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Der Rote Gitterling kommt in Deutschland nur selten vor. Renate Kersting aus Lüneburg hat ihn in ihrem Kleingarten am Moldenweg entdeckt. Foto: privat

Ein Marsmännchen im Garten

Lüneburg. Viele Gartenfreunde bereiten in diesen Tagen ihre Beete auf den Winter vor. So auch Renate Kersting, die einen Kleingarten am Moldenweg besitzt. Dabei hat die Lüneburgerin eine interessante Entdeckung gemacht: In ihrem Garten wächst ein „Roter Gitterling“. Diesen Pilz findet man nur selten in Deutschland.

„Ich wollte gerade mein Beet abräumen, als mir dieses komische Gewächs aufgefallen ist“, sagt Kersting. „Ich hatte sowas noch nie vorher gesehen, der Pilz sah aus wie ein kleines Marsmännchen.“ Kersting fotografierte ihn mit ihrem Handy, zeigte das Bild ihrem Nachbarn und schaute in Pilzbüchern nach, um welche Sorte es sich handeln könnte. Jedoch ohne Erfolg, es gelang ihr nicht, den Namen herauszufinden.

Pilz des Jahres 2011

Schließlich fragte die Lüneburgerin beim Landesverband Niedersächsischer Gartenfreunde nach. „Die haben direkt am nächsten Tag zurückgerufen und mir gesagt, dass es sich um den sehr seltenen Roten Gitterling handelt“, erzählt Kersting. Außerdem empfahlen sie ihr, sich bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) zu melden.

Die DGfM kürte den Roten Gitterling 2011 zum Pilz des Jahres. Er hat eine rote bis fleischfarbene Gitterkugel, die sich aus einer eierschalenfarbigen Hülle entfaltet und anschließend einen Aasgeruch verströmt, der Fliegen anlockt. Diese saugen die Sporen auf und scheiden sie anschließend wieder aus – so verbreitet sich der Pilz. Giftig ist der Rote Gitterling nicht, auf Grund seines Gestanks jedoch ungenießbar.

„Dieses Jahr ist ingesamt ein gutes Pilzjahr“

Eigentlich kommt der Pilz hauptsächlich im Mittelmeergebiet vor. In Deutschland gibt es laut DGfM nur etwa 90 Funde. In Lüneburg ist Kerstings Roter Gitterling der erste, der der DGfM gemeldet wurde. Babett Hübler von der DGfM meint, dass in diesem Jahr bereits sieben Pilze dieser Art in Deutschland gemeldet wurden. Das sei zwar deutlich mehr als zuvor, die Gründe dafür könne man aber nicht genau benennen: „Dieses Jahr ist ingesamt ein gutes Pilzjahr, es ist deutlich feuchter als 2018. Vielleicht ist aber auch einfach das Bewusstsein der Menschen gewachsen und sie melden den Roten Gitterling häufiger bei uns.“ lvc