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Handys werden immer häufiger zur Kostenfalle für junge Menschen. Die Schuldnerberatung bietet ihre Hilfe an. Foto: AdobeStock

Kostenfalle hinterm Display

Lüneburg. Tipp, tipp, tipp – pleite. Immer öfter werden Handys und Smartphones zu Verschuldungsfallen, beobachten die Experten in der Schuldnerberatung Lüneburg er Heide. Und: In der Kostenfalle hinter dem Display verfangen sich vor allem jüngere Menschen. „30 Prozent der Menschen, die in finanzieller Schieflage bei uns Hilfe suchen, sind zwischen 18 und 25 Jahre alt“, sagt Schuldner- und Insolvenzberaterin Erika Holland, „Tendenz steigend. Und 98 Prozent dieser Menschen gerieten auch wegen des Handys in die roten Zahlen.“ Zwei Phänomene machen Erika Holland dabei besonders Sorgen: „Junge Menschen können dem Konsumdruck kaum entgehen. Und vielen wird nicht beigebracht, mit Geld umzugehen.“

Überschuldung ist dabei alles andere als ein exklusives Problem der Unterschicht. „Wir haben alle hier sitzen: Polizisten, Lehrer, Hartz-IV-Empfänger und Sozialpädagogen“, sagt Erika Holland und deutet auf die Stühle vor ihrem Schreibtisch im zweiten Stock der Bahnhofstraße 18 – dem neuen Standort der jüngst umgezogenen Schuldnerberatung.

Erika Holland ist eine von drei Beratern in der Schuldnerberatung Lüneburger Heide. Foto: privat

Hilfe zur Selbsthilfe

„Manche wachsen einfach zu behütet auf“, vermutet die Schuldnerberaterin. „Wer bis zum 18. Geburtstag den Handy-Vertrag von Mama und Papa spendiert bekommen hat, musste sich vielleicht nie darum kümmern, wo Kosten anfallen.“ Eine Unselbstständigkeit, die auch an anderer Stelle verheerend wirken könne, etwa bei dem fehlenden Überblick über die fixen Kosten der ersten eigenen Wohnung. „Manche jungen Leute wissen nicht mal, was eine Schufa-Auskunft ist“, sagt Erika Holland. Da exzessive Verschuldung aber nicht nur in die Insolvenz führen könne, „sondern auch in der Seele Spuren hinterlässt, etwa ein gegen Null tendierendes Selbstvertrauen, übernehme ich ein bisschen die Elternrolle.“

Vorwürfe müsste sich niemand von den drei Schuldnerberaterinnen anhören, versichert Holland. Stattdessen nehmen die Profis dem Verschuldeten das Rote-Zahlen-Problem komplett aus der Hand, setzen sich mit den Gläubigern auseinander. Anschließend gibt es Hilfe zur Selbsthilfe, etwa bei der Erstellung eines Haushaltsplans, um Einnahmen und Ausgaben im Blick zu behalten. Dazu wird vermittelt, dass immer erst die Fixkosten zu bedienen seien und dann die Gläubiger, „weil das Problem sonst wächst.“

Fehlende Kompetenz im Umgang mit Geld

Traurig sei zwar, dass die Schuldner immer jünger würden. Dafür freut sich Erika Holland darüber, dass gerade bei dieser Klientel Erfolge leichter fallen. „Hier führten nicht Krankheit, Jobverlust oder Scheidung in die Schulden, sondern fehlende Kompetenz im Umgang mit Geld.“ Die lässt sich allerdings erlangen. Und so schließt die Schuldnerberaterin: „Ich bin stolz auf die Jugendlichen, die oft eine rasante Entwicklung nehmen, nachdem man ihnen etwas Hilfestellung gegeben hat.“

Die Schuldnerberatung Lüneburger Heide hat ihren Sitz in der Bahnhofstraße 18 in Lüneburg. Die Sprechzeiten: montags, mittwochs und freitags jeweils von 8 bis 14 Uhr, dienstags und donnerstags von 8 bis 19 Uhr.

Von Joachim Zießler

Kostenfallen vermeiden

  • Telefoniert man so viel, dass sich eine Flatrate rechnet?
  • Wenn der Tarif Voice over IP zulässt, kann man über das Internet, also WLAN oder den Datentarif kostengünstiger telefonieren als über den Mobilfunk-Tarif.
  • Das Guthabenkonto kann ins Minus rutschen, wenn Surfen und Telefonie bei aufgebrauchtem Datenvolumen nicht unterbrochen werden.
  • Ist ein Spiel ohne kostenpflichtige In-App-Käufe nicht zu bewältigen, sollte eine Dritt-anbietersperre eingerichtet werden.
  • Mit dem im Voraus bezahlten Prepaid-Tarif gelingt die Kostenkontrolle leichter.
  • Eine App zur Kostenkontrolle des verbrauchten Datenvolumens hilft.