Donnerstag , 12. Dezember 2019
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Auch Jugendfußballer des MTV Treubund sollen unter den Missbrauchsopfern sein. Foto: AdobeStock

Es gibt weitere Opfer

Lüneburg. Ein 26-Jähriger soll als Trainer mehrere Jungen missbraucht haben. Zunächst hatten die Ermittler vermutet, dass der Verdächtige seine Opfer nur unter den Schwimmern der DLRG fand, nun gehen sie davon aus, dass auch Kinder aus der Fußballabteilung des MTV Treubund betroffen sein könnten.

Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft inzwischen Anklage gegen den in Untersuchungshaft sitzenden Studenten erhoben. Sie geht von sieben Jungen im Alter von 10 bis 15 Jahren als Opfer aus. Eltern, deren Kinder auf dem Platz an der Uelzener Straße kicken, kritisieren das Vorgehen der Verantwortlichen des Sportvereins. Geschäftsführer Jörn Lucas hat zwar Verständnis für die Mütter, doch er sagt: „Wir haben uns an die möglicherweise betroffenen Mitglieder gewandt.“

Zweifelhafte Nacktbilder

Die Vorwürfe waren im Juli öffentlich geworden. Die Beamten sicherten damals auf dem Handy und dem Computer des aus Münster nach Lüneburg gezogenen Lehramtsstudenten belastendes Material. Polizeisprecher Kai Richter hatte den Stand der Ermittlungen im Sommer so umrissen: Der Verdächtige soll von 2015 an unter anderem per Smartphone an Jungen zweifelhafte Nacktbilder geschickt beziehungsweise von ihnen bekommen haben. Später soll es zu massiven sexuellen Übergriffen durch den Beschuldigten gekommen sein, zum Beispiel bei Nachtwachen der DLRG am Reihersee.

Der Mann galt in der DLRG aus äußert engagiert. Engagiert war er auch beim MTV, bei der Stadt- und Kreissportjugend sowie als Trainer in der Grundschule Hasenburger Berg. Auch da, hatte die Polizei erklärt, sei der Mann nicht aufgefallen. So schildert auch MTV-Geschäftsführer Lucas den Übungsleiter, der sich vier Jahre im Verein als Trainer eingesetzt habe. Es habe von Eltern keine wirklichen Beschwerden gegeben: „Im Gegenteil, er wurde gelobt.“

Noch ein zweiter Junge beim MTV betroffen

So reagierte eine Mutter entsetzt, als ihr Sohn überraschend zur Polizei gebeten wurde. „Einen Tag bevor er aussagen sollte, brach er zusammen. Er hat uns gesagt, was ihm passiert ist.“ Sie könne sich nun auch erklären, warum ihr Junge „verhaltensauffällig reagierte“: Er habe sich geprügelt, eine Lehrerin habe sich über Äußerungen zur Sexualität gewundert. Die Polizei sei über WhatsApp-Nachrichten auf den Zwölfjährigen gekommen. Nach ihrem Wissen sei noch ein zweiter Junge beim MTV betroffen. Sie kritisiert: „Der MTV hat alles sehr kleingehalten, niemand vom Vorstand hat sich geäußert. Einen Informationsabend gab es erst nach Initiative der Eltern.“ Zwar habe es ein Gespräch gegeben, aber sie hätte sich mehr Beistand gewünscht.

„Wer betrügen will, macht das“

Lucas sagt: „Wir haben Ende April davon erfahren, es gab erste Gerüchte. Wir haben uns einvernehmlich vom Trainer getrennt. Zugegeben hat er nichts.“ In Abstimmung mit der Polizei habe der Verein geschwiegen, um Ermittlungen nicht zu gefährden: „Die Gefahr war ja gebannt.“ Einen Tag bevor die LZ am 19. Juli berichtete, habe er davon erfahren, dass es Missbrauchsfälle im MTV gab. Daraufhin habe es vertrauliche Gespräche mit Eltern gegeben, dabei seien auch Hilfsangebote genannt worden. Er schließe nicht aus, dass „drei, vier weitere Jungen betroffen sein könnten“. Den Elternabend habe es wegen der Urlaubszeit erst nach den Sommerferien gegeben: „Um alle zu erreichen.“ Der Verein habe sich bemüht, auch die Väter und Mütter zu erreichen, deren Kinder nicht mehr im MTV sind, aber mit dem Trainer Kontakt hatten.

Die DLRG lässt sich nun von ihren Übungsleitern erweiterte Führungszeugnisse vorlegen. Lucas sagt für den MTV: „Der Mann war pädagogischer Mitarbeiter der Grundschule, da wäre nichts gewesen.“ In besonderen Fällen verlange auch sein Verein so ein Zeugnis, lasse überdies einen Verhaltenskodex unterschreiben. Doch der 56-Jährige macht sich wenig Illusionen: „Wer betrügen will, macht das. Es gibt keine absolute Sicherheit.“

Von Carlo Eggeling

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