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Marktmeister
Britta Bartels und Norbert Stegen haben alle Hände voll zu tun. Der Marktmeister und seine Kollegen gucken auf ihren Plan: Ist jeder Stand am richtige Platz? Passt alles? Am morgigen Mittwoch geht es dann vor dem Rathaus los mit dem Weihnachtsmarkt. (Foto: be)

Die Sommer-Planer

Lüneburg. Die Entscheidung fällt bei Straßencaféwetter mit blauem Wattewolkenhimmel: Im Juni steht fest, wer Ende November seine Stände auf dem Lüneburger Weihnachtsmarkt aufbauen kann. Für Norbert Stegen und seine Kollegin Britta Bartels herrscht sozusagen das ganze Jahr Adventszeit. Die beiden städtischen Marktmeister planen, wie sich Lüneburg bei großen Festen vergnügt: bei Frühjahrsmarkt, Oktoberfest, Martinimarkt und dem Weihnachtsmarkt. Dazu kommen die Wochenmärkte.

„Wir fangen schon im September des Vorjahres an, den Weihnachtsmarkt zu planen“, sagt Stegen. Dann schalten sie Anzeigen in Fachmagazinen, um neue Bewerber zu locken. „Ende Februar ist Bewerbungsschluss.“ Auch wenn man den Eindruck haben könnte, da stehen jedes Mal dieselben Händler und Schausteller, gebe es Veränderungen: „In diesem Jahr haben wir drei neue Beschicker.“

Manch abgelehnter Bewerber hat schon geklagt

Die langen Vorlaufzeiten liegen nicht nur im Interesse der Planer, sondern auch der Kunsthandwerker. Stegen erzählt: „Manche produzieren ein halbes Jahr Waren, die sie dann in den vier Wochen hier verkaufen.“

Wer den Zuschlag erhält, muss einen Kriterienkatalog der Stadt erfüllen. So soll er in der Regel mit Produkten vertreten sein, die aus einem Umkreis von 150 Kilometern rund um Lüneburg stammen. Die Buden sollen möglichst ein Treppengiebeldach besitzen, auch nach hinten soll es möglichst Butzenglas-Fenster geben, sodass Licht heimelig hindurchschimmern kann. Holz, dazu Farben wie Rot und Silber, Tannengirlanden und eine dezente Preisbeschilderung sind weitere Punkte. Ein Ziel: Plastikplanen als Dach sollen verschwinden, damit es auch von oben, etwa wenn man aus dem Karstadt-Café blickt, gut aussieht.

„Wir haben Anbieter, die die Kriterien immer erfüllen, sogar noch mehr machen“, sagt der 47-Jährige. „Wer eine Bewerbung abliefert mit dem Satz ‚Du kennst mich doch aus dem vorigen Jahr‘, hat keine Chance.“ Schließlich müsse die Entscheidung „durch Dritte“ überprüfbar sein: „Es hat in der Vergangenheit Bewerber gegeben, die nicht zum Zuge kamen und vor Gericht gingen. Deshalb wurden Richtlinien eingeführt.“

Neben der Gastronomie und den Kinderkarussells geht es vor allem um die Kunsthandwerker: „Die prägen den Markt.“ Eben deshalb komme es auf den Mix an, zudem auf die Aufstellung: „Wenn ich jemandem mit Christbaumschmuck eine Glühweinbude gegenüberstelle, macht der abends kein Geschäft mehr. Alles blockiert.“ Das Duo, seit drei Jahren im Amt, setzt auf Erfahrungswerte.

Die beiden planen die Budenstadt auf dem Markt und eine Außenstelle auf dem Sand in Höhe Bäckerstraße mit 37 beziehungsweise sieben Ständen. Für den Markt am alten Kran sind sie nur indirekt zuständig. Bekanntlich hat die Stadt die Fläche dort an einen Geschäftsmann und dessen Firma vergeben. Stegen sagt: „Da gibt es Auflagen, wir prüfen, ob sie eingehalten, ob die Öffnungszeiten nicht überschritten werden.“ Am Anfang habe es Unstimmigkeiten gegeben: „Aber das hat sich eingespielt.“ Andere Märkte seien private Veranstaltungen. Es bedürfe einer Anmeldung, doch die Eigentümer könnten den Kurs bestimmen. Eben deshalb kann an manchen Stellen die Weihnachtszeit sehr früh beginnen.

Britta Bartels sagt, dass sie und ihr Kollege mit Bewerbern im Gespräch seien, viele Fragen könne man so klären. Sie wünscht sich, dass die verschiedenen Anbieter enger zusammenarbeiten, um in der Werbung die Weihnachtsstadt Lüneburg noch viel stärker zu betonen.

Auch um die Tannen kümmern sie sich

Ach ja, da ist noch etwas, das viel Zeit kostet: das Dutzend Weihnachtsbäume, das in der Stadt aufgestellt wird. „Wir gucken das ganze Jahr“, erzählt die 38-Jährige. Bürger können sich melden, wenn sie mächtige Tannen spenden wollen. Das bedeutet Fahrten, denn die Marktmeister müssen schauen, ob die Riesen überhaupt mit Autokran und Tieflader transportiert werden können. Es ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Der Baumbesitzer spart sich die Kosten fürs Fällen, die Stadt erhält Dekomaterial. Stegen sagt: „Es wird aber schwieriger, Bäume zu finden. Viele Leute haben kleinere Grundstücke, da pflanzen die keine Tanne mehr und lassen sie 20, 30 Jahre stehen.“

Gelöst haben sie alle Herausforderungen. Bislang. Ob wirklich alles klappt, entscheidet sich, wenn am Sonnabend der Wochenmarkt endet und der Aufbau für das Weihnachtsdorf beginnt, dann stehen sie mit ihrem zentimetergenauen Plan im Maßstab von 1:100 vor dem Rathaus, um zu dirigieren.

Mit dem ersten entspannten Glühwein stoßen sie erst an, wenn der Markt eine Woche in Gang ist. Sie gucken sich an und und lächeln: „Dann wissen wir, das wirklich alles läuft.“

Zeiten und Co.

Die Glühwein-Saison

Vor dem Rathaus öffnet der Markt vom 27. November bis zum 23. Dezember, am Sand geht es bis zum 30. Dezember. Besucher können werktags von 10 bis 20 Uhr durch die Budenstadt bummeln, sonntags geht es erst um 11 Uhr los, jeweils samt einer Stunde „Auslauf“. An den Adventssonntagen beginnen jeweils um 17 Uhr Konzerte, um 16.45 Uhr ist ein Trompeter zu hören, von Mittwoch bis Sonnabend zudem ein Bläserquartett. Am 4. Advent spendieren die Schausteller um 15 Uhr ein Knusperhaus zum Vernaschen. Der Wochenmarkt baut sich rund um den Platz und angrenzenden Straßen auf.

Weitere Weihnachtsmärkte gibt es auf dem Hinterhof des ehemaligen News an der Schröderstraße sowie auf dem Hof der Krone an der Heiligengeiststraße, zudem am Hotel Bergström im Wasserviertel und am Alten Kran. An der Johanniskirche wächst ebenfalls eine Budenstadt. Am 7. und 8. Dezember bittet der Arbeitskreis Lünebruegr Altstadt zu seinem Markt mit rund 60 Ständen im Schatten von St. Michaelis. Los geht es dort am Sonnabend um 11 und am Sonntag um 12 Uhr.

Von Carlo Eggeling