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Dennis Neumann, Felix Petersen und Martin Gödecke (v.l.) stellten sich den rund 400 Zuhörern. Fotos: phs

LZ-Wahlforum füllt Bleckeder Haus

Bleckede. „Wir haben ein interessantes Wahljahr. Ein Ergebnis daraus ist, dass Bleckede zurzeit keinen Bürgermeister hat.“ Mit diesen Worten begrüßte Moderator Marc Rath die fast 400 Zuhörer am Dienstagabend zum LZ-Wahlforum im rappelvollen Bleckeder Haus. Bürger aus der Elbestadt und den 13 Ortsteilen waren gekommen, um sich ein Bild von dem Kandidaten-Trio zu machen, das sich darum bewirbt, dem neuen Landrat Jens Böther als Stadtoberhaupt zu folgen. Martin Gödecke (Einzelkandidat), Dennis Neumann (Einzelkandidat) und Felix Petersen (CDU) wollen bei der Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag, 10. November, den Chefsessel im Rathaus erobern.

Die beiden LZ-Redakteure Malte Lühr und Marc Rath stellten die Bewerber zunächst vor, um ihnen danach zu verschiedenen Themen auf den Zahn zu fühlen. Danach hatte das Publikum das Wort. Die Antworten auf die Fragen der Moderatoren lesen Sie hier. Themen, um die es in der ersten Diskussionsrunde ging, waren unter anderem:

Stadtzentrum

Dennis Neumann: Wir brauchen ein anderes Verkehrskonzept für die Breite Straße. Es gibt schon erste Ideen, zum Beispiel bei den Themen Parkmöglichkeiten und Drosselung der Geschwindigkeit. Die Herabstufung der Landesstraße ist dabei nicht wichtig. Ich möchte die Innenstadt wieder beleben: Leerstand beheben, Treffpunkte einrichten. Eine Markthalle wie in Bienenbüttel wäre eine Idee. Aber das alles geht nur zusammen mit den Immobilien-Eigentümern in der Breiten Straße.
Martin Gödecke: Wenn die Breite Straße keine Landesstraße mehr ist, dann fährt hier niemand mehr durch. Auch kein Tourist. Aber von dem Durchgangsverkehr im Zentrum leben Gastronomie und Geschäfte. Es würde Kaufkraft wegfallen. Ein warnendes Beispiel ist die Umgehungsstraße in Dahlenburg. Pläne für die Breite Straße können nur zusammen mit den Bürgern entwickelt werden. Und am Ende entscheidet der Stadtrat darüber.
Felix Petersen: Für die Breite Straße gibt es drei Themenfelder: 1. Sie muss baulich umgestaltet werden, 2. Das Zentrum muss besser vermarktet werden, wir müssen neue Feste hierher bekommen und 3. Die Breite Straße muss überörtlich bekannter gemacht werden als Einkaufsstraße. In erster Linie geht es aber darum, die Menschen hier zu halten. Nur so kommen sie in die Innenstadt. Das geht nur, wenn wir unsere Dörfer attraktiv gestalten mit Arbeitsplätzen, Kitas, Feuerwehren vor Ort und besseren Busverbindungen zwischen den Orten.

Verkehrsanbindung

Martin Gödecke: Die Bahnstrecke von Lüneburg nach Bleckede muss reaktiviert werden, auf der dann mit Wasserstoff betriebene Züge fahren. Die Elbfähre muss langfristig erhalten bleiben und auch einen Wasserstoff-Antrieb erhalten. Der Radweg von Neetze nach Lüneburg muss zügig weitergeführt werden. Ich bin nicht gegen den Bau der Elbbrücke, aber gleichzeitig muss die Fähre bleiben. Außerdem kann ich mir einen Bleckeder Stadtbus vorstellen, der die Ortsteile in einem Ringverkehr miteinander verbindet. Oder eine Elb-Linie, die von Neu Darchau nach Lauenburg fährt.
Dennis Neumann: Für den Nahverkehrsplan ist der Landkreis zuständig. Als Bürgermeister werde ich Impulse für diesen geben, um die Interessen Bleckedes bestmöglich durchzusetzen. Außerdem müssen die Ortsteile besser ans Zentrum angebunden werden. Die Bahnstrecke ist gut für Bleckede, nützt aber den Ortsteilen wenig. Deshalb muss es bessere Busverbindungen geben. Das bald startende Rufbus-System reicht nicht aus. Auch Fähre und Elbbrücke sind wichtige und sinnvolle Projekte. 2020 wissen wir, ob der Landkreis den Brückenbau wuppen kann. Der Kreistag entscheidet.
Felix Petersen: Die Bahnstrecke brauchen wir für die Pendler. Ebenso attraktive Busverbindungen zwischen den Dörfern. Es kann nicht sein, dass eine Fahrt von Göddingen nach Alt Garge 50 Minuten dauert. Da kann man die Strecke lieber gleich zu Fuß gehen. Eine vom Pegelstand der Elbe unabhängige Elbquerung benötigen wir. Deshalb ist die Brücke wichtig. Der Bau wird eine politische Entscheidung sein, die nicht der Bürgermeister trifft.

Wirtschaftswege

Dennis Neumann: Die Sanierung ist eine Daueraufgabe. Das aktuelle Konzept ist detailliert und sinnvoll. Allerdings ist die Aufgabe nicht alleine aus dem Haushalt der Stadt zu finanzieren. Deshalb müssen wir geschickt verschiedene Fördertöpfe anzapfen. Auch müssen wir mit den Eigentümern klären, welche Wege und Brücken erhalten oder zurückgebaut werden sollten. Wir müssen vor allem bei den Brücken gucken, welche relevant sind.
Felix Petersen: Über die Raumordnung sind Förderungen für den Neubau von bis zu 70 Prozent möglich. Wir müssen darüber sprechen, wie wir die Förderkulisse nutzen wollen und mit den Flächeneigentümern klären, welche Projekte sinnvoll sind.
Martin Gödecke: Das Sanierungskonzept wird maßvoll und generationengerecht abgearbeitet. Die Aufgabe kann nur mit Fördermitteln bewältigt werden. In der Vergangenheit wurde die Unterhaltung der Wege vernachlässigt.

Biosphärenreservat

Martin Gödecke: Anfangs habe ich es als Gängelung angesehen. Inzwischen sehe ich Chancen, die sich bieten. Eine Modellregion für die Wasserstofftechnik für alternative Antriebe ist so eine. Auch im Tourismus ist noch viel Luft nach oben. Natürlich haben wir durch das Biosphärenreservat auch Nachteile, wie zum Beispiel beim Hochwasserschutz. Es bremst die Beseitigung der Verbuschung im Elbvorland aus.
Felix Petersen: Mein Eindruck ist, dass viele Bürger es gelernt haben, mit und in diesem zu leben. Das muss weitergeführt werden, zum Beispiel, indem wir mit dem Land zusammen Betriebe ansiedeln und dadurch eine wirtschaftliche Entwicklung fördern und diese für uns nutzen. Wir haben hier Wasser, Wind und Biomasse vor Ort. Die Dinge, die für die Herstellung von Wasserstoff benötigt werden. Wir können versuchen, die dafür nötige Kompetenz zu uns zu holen.
Dennis Neumann: Das Biosphärenreservat ist eine tolle Auszeichnung für Bleckede und die Region, weil hier Lebensraum bewahrt wird. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal, aus dem wir viel Nutzen ziehen können im Einklang von Mensch und Natur. Die Bleckeder haben sich mit dem Biosphärenreservat arrangiert und viele von ihnen sehen Chancen in ihm.

Hochwasserschutz

Dennis Neumann: Bei dem Hochwasserschutz gibt es eine Vielzahl von Lösungen. Der Radikalrückschnitt der Verbuschung ist jedoch keine Lösung. Die Rückdeichung bietet dagegen eine Chance für einen besseren Abfluss. Sie kann aber nur länderübergreifend mit den Nachbarn geplant und realisiert werden. Es gibt schon Kooperationen.
Martin Gödecke: Hochwasserschutz hat Vorrang vor Naturschutz. Das regelt auch europäisches Recht so. Doch es ist leider so, dass der Naturschutz Diskussionen darüber verhindert, wie gegen Verbuschung und Auflandungen in der Elbe etwas getan werden kann. Richtlinien aus dem Hochwasserschutzplan werden einfach nicht umgesetzt, obwohl darin alles geregelt ist.
Felix Petersen: Wir müssen die Menschen hinter den Deichen schützen. Das funktioniert nur im Gespräch zwischen Stadt und Biosphärenreservatsverwaltung. So gibt es in der Elbe Sandbänke, die das Wasser bei Hochwasser aufstauen. Dagegen muss etwas getan werden. Der Rückschnitt der Verbuschung reicht in den abflussrelevanten Bereichen völlig aus.

Von Stefan Bohlmann