Donnerstag , 14. November 2019
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Der Metronom hatte in diesem Jahr immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen. Foto: A/t&w

Wenn die Eisenbahn nicht kommt

In den vergangenen Tagen haben sich insbesondere Pendler wieder über Zugausfälle ärgern müssen. Der Metronom erklärt das Problem – und verrät, dass es bald besser werden soll

Lüneburg. Es knirscht mal wieder im Getriebe und die Pendler und Bahnreisenden sind frustriert: In der vergangenen Woche sind allein zwischen Hamburg und Uelzen zwölf Metronom-Verbindungen ausgefallen, dutzende hatten hohe Verspätungen. Über Facebook klagt Metronom-Kundin Michaela Ballin der LZ ihr Leid: „Meine Tochter und ihr Vater pendeln täglich nach Harburg und haben seit etwa 14 Tagen ständig Verspätungen zwischen fünf und 30 Minuten sowie völlig überfüllte Züge, da häufig einzelne Verbindungen ausfallen.“ Mittlerweile sei sie so verärgert, dass sie lieber mit dem Auto zu einem P&R-Parkplatz an einem S-Bahnhof fährt und dort die S-Bahn nutzt.

Mehr als ein Ausfall pro Tag

Durchschnittlich 1,6 Zugfahrten pro Tag seien im ersten Halbjahr 2019 ausgefallen, sagt Metronom-Sprecher Björn Pamperin.

▶ 50 % der Ausfälle waren technischen Defekten an den Fahrzeugen verschuldet

▶ 20 % der Ausfälle kamen durch einen fehlenden Lokführer zustande

▶ 15 % der Ausfälle entstanden durch Baustellen

▶ 10 % der Ausfälle hatten andere externe Einflüsse, wie etwa das Wetter, als Grund.

Wenn der Metronom auf seinen Online-Angeboten die Verspätungen und Ausfälle verkündet, dann selten ohne Begründung. Als häufigster Verspätungs- oder Ausfallgrund war da in den vergangenen Tagen ein technische Defekt an der Lok zu lesen, oft war aber auch fehlendes Personal der Grund.

Eine ähnliche Situation wie in diesem Sommer, als über längere Zeit ganze Zugtakte aus dem Fahrplan gestrichen wurden, weil drei Zugverbände längerfristig beschädigt waren, liege derzeit aber nicht vor: „Es handelt sich hier um unterschiedliche, kleinere Defekte an wechselnden Loks“, erklärt Metronom-Sprecher Björn Pamperin auf LZ-Nachfrage. Und gibt zu bedenken: „Auf den technischen Zustand der Fahrzeuge und Gleise hat Metronom selbst praktisch keinen Einfluss.“ Die Fahrzeuge seien Eigentum des Landes Niedersachsen und würden an den Metronom „betriebsbereit“ übergeben werden.

Ab 2020 mehr Lokführer als nötig?

Die Wartung und Reparatur erfolge im Auftrag des Landes durch den Hersteller Bombardier selbst. „Metronom kann nur einen ausreichend hohen, einsatzbereiten Fahrzeugbestand fordern, was wir auch sehr nachdrücklich tun.“ Doch die Reparatur beeinflussen oder gar selbst durchführen – das dürften sie nicht. Ähnlich verhalte es sich bei den Gleisen, Signalanlagen und Oberleitungen – diese seien von der Deutschen Bahn (DB NETZ) nur angemietet, auf den Zustand habe die Uelzener Verkehrsgesellschaft auch keinen Einfluss.

Dass die Züge oft überfüllt sind, weiß auch Pamperin. „Metronom selbst kann hier aber leider relativ wenig reagieren.“ Es benötige dafür mehr Platz und Kapazitäten auf den Gleisen, und insbesondere auf den Trassen um Hamburg sei es zu Zeit gar nicht möglich, mehr und öfter Züge fahren zu lassen, da die Strecken völlig aus- und überlastet seien. Die einzelnen Züge gehören außerdem der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), die auch deren Anzahl und Verteilung plant. „Metronom tritt hier vor allem als Berater auf und plant den Einsatz der vorhandenen Züge.“

Auch, wenn der Metronom auf die Faktoren Schienennetz, Netzauslastung und Fuhrpark unmittelbar wenig Einfluss zu haben scheint, will das Unternehmen die Zustände verbessern. Dafür startete es im vergangenen Jahr eine Infrastrukturinitiative, in der sie etwa Forderungen nach besserem Grünschnitt an den Gleisböschungen sowie den Ausbau des Schienennetzes formuliert hat.

Beim Thema Personalmangel gibt Pamperin zwar zu: „20 Prozent der ausgefallenen Zugfahrten hatten als Ursache 2018 „fehlender Lokführer“, besonders betroffen war die Strecke zwischen Uelzen und Hamburg.“ Allerdings führen auf dieser Trasse mit Abstand die meisten Züge, „teilweise im 20-Minuten-Takt.“ Die Ansage „fehlender Lokführer“ heiße nicht immer, dass grundsätzlich zu wenige Lokführer da sind, sondern auch kurzfristige Krankmeldungen, die nicht durch einen Kollegen in Bereitschaft ersetzt werden können, zählten da mit rein. „Insgesamt hat der Metronom zur Zeit fünf unbesetzte Stellen bei den Lokführern.“ Die Situation soll sich aber bald verbessern. „Gerne stellen wir Lokführer jedoch auch über Bedarf ein, um Überstunden abzubauen und einen umfassenden Bereitschaftsdienst sicherstellen zu können.“ Pro Jahr bilde Metronom durchschnittlich 30 Lokführer aus. „Durch unsere eigene Ausbildung werden wir den Stand, mehr Lokführer zu beschäftigen als eigentlich geplant oder benötigt, voraussichtlich Anfang nächsten Jahres erreichen.“

 

Von Robin Williamson