Aktuell
Home | Lokales | Ein separater Raum für den Drogenkonsum?
Die Lüneburger Drogenszene trifft sich im Clamartpark. Was viele besonders problematisch finden: Direkt nebenan ist die Oberschule am Wasserturm. (Foto: A/t&w)

Ein separater Raum für den Drogenkonsum?

Lüneburg. Es ist kein Geheimnis, dass die Lüneburger Drogenszene im Clamartpark eine zentrale Anlaufstelle hat. Immer wieder sorgt das für Diskussionen: Muss eine Gesellschaft das aushalten können oder sollte sie, wenn sie den Konsum schon nicht verhindern kann, zumindest dafür sorgen, dass er nicht vor den Augen von Kindern stattfindet? Einige Städte haben extra Räume etabliert, in denen Drogen kontrolliert konsumiert werden können. Sind solche sogenannten Drogenkonsumräume oder Druckräume auch für Lüneburg eine Option? Karlheinz Fahrenwaldt (Die Linke) warf diese Frage jüngst im Sozial- und Gesundheitsausschuss des Rates auf. Die LZ hat mit Verantwortlichen gesprochen.

Polizei: „Rechtliche Möglichkeiten müssen genau geprüft werden“

Pia Steinrücke, Stadträtin für Bildung, Jugend und Soziales, ist da skepktisch. „Ein Druckraum ist schwer mit unserer Gesetzgebung zu vereinbaren“, ist sie überzeugt. Drogen sind in Deutschland nicht legal, weshalb es schwierig sei, solche Räume einzuführen. Das sieht auch Lüneburgs Polizeipressesprecher Kai Richter so: „Wir können natürlich nicht alles zulassen und vor Straftaten nicht die Augen verschließen. Man müsste die rechtlichen Möglichkeiten für einen solchen Raum ganz genau prüfen.“ Pia Steinrücke sieht zudem die Gefahr, dass Drogenkonsumräume suchtkranke Menschen noch stärker anziehen würden.

Diesen Verdacht bestätigt Konstanze Kalmus, Pressesprecherin der Stadt Hannover. Die Landeshauptstadt ist bisher die einzige niedersächsische Stadt, die einen Druckraum hat. „Die Einrichtung eines Drogenkonsumraumes bedeutet, dass sich dort die offene Drogenszene, die es ohnehin in der Stadt gibt, ansiedelt.“ Konstanze Kalmus verdeutlicht, dass das aber auch Vorteile mit sich bringt: „Die Konzentrierung der Szene vor der Einrichtung bedeutet auch, dass die Aufteilung vieler Kleingruppen auf Spielplätzen oder Parks geringer wird.“ In Hannover kann so sowohl die aufsuchende Sozialarbeit als auch die Kontrolle der Polizei an einem Ort gebündelt werden.

Konzentration hat Vor-, aber auch Nachteile

Die Pressesprecherin der Landeshauptstadt erklärt, dass ein Drogenkonsumraum mehrere wichtige Aspekte für Suchtkranke erfülle: „Es gibt Getränke, Duschen und Toiletten, Waschmaschinen, Beratungsangebote, ärztliche Versorgung und die Möglichkeit eines kostenlosen Spritzentausches.“ Dadurch würden auch deutlich weniger gebrauchte Spritzen in der Öffentlichkeit herumliegen. Außerdem würde während der Öffnungszeiten des Druckraums kaum Heroin in der Öffentlichkeit konsumiert werden.

Darin sieht Gudrun Mannstein, Leiterin der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention „drobs Lüneburg“ aber ein Problem: „Sollte die Einrichtung eines Druckraums in Erwägung gezogen werden, müsste dieser 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche geöffnet sein. Anders kann das nicht funktionieren.“ Sie plädiert deshalb für einen Kontaktraum. „Dort können sich Suchtkranke in schöner Atmosphäre aufhalten, frühstücken und eine warme Mahlzeit bekommen. Vor allem gibt es dort auch einen Spritzenaustausch.“ Ein Kontaktraum sei aber, anders als ein Druckraum, ein drogenfreier Raum. Bedeutet: Gespritzt werden dürfte dort nicht.

„Wir wollen den Menschen helfen. Die Frage ist nur, wie man das schaffen kann, ohne seine Aufgabe als Exekutive des Staates zu vernachlässigen“, fasst Kai Richter seinen Standpunkt und damit die Situation in Lüneburg zusammen. Auch für Pia Steinrücke ist klar, dass ein Weg gefunden werden muss, mit der Drogenszene umzugehen, für sie steht aber fest: „Ein Druckraum ist nicht die Lösung.“

Von Lilly von Consbruch