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Finanz-Poker um die Zukunft des Theaters

Lüneburg. Es ist ein Drama, das in nüchternen Zahlen daher kommt: Das Lüneburger Theater kann seine Kosten nicht decken. 233.000 Euro werden in diesem Jahren fehlen, nach aktuellem Stand sind es für 2020 dann weitere 322.000 Euro und für 2021 schon 589.000 Euro, die sich da addieren könnten. „Dann müssten wir den Insolvenzantrag stellen“, erläuterte Geschäftsführer Volker Degen-Feldmann am Montag den Mitgliedern des Kulturausschusses des Kreistags. Denn dann ist die Kapitalrücklage des Theaters von derzeit noch 620.000 Euro aufgebraucht.

Mit Aktionen wie „Rette Dein Theater“ hatten Belegschaft, Freunde und Förderer zuletzt kreativ den Druck insbesondere auf die Landespolitik erhöht. Mit zumindest teilweisem Erfolg. So wurden die Zuschüsse erhöht, allerdings blieb die Anpassung an die jährlichen Tarifsteigerungen dabei weitgehend unberücksichtigt.

Sechs Preiserhöhungen in acht Jahren

Es sind die Gegensätze, die die Dramatik verdeutlichen: Mit 113.361 Zuschauern erreichte das Theater in der vorigen Saison den zweitbesten Besuch der vergangenen 41 Jahre. Seit 2010 gelang hier eine Steigerung um 23 Prozent, die Auslastung liegt bei überaus respektablen 82,1 Prozent. Sechs Preiserhöhungen in acht Jahren spülten zudem 58 Prozent mehr Kartenumsatz in die Theaterkasse.

Mit einem Betriebszuschuss von 64,17 Euro je Besucher liegt das Lüneburger Theater deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 120,94 Euro und dem im Bund (138,01 Euro). So ist auch der Eigenanteil von 27,6 Prozent bei den Einspielergebnissen zehn Prozentpunkte besser als der Landes- beziehungsweise Bundesdurchschnitt. „Das zeigt, wie wir maximal wirtschaftlich arbeiten“, betonte Degen-Feldmann vor den Kreispolitikern.

Ein zu geringer Zuschuss

Der Geschäftsführer hatte aber auch Fakten aufbereitet, die so deutlich nicht immer in der öffentlichen Diskussion sichtbar werden. So ist der Anteil des Landes bei den Zuschüssen für kommunale Theater für Lüneburg mit 52,6 Prozent der höchste und liegt mitunter deutlich über den der vier anderen Bühnen. Im Umkehrschluss: Der Anteil von Stadt und Kreis ist anteilig deutlich niedriger.

„Das ist ein zu geringer Zuschuss aus unserem Bereich“, kommentierte Ausschussvorsitzender Berni Wiemann (FDP) die Zahlen. Der Liberale plädierte für ein „deutliches Signal“ und schlug vor, fraktionsübergreifend bis zu 250.000 Euro zusätzlich aus dem Kreisetat für die nächste Spielzeit zur Verfügung zu stellen. Ihm assistierte die Aufsichtsratsvorsitzende der Theater GmbH, Barbara Beenen (SPD): „Das wäre ein deutliches Zeichen an die Mitarbeiter des Theaters.“

Mehrkosten sind auf Land, Kreis und Stadt verteilt

Doch so schnell wollten die anderen Fachpolitiker hier nicht mitgehen. Unisono betonten mehrere Redner aus den Reihen von CDU und SPD, dass die Theaterfinanzierung dauerhaft gesichert werden sollte. Allerdings wollen sie hier nicht einseitig in Vorleistung gehen, sondern noch die Signale von Stadt und Land abwarten.

Wenige Tagesordnungspunkte später stand dann der Haushaltsentwurf für das nächste Jahr auf der Tagesordnung. Da wurde im Kleingedruckten indes schon deutlich, wie die Verwaltung rechnet. Im Haushalt für 2020 geht man im Kreishaus davon aus, dass das Theater für das nächste Jahr rund 735.000 Euro mehr zur Verfügung haben wird als für 2019 geplant waren – die Mehrkosten sind dabei relativ gleichmäßig auf Land, Kreis und Stadt verteilt.

Von Marc Rath