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Rotenbleicher Weg
So sollen der Gebäuderiegel und das Einzelgebäude vom Rotenbleicher Weg aus betrachtet aussehen. (Foto: Architektenbüro Schenk + Waiblinger)

Silber-Ahorn hat keine Mehrheit

Lüneburg. Mehrheitlich haben die Mitglieder des Bauausschusses grünes Licht für den Bebauungsplan „Rotenbleicher Weg“ gegeben. 71 Wohnungen sollen auf dem ehemaligen Uni-Grundstück im Roten Feld entstehen, 30 Prozent davon mit Mietpreisbindung beziehungsweise als geförderter Wohnraum. Die Grünen-Politiker Wolf von Nordheim und Ulrich Löb stimmten gegen den Plan, weil laut Baumgutachten auch ein „besonders erhaltenswürdiger“ Silber-Ahorn für das Bauprojekt gefällt werden muss.

Den Entwurf des Bebauungsplans hatte der Ausschuss bereits Mitte Mai diskutiert, er war dann in die Auslegung gegangen. Einwände wurden abgewogen, einiges in die Planung übernommen. Martin Schenk vom Hamburger Architektenbüro Schenk + Waiblinger erläuterte den Stand: Nachdem das bestehende Gebäude abgerissen ist, soll ein Gebäuderiegel entlang der Willy-Brandt-Straße entstehen. Dieser hat im Norden parallel zur Willy-Brandt-Straße vier Geschosse plus ein Staffelgeschoss und stuft sich zum niedriger bebauten Rotenbleicher Weg in Richtung Süden auf drei Geschosse plus Staffelgeschoss ab. Am Rotenbleicher Weg ist außerdem ein Einzelgebäude geplant.

Auf dem Areal sollen 71 Wohneinheiten entstehen

71 Wohnungen unterschiedlicher Größe sollen entstehen, erreichbar über Treppenhäuser und Fahrstühle. Eine Tiefgarage unterbaue fast den gesamten Komplex, verdeutlichte der Architekt. Die Fassade erhält roten und rot-braunen Klinker. Damit der Gebäuderiegel nicht so statisch wirkt, soll er Vor- und Rücksprünge sowie Gesimsbänder erhalten. Dachflächen sollen begrünt, Hecken geplanzt, eine Fassadenbegrünung noch diskutiert werden.

Bereits im Mai hatte Löb Kritik geäußert, dass für das Projekt Bäume fallen sollen, besonders der Silber-Ahorn war ihm aufgestoßen. Insgesamt 11 Bäume sollen fallen, 14 auf dem Areal neu gepflanzt werden. Wolf von Nordheim hatte in der öffentlichen Auslegung die Bedenken der Grünen schriftlich eingereicht und darauf hingewiesen, dass der Ahorn aufgrund seines Stammdurchmessers und Alters unter das Fällverbot der Baumschutzsatzung falle. Er habe vorgeschlagen, dass der Gebäudekomplex im nördlichen Bereich 1,50 Meter weg von der Willy-Brandt-Straße verlegt und insgesamt 1,50 Meter in Richtung Süden verschoben werde, machte der Politiker in der jetzigen Sitzung deutlich. Der Architekt habe ihm erklärt, dass das Bauobjekt auch mit Baum realisiert werden könne. Wolf von Nordheim widersprach der Abwägung der Stadt, dass durch den Erhalt des Baumes bis zu neun Wohneinheiten weniger entstehen könnten.

Rettung würde Wohnungen kosten

Schenk argumentierte, dass eine Verschiebung von 1,50 Meter nicht reichen würde, um den mächtigen Baum samt Wurzelwerk zu erhalten. Wenn man ihn erhalten wolle, bedürfe es einer Verschiebung von mehreren Metern. Das wiederum habe zur Folge, dass Wohnraum entfalle und der Schallschutz beeinträchtigt werde. Stadtbaurätin Heike Gundermann erklärte, dass sich die Verwaltung umfänglich mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Letztlich habe sie sich entschieden, den Baum nicht zu erhalten zugunsten der Schaffung von Wohnraum, zumal geförderter Wohnungsbau entstehen solle.

Bäume hätten eine wichtige Funktion, produzierten Sauerstoff, betonte Löb. Im Rahmen dieses Bebauungsplans sollten nun „Bäume niedergemacht werden ohne jeglichen Verstand“. Gegen diese Formulierung verwahrten sich Birte Schellmann (FDP) und Eberhard Manzke (CDU). Die Liberale erklärte, dass die Platzierung des Gebäudes einen optimalen Schallschutz ermögliche. Einer höheren Bebauung – von Löb vorgeschlagen mit Blick auf die Schaffung der Wohneinheiten – widerspreche, dass sich der Komplex ins Umfeld einfügen müsse. Stefan Minks und Klaus-Dieter Salewski (beide SPD) verwiesen darauf, dass es in Lüneburg an Wohnungen mangele, man brauche jede einzelne neue.

Wolf von Nordheim fand die Argumentation der Verwaltung „problematisch“, dass es sich bei dem Ahorn um einen schnell wachsenden, nicht heimischen Baum handele. „Sie verlassen hier die Baumschutzsatzung“, sagt er. Die Stadtbaurätin hielt dagegen: „Wo Bäume Bauvorhaben verhindern, müssen wir Fäll-anträge genehmigen und für Ausgleichsmaßnahmen sorgen.“ Die Verwaltung habe einen Vorschlag zur Abwägung gemacht. Die Grünen könnten ja versuchen, dagegen eine Mehrheit zu bekommen. Doch die Mehrheit votierte für den Plan, dessen Satzung im Dezember noch vom Rat beschlossen werden muss.

Von Antje Schäfer