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Kai Fa Lee kann sich vorstellen, später Arzt zu werden. Foto: cec

„Für mich zählt jeder Moment“

Lüneburg. Das öffentliche Bild der Pflege in Deutschland ist nicht so besonders – geringe Bezahlung, zu wenig Pflegekräfte, überfüllte Stationen. Viel zu selten wird über die Momente gesprochen, die berühren, die diesen herausfordernden Beruf so erfüllend machen. Über die menschliche Wärme, Blicke und Gesten, die den Pflegern viel zurückgeben. Mit der Aktion #GutePflege wollte das Bundesgesundheitsministerium daran etwas ändern und ließ Menschen zu Wort kommen, die in der Pflege arbeiten, und von ihren schönsten Erfahrungen berichten. Die LZ tat es ihm nach und unterhielt sich mit Kai Fa Lee. Der 20-Jährige Lüneburger ist aktuell im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger an der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL).

Kai Fa Lee war schon ziemlich früh klar, dass er später einmal nicht im Büro, wohl aber mit Menschen arbeiten wollte. Arzt zu werden, war eine Idee. Nach seinem Abitur am Gymnasium Oedeme machte er aber zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Gerontopsychologie der PKL, unterstützte die examinierten Pflegekräfte bei der Versorgung und der Beschäftigung der Patienten, um dabei festzustellen: „dass ich hier Fähigkeiten erlernen kann, mit der ich in der Somatik nicht unbedingt konfrontiert werde – das Zwischenmenschliche.“

Ein Beruf mit Zukunft

Der Gedanke, Arzt zu werden, begleitet Lee weiterhin, aber in seinem FSJ kam er zu dem Schluss, „dass es wichtig ist, zu lernen, mit Menschen umzugehen, bevor man in einen akademischen Beruf geht“, und entschied sich zunächst für seine Ausbildung, in der die praktischen Einsätze sowohl in der PKL als auch im Klinikum Lüneburg stattfinden. Auch die pragmatische Ebene spielte bei seiner Wahl eine Rolle. „Denn die Pflege ist definitiv ein Beruf mit Zukunft, in dem ich über die Jahre tätig sein kann“, ist sich Lee sicher.

Im August 2018 startete seine Ausbildung, seither hat er schon viele Stationen durchlaufen – an der PKL die Kinder- und Jugendpsychiatrie, die forensische Abteilung, die Adoleszenz-Station, den ambulanten Pflegedienst der Orthoklinik und am Klinikum die Unfall- und die Viszeralchirurgie. Auf welcher es ihm am besten gefallen hat, kann Lee so nicht sagen. Gesundheits- und Krankenpflege sei für ihn eh kein Beruf, mit dem man auf die Frage „Was machst Du so den ganzen Tag?“ einfach antworten könne. „Sie haben mir alle Spaß gemacht, da ich mich auf jeder sowohl beruflich als auch als Mensch weiterentwickelt habe.“ Die Arbeit in der Psychiatrie sei sehr herausfordernd. Zwar gebe es schulisch klare Kriterien und Gesetzmäßigkeiten, nach denen Gesundheit und Krankheiten unterschieden und definiert werden, und entsprechend Richtlinien für die Therapie. „Doch letztlich ist jeder Mensch individuell und niemand kann nach Schema F behandelt werden – das fasziniert mich“, sagt der junge Lüneburger. Auch eine schönste Erfahrung möchte er nicht benennen, denn: „Für mich persönlich zählt jeder Moment, in dem ich den Patienten helfen und ihnen Zeit schenken kann.“

Duales Studium neben der Ausbildung

Zeit mit den Patienten zu verbringen, ist für Kai Fa Lee das A und O im Stationsalltag. „In unserer Gesellschaft, in der es immer darum geht, schneller, effizienter, effektiver zu werden, ist es für mich einfach schön, den Patienten Gespräche anzubieten“, sagt Lee, „Es ist eine sehr intuitive Arbeit, zu spüren, was der Patient gerade braucht, wo der Schuh drückt.“

Lees Begeisterung für seinen Job drückt sich auch in seinem Erfolg aus. Pro Kurs fördert die Pflegeschule drei der besten Schüler, wenn sie sich für ein duales Studium neben der Ausbildung entscheiden. Kai Fa Lee ist einer von ihnen. Er schrieb sich für den Studiengang Angewandte Pflegewissenschaften an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg ein, pendelt seither, um dort regelmäßig am Blockunterricht teilzunehmen.

Ganz schön viel auf dem Zettel, aber Lee ist zufrieden mit seinen Entscheidungen. „Der Spaß und Erfolg in meinem Beruf ist eigentlich nicht zu beschreiben, man muss es einfach gefühlt haben, wie es ist, einen Menschen bei der Genesung zu begleiten“, sagt der 20-Jährige.

Von Cécile Amend