssen. „Der überwiegende Teil der 600 Meter Kanalrohr wird dazu durch den Untergrund getrieben“, verdeutlicht Bolick. Das hat den Vorteil zum Beispiel für den ESV-Sportplatz, unter den ein Kanal gepresst wird, „dass der Sportbetrieb nur wenig beeinträchtigt wird“.

Von den Kanälen aus, die fünf Meter tief in der Erde liegen, muss das Abwasser mittels Förderschnecken der neuen Pumpanlage etwa 8 Meter hochgepumpt werden zu drei Rechen. Die haben im Gegensatz zu ihren Vorgängern nur eine Maschenbreite von 3 Millimeter, so dass Grobstoffe sehr effektiv aus dem Abwasser herausgefiltert werden können. Das „Rechengut“ wird mit Brauchwasser gewaschen, gepresst und geht zur Verwertung an den Abfallentsorger GfA in Bardowick.

Um die Investitionskosten zu decken, hat der Rat der Stadt bereits im Dezember 2018 beschlossen, die Schmutzwassergebühr in zwei Schritten zu erhöhen (LZ berichtete). Zum 1. Januar 2019 war sie um 15 Cent pro Kubikmeter von 1,30 Euro auf 1,45 Euro gestiegen. Zum 1. Januar 2020 wird sie um weitere 20 Cent auf 1,65 Euro angehoben. Die Gebühr für Niederschlagswasser – seit Juli 2005 gibt es in Lüneburg eine getrennte Abwassergebühr – bleibt unverändert bei 39 Cent pro Kubikmeter.

Der Kübelmann hatte lange Dienst

Ein Blick auf einige wichtige Daten zum Thema Kanalbau:

  • 1854: Beginn des Kanalbaus in Lüneburg. Damit verfügt die Hansestadt im Innenstadtbereich heute über eines der ältesten Kanalnetze weltweit.
  • 1857: Im gesamten Stadtgebiet wird die Nutzung von „Kübeln“ zur Sammlung der Fäkalien verpflichtend für alle, die noch nicht an die Kanalisation angeschlossen sind.
  • 1904: Zu diesem Zeitpunkt sind 4 421 Kübel für 26 000 Einwohner im Einsatz.
  • 1937: Inbetriebnahme der Abwasserpumpstation „Auf der Hude“. Die Abwässer werden fortan über einer Druckrohrleitung auf Verrieselungsfelder nach Bardowick gepumpt.
  • 1958: Inbetriebnahme des Klärwerkes Lüneburg
  • 1981: Der Kübelmann macht seinen letzten Dienstgang
  • 1997: Gründung der Abwassergesellschaft Lüneburg mbH
  • 2008: Fusion mit dem städtischen Betriebshof zur Abwasser, Grün- und Lüneburger Service GmbH

Von Antje Schäfer