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Schöning
Der Sportplatz des SV Karze ist das zweite Zuhause von Daniela und Carsten Schöning. (Foto: be)

Jeder kann etwas gut

Karze. Ein Armbruch hat auch Vorteile. „Zum ersten Mal seit bestimmt zehn Jahren habe ich mir ein Heimspiel unserer Fußballer mal in Ruhe anschauen können“, erzählt Daniela Schöning. Sie ist nicht nur 1. Vorsitzende des SV Karze, sondern auch Mädchen für alles. Für fast alles, denn auch ihr Mann Carsten schuftet bei den Grün-Weißen kräftig mit, kreidet den Platz, verkauft Bratwürste, kassiert den Eintritt. Seine Frau lüftet kräftig durch, wenn sie keinen Gips trägt, kocht Kaffee, verkauft Getränke. Von 11.30 bis gegen 20 Uhr sind die beiden in der Regel sonntags vor Ort – im Einsatz für den Verein, den beide so sehr lieben.

Doch der SV Karze soll nicht zu einer Schöning-Show mutieren. Und das klappt: Kaum hatte die 1. Vorsitzende aus dem Urlaub gemeldet, dass sie sich den Arm gebrochen hat, boten andere Vereinsmitglieder ihre Dienste an. Zum Beispiel Kassenwartin Sara Lüthje, die erstmals hinterm Grill stand. Sie ist Mitte zwanzig und „hat den SV Karze schon mit vier Jahren geliebt“, wie Daniela Schöning erzählt. Und: „Mir ist es wichtig, dass eine zweite Frau im Vorstand ist.“

„Ein Clan von netten älteren Herren“

Sie selbst war die Pionierin. Als Daniela Schöning Mitte der Neunziger den SV Karze kennenlernte, fand sie einen „Clan von netten älteren Herren vor“, einen ungepflegten Platz und eine angespannte Finanzlage. „Die Gegner sprachen von uns als Kuhverein mit Kuhfladen auf dem Platz“, erinnert sie sich. „Dafür habe ich mich geschämt.“ Bald hatte sie den Verein gründlich entstaubt, mithilfe ihres Manns und anderer Mitstreiter. „Disziplin, Respekt und Offenheit“ nennt sie als Grundpfeiler ihrer Vorstandsarbeit. Und: „Jeder kann etwas gut.“ Die zierliche Frau und ihr Mann, dank langjährigen Wurftrainings ein Kerl wie ein Schrank, schoben Projekte an, die hervorragend ankamen.

Etwa das Fun-Kicker-Kleinfeldturnier, das im kommenden Jahr schon zum 20. Mal stattfinden wird. Mein Baby“, sagt Daniela Schöning stolz. Ihren frisch geborenen Sohn Tim hatte sie zur Premiere dabei, der wuchs praktisch auf dem Sportplatz auf und ist mittlerweile erwachsen. „Im Augenblick macht er gerade eine Fußballpause“, verrät der Vater mit etwas Bedauern in der Stimme.

Eine Pause gönnten sich die Eltern nie. 2014 opferten sie beide vier Wochen Urlaub, um bei der Sanierung des Vereinsheims mit anzupacken. Zuletzt begrüßten sie den niedersächsischen Fußballverbandschef Günter Distelrath zum Vereinsdialog auf der Anlage. Der bedankte sich später in einem Brief: „Sie haben mit Ihrer Mannschaft uns in beeindruckender Weise dargestellt, was ein Verein in ihrer Größe zu leisten vermag, wenn viele Hände mit anfassen und alle mit Spaß dabei sind.“

Der Traum von einer LED-Flutlichtanlage

Sie geben viel, freuen sich aber immer wieder darüber, wenn die Arbeit Früchte trägt. 150 Mitglieder zählt der SV Karze zurzeit, die Einwohnerzahl des Bleckeder Ortsteils ist kaum höher. „Aber zu uns kommen auch Fußballer aus Lüneburg, bei denen man sich denkt – wie sind die denn auf uns gekommen?“, weiß Carsten Schöning. Nur ist der Ort viel zu klein, um eigene Jugendteams gründen zu können – der Nachwuchs geht zum TuS Barskamp. Vielleicht klappt es irgendwann einmal mit einer Spielgemeinschaft?

Der zweite große Traum von Daniela Schöning ist eine LED-Flutlichtanlage für den Sportplatz. Doch auch so fühlt sie sich auf der Anlage wohl. „Wenn ich da hinspaziere, Störche sehe oder Hasen, die über den Platz hoppeln, dann geht es mir richtig gut.“ Und dann vergisst sie für einen Moment auch ihren Armbruch.

Zur Person

Jahrzehntelang im Ehrenamt

Daniela Schöning (54) ist 1. Vorsitzende des SV Karze seit 2001, war zuvor fünf Jahre lang Pressewartin und 2. Vorsitzende. Sie war als Kind zunächst ins benachbarte Jürgenstorf gezogen, lernte in der Grundschule Neetze erstmals Kinder aus Karze kennen und gelangte damals zur Meinung: „In Karze möchte ich nicht tot überm Zaun hängen.“ Im Fußball-Kreis Lüneburg engagierte sie sich bis vor sechs Jahren als Schriftführerin und Ehrenamtsbeauftragte.

Ihr Mann Carsten (50) wurde 1996 Fußball-Obmann, „damals habe ich mich in der Euphorie eines Aufstiegs breitschlagen lassen“. Später stand er im Tor, beendete seine Fußball-Laufbahn erst vor drei Jahren in der Altliga. Er war erfolgreicher Zehnkämpfer, startet immer noch bei Meisterschaften im Diskuswerfen und Kugelstoßen. Silber mit dem Diskus bei der Senioren-DM feierte er zuletzt mit seinem gut zehnköpfigen Fanclub, der ihn zu vielen Titelkämpfen begleitet.

Beide arbeiten als Diplom-Sozialpädagogen beim Landkreis Lüneburg.

Von Andreas Safft