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Ullrich Günther mit Mitarbeitern des Blindenhilfswerks Blind South Africa in Johannesburg. Foto: privat

Auch im Ruhestand weiter gefragt

Lüneburg/Johannesburg. Bis 2014 arbeitete Ullrich Günther als Professor für Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Leuphana in Lüneburg. Seit er im Ru hestand ist, widmet er sich anderen Dingen: Jetzt war er vier Wochen in Johannesburg und hat das Management eines Blindenhilfswerks analysiert und die Führungskräfte beraten.

„Ich habe schon in den Neunzigern nebenberuflich als Trainer in der Personalentwicklung Erfahrungen gesammelt“, verdeutlicht Günther. Bisher sei er dafür jedoch hauptsächlich in Asien unterwegs gewesen. „Südafrika war eine regionale Herausforderung.“ Organisiert wurde der Aufenthalt von dem Senior Experten Service. Die Organisation vermittelt Fachkräfte im Ruhestand in 160 Länder der Welt zu ehrenamtlichen Einsätzen.

Menschen verschiedener Herkünfte arbeiten zusammen

Die Hauptaufgabe von Günther bestand darin, das Führungsverhalten in dem Blindenhilfswerk „Blind South Africa“ zu analysieren, zu strukturieren und neue Impulse anzustoßen.

„In der Organisation arbeiten nicht nur Blinde und Sehende zusammen, sondern vor allem Menschen verschiedener Herkünfte“, sagt Günther. Das führte zu Konflikten: „Die weißen Führungskräfte hatten dann mitunter Angst, zu viel Druck auszuüben, weil sie nicht wollten, dass das nach weißer Überlegenheit aussieht.“ Andersrum seien dunkelhäutige Menschen in der Hilfsorganisation zurückhaltend mit deutlichen Anweisungen, aus Angst, diese könnten als neue Form der Diskriminierung gegenüber Weißen wahrgenommen werden, meint Günther.

Wo gibt es Probleme?

In Workshops ist er diese Probleme angegangen. „Ich habe zuerst mit den Geschäftsführern geredet, dann mit den mittleren Führungskräften und natürlich auch mit den Sachbearbeitern.“ Die Fragen dabei waren: Was läuft gut? Wo gibt es Probleme? Was kann verbessert werden?

Auch ein Verhaltenstraining war Teil der Beratung. „Einige Mitarbeiter dort wurden zu Führungskräften erklärt, ohne sich dafür beworben zu haben“, erzählt Günther. Da man dafür aber gewisse Voraussetzungen mitbringen sollte, hat der pensionierte Professor diese Fähigkeiten in Trainings vermittelt.

Die vier Wochen waren zu kurz, um schon deutliche Veränderungen beobachten zu können, findet Günther. Er hat aber das Gefühl, dass er „einige Dinge auf die richtigen Schienen gesetzt hat.“ Um das zu überprüfen, wird er im April nächsten Jahres erneut nach Johannesburg fliegen und ein „Follow-Up-Seminar“ in dem Blindenhilfswerk anbieten.

Von Lilly von Consbruch