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Volles Haus: Fast 400 Bleckeder verfolgten das Duell zwischen Dennis Neumann (v.l.), Felix Petersen und Martin Gödecke. Foto: mr

Bleckeder fühlen Trio auf den Zahn

Bleckede. Nicht nur die Moderatoren des LZ-Wahlforums, die Redakteure Marc Rath und Malte Lühr, hatten am Dienstagabend im vollbesetzten Bleckeder Haus Fragen f ür das Kandidaten-Trio mitgebracht. Auch eine Vielzahl der fast 400 Zuhörer im Saal wollte von Martin Gödecke (Einzelkandidat), Dennis Neumann (Einzelkandidat) und Felix Petersen (CDU) wissen, was sie in der Elbestadt und ihren Ortsteilen politisch vorhaben, sollten sie die Bürgermeister-Wahl am kommenden Sonntag, 10. November, für sich entscheiden. Einige der Themen, die die Bürger interessierten, im Überblick:

Thomas Schacht, Alt Wendischthun: „Wir zahlen für Elbschloss und Biosphaerium viel Steuergeld. Wie stehen Sie dazu?
Dennis Neumann: Ein touristisches Angebot kostet Geld. Das Schloss ist ein Alleinstellungsmerkmal für Bleckede und spielt eine wichtige Rolle dabei, eine touristische Marke zu entwickeln. Außerdem haben Erhalt und Betrieb etwas mit Tradition zu tun. Daher stelle ich es nicht in Frage. Es gehört zu Bleckede.
Felix Petersen: Wir leben vom Tourismus. Dieser ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Stadt. Wir benötigen die Strahlkraft von Elbschloss und Biosphaerium. Sie sind Aushängeschilder. Und die kosten Geld. Wieviel genau, darüber fehlen mir die Detailkenntnisse.
Martin Gödecke: Das Schloss ist als Tourist-Info wichtig für den Tourismus und das Biosphaerium als Informationszentrum für das Biosphärenreservat für den Umweltschutz. Allerdings müssen wir uns fragen, warum es nicht richtig läuft, die Biber im Biosphaerium keine Attraktion sind. Die Stadt zahlt 200 000 Euro im Jahr. Ich fordere vom Land Niedersachsen einen höheren jährlichen Zuschuss.

Kathrin Groth, Bleckede: „Wie wollen Sie die Mitarbeiter in den Kitas unterstützen?“
Felix Petersen: Über Gespräche mit den Eltern klären, ob es genug Plätze gibt und die Betreuungszeiten stimmen.
Dennis Neumann: Rechtzeitig den Bedarf bei den Eltern abfragen für eine Bedarfsplanung.
Martin Gödecke: Wenn Bedarf besteht, werden die Betreuungszeiten angepasst. Wichtig ist mir, dass die Kitas in Hand der Kommune bleiben.

Angela Pabst, Radegast: „Wie stehen Sie zu einer möglichen Deichrückverlegung im Bereich Vitico?“
Dennis Neumann: Ich bin dafür. Aber nur, wenn das nicht auf Kosten der Flächeneigentümer geht und Existenzen gefährdet. Sollten die Nachteile allerdings überwiegen, dann darf es keine Rückdeichung dort geben.
Felix Petersen: Es ist ja bisher nur eine angedachte Maßnahme. Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen. Erst muss ein Gesamtkonzept stehen, dann wissen wir, ob es sinnvoll ist, den Deich zurückzuverlegen. Wenn es keinen gravierenden Vorteil für den Hochwasserschutz gibt, dann macht die Maßnahme keinen Sinn.
Martin Gödecke: Politisch bin ich dann dafür, wenn es etwas für den Hochwasserschutz bringt. Voraussetzung für das Projekt ist aber, dass Anwohner und Flächeneigentümer es wollen. Einen Vorteil gäbe es auf jeden Fall. Wir hätten einen neuen Deich in dem Bereich, der dann bereits die Höhe hat, die sich an den neu berechneten Bemessungswasserständen orientiert.

Jürgen Moser, Bleckede: „Die Straßenausbaubeitragssatzung ist unsozial. Welche andere Finanzierungsmöglichkeit sehen Sie – außer die über die Grundsteuer?“
Dennis Neumann: Wer schon einmal Bescheide zustellen musste in dem Wissen, dass Existenzen drohen zerstört zu werden, hat schlaflose Nächte. Als Bürgermeister werde ich den Impuls geben, dass sich bei der Landesregierung eine andere Denke durchsetzt. Die Straßenausbaubeiträge müssen auf Landesebene neu geregelt werden. Es muss gerechter werden.
Felix Petersen: Es wird leider keine Abschaffung durch das Land geben. Das zeigt die jüngste Änderung im Kommunalabgabengesetz. Damit ist das Thema aber für uns nicht durch. Wir müssen Lösungen vor Ort finden, um Anwohner möglichst gering zu belasten.
Martin Gödecke: Es gibt die Möglichkeit, die Beitragssätze so weit wie möglich abzusenken. Eine weitere Möglichkeit ist, die Straßenunterhaltung nicht so zu vernachlässigen wie es jahrzehntelang passiert ist. So kommt man dann auch in keine Finanzierungsprobleme.

Ulf Meyer, Wendewisch: „Welche beruflichen Erfahrungen haben Sie, um die rund 100 Mitarbeiter in der Stadtverwaltung als Chef führen zu können? Und welche Erfahrungen im Katastrophenschutz bringen Sie mit?“
Martin Gödecke: Als Vollzugsbeamter kenne ich mich aus mit gutem Miteinander und gutem menschlichen Umgang. Mein Prinzip ist, fördern und fordern. Im Kreistag gehöre ich einer Arbeitsgruppe für den Hochwasserschutz an und im Verein zum Schutz der Kulturlandschaft und des Eigentums im Elbtal bin ich Mitglied.
Dennis Neumann: Den Begriff Mitarbeiter mag ich nicht. Sie sind Kollegen. Seit fünf Jahren bin ich stellvertretender Verwaltungschef in der Samtgemeinde Ostheide. Im Katastrophenschutz kenne ich mich mit der Stabsarbeit aus und als Gruppenführer bei der Feuerwehr habe ich eine Ausbildung zu dem Thema. Ich bin also gut aufgestellt.
Felix Petersen: In meinem beruflichen Werdegang habe ich zum Beispiel bei der Stadt Lüneburg Teams mit bis zu 20 Menschen geleitet. Im Katastrophenschutz habe ich keine Erfahrung, denn dort, wo ich arbeite gibt es kein Hochwasser. Aber ich werde mir die nötigen Kenntnisse gleich als erstes aneignen, wenn ich Bürgermeister bin.

Rudolf Hövermann, Bleckede: „Welche Kontakte haben Sie in die Landesregierung und nach Hamburg?“
Felix Petersen: Es geht weniger um gute Kontakte, als darum, dass wir auf uns aufmerksam machen. Dafür müssen wir unsere Netzwerke in die Metropolregion Hamburg und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Lüneburg hinein noch intensiver nutzen. Mit Wirtschaftsminister Bernd Althusmann arbeite ich seit Jahren zusammen. Und der CDU-Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl 2020 in Hamburg, Marcus Weinberg, und ich haben das gleiche Patenkind.
Martin Gödecke: Persönliche Kontakte sind nebensächlich. Vielmehr pflege ich meine Netzwerke. So habe ich Professor Achim Kampker, unter dessen Leitung die Elektro-Laster der Post entwickelt wurden, in Aachen besucht. Er will eine Modellregion aufbauen und ich habe ihm das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue dafür vorgeschlagen. Er will Bleckede besuchen.
Dennis Neumann: Ich bin gut verdrahtet, habe gute Kontakte und Beziehungen in Verwaltungen, kenne viele Mitarbeiter und Akteure. Von der Metropolregion Hamburg erwarte ich ein deutlich besseres Gewerbeflächen-Management für Bleckede. Wir müssen davon profitieren und mit Hilfe der Metropolregion innovative Betriebe zu uns lotsen. Auch im Wohnungs-Management erwarte ich mehr. Wir können hier attraktiv als Wohnort sein.

Thorsten Wendt, Breetze: „Woran wollen Sie sich am 9. November 2020 als Bürgermeister messen lassen?“
Martin Gödecke: Daran, dass die Planung für die Innenstadtgestaltung abgeschlossen, vielleicht sogar schon der erste Spatenstich möglich ist. Dass die neue Fähre fährt. Dass die Bewerbung für eine Modellregion raus ist.
Dennis Neumann: Die Frage kann ich nicht beantworten. Als Bürgermeister liefert man ja keine Ein-Mann-Show ab, sondern setzt mit allen Akteuren Prioritäten und bespricht sich, wie etwas zusammen gestaltet werden kann.
Felix Petersen: Der Stadtrat trifft die Entscheidungen. Trotzdem sind mir drei Dinge wichtig: dass wir ausreichend Kindergartenplätze haben, dass ein Stadtentwicklungsbeirat gegründet wurde und dass die Planungen für die Dorfregion Schieringen-Elbe so weit fortgeschritten sind, dass die ersten Projekte für die Dorferneuerung starten können.

Von Stefan Bohlmann

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