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Heidekönigin Leonie Laryea zählt die Einzelblüten einer Besenheide, assistiert von Heidebock Falko Gardlo (r.). Beim Crashkurs zum Thema Heide vermittelte Burkhard Jäkel Interessantes und Wissenswertes über die Pflanze und die Kulturlandschaft. Foto: Koltermann

Königin und Bock sind fit

Amelinghausen. Die Amelinghausener Heideköninigin gehört zu den wichtigsten und bekanntesten Repräsentanten der Lüneburger Heide. Bei bis zu 70 Veranstaltungen vor Ort, aber auch in ganz Deutschland, wirbt die amtierende Majestät in ihrer einjährigen Amtszeit für ihre Region. Dazu gehört auch detailliertes Wissen über die Besonderheiten und Gegebenheiten der heimischen Kulturlandschaft. Entsprechendes wird der jeweiligen Heidekönigin in der Anfangszeit ihrer Regentschaft bei einem ganz persönlichen Infotag in der Natur hautnah erklärt.

Ohne Purpurmantel und Krone, dafür ausgestattet mit Block und Stift zog daher vor kurzem Leonie Laryea mehrere Stunden lang durch die Heidelandschaft rund um Amelinghausen. Mit an Bord war aber auch der amtierende Heidebock Falko Gardlo. Er wollte sich den „Crashkurs“ ebenfalls nicht entgehen lassen. Als Natur-Fitnesscoach für die beiden fungierte Umweltexperte Burkhard Jäkel. Er „brieft“ seit 2001 ehrenamtlich die Amelinghausener Majestäten. „Die beiden waren sehr interessiert und haben vieles mitbekommen“, sagt Jäkel. Lachend fügt er an: „Jetzt können die beiden bei ihren Auftritten kompetent auf schlaue Fragen antworten.“

Plaggen, Schoppern, Mähen, Brennen

Zu dem Trio gesellten sich zudem noch Marie-Luisa Ehrlich vom Heideblütenfestverein und Wolfgang Koltermann vom Verein RegioKult. Koltermann hatte vor Wochen bereits eine Entkusselungsaktion in der sogenannten Begrüßungsheide vor Amelinghausen initiiert, an der Leonie Laryea ebenfalls tatkräftig teilgenommen hatte. „Da hat sie schon einiges über die Heide erfahren.“ Und so wurden erneut Pflegemethoden wie Plaggen, Schoppern, Mähen, Brennen und die Beweidung durch die Heidschnuckenherde angesprochen.

„Alles sind probate Pflegemaßnahmen, um diese historische Kulturlandschaft zu erhalten“, sagte Burkhard Jäkel. Er nannte aber auch aktuelle Probleme. „Insbesondere Stickstoff­­­einträge aus der Luft und heißes, trockenes Wetter im Frühjahr setzen der Heide zu. Vor allem die Mykorrhiza, ein empfindlicher Wurzelpilz, der die Pflanze mit Wasser und Nährstoffen versorgt, leidet unter dem Klimawandel.“

„Wie werden Pflegemaßnahmen finanziert?“

Während einer kleinen Wanderung durch die Kronsbergheide erklärte Burkhard Jäkel ebenso die Entwicklung der hiesigen eiszeitlich geprägten Landschaft und erzählte über die Wichtigkeit von Heiden- und Trockenrasen für die Tierwelt – insbesondere für Insekten. „Viele in ihrem Bestand bedrohte Arten haben hier ihren Lebensraum“, sagte Jäkel. Erstaunt waren die Teilnehmer, dass vor etwa 200 Jahren mehr als die Hälfte der Landschaft verheidet waren. „Heute sind es nicht einmal ein Prozent, die übrig geblieben sind“, sagte Burkhard Jäkel.

Er ging aber auch auf das Thema Wolf ein. Wie bedroht ist die Heidschnuckenherde durch ihn und wie groß ist sie überhaupt? Weiter wurden Fragen erörtert wie „Ist mit Erika die Besenheide gemeint?“ „Wie werden Pflegemaßnahmen finanziert?“ „Was kann die Politik zum Erhalt der historischen Kulturlandschaft tun?“ „Mir brummt zwar der Kopf, aber das war unheimlich spannend und informativ“, sagte Leonie Laryea zum Schluss. Lächelnd fügte sie an. „Gut, dass wir noch ein 10-seitiges Handout bekommen haben, wo alles nochmals beschrieben ist.“ Heidebock Falko Gardlo ergänzte lachend: „Jetzt weiß ich, was mit dem Wort ,eine Plaggerei` gemeint ist.“

Von Marcel Baukloh