Aktuell
Home | Lokales | Bad Bevensen | Eine Herzensangelegenheit
Bjoern Andrew Remppis
Prof. Dr. Bjoern Andrew Remppis ist Kardiologie-Chef am Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen (HGZ). (Foto: phs)

Eine Herzensangelegenheit

Bad Bevensen. Prof. Dr. Bjoern Andrew Remppis hat eine Mission, die ans Herz geht: Der Kardiologie-Chef am Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen (HGZ) will Menschen auf dem Land vor einer Herzschwäche schützen. Dort, wo Fachärztemangel herrscht und der Termindruck in den Praxen und Kliniken oft zu monatelangen Wartezeiten führt, versucht er seinem Ziel jetzt auf der Straße näher zu kommen – mit einem umgebauten Lkw.

An Bord befinden sich medizinisches Fachpersonal und ein mobiles MRT-Gerät. Damit kann der ganze Körper durchleuchtet werden, vor allem Weichteile und Organe lassen sich mit Hilfe der Schnittbilder gut darstellen – ein nicht unwesentlicher Schritt bei der Untersuchung der Herz-Gesundheit. „Herz-Check“ heißt darum das Projekt, das Remppis zusammen mit Ärzten vom Deutschen Herzzentrum Berlin, der AOK Nordost und der medneo Deutschland GmbH entwickelt hat. Es soll Menschen, die bereits unter Risikoerkrankungen wie Diabetes oder Niereninsuffizienz leiden, die Chance geben, schnell und unkompliziert die Pumpkraft ihres Lebensmotors zu überprüfen.

Schwerer Befund bei einem Fünftel der Probanden

In Berlin haben Remppis und seine Mitstreiter den Truck schon einmal testweise geparkt. „Bei gut einem Fünftel der Probanden wurde ein schwerer Befund festgestellt – ohne, dass diese zuvor wussten, dass sie eine Herzinsuffizienz haben“, berichtet Remppis. Was vielen nicht bekannt ist: Herzinsuffizienz ist die am häufigsten gestellte Leidensdiagnose an deutschen Krankenhäusern und weist eine deutlich schlechtere Prognose auf als man es von vielen Krebserkrankungen kennt. Der Kardiologe weiß um den Grund: „Die chronische Herzinsuffizienz stellt keine isolierte Herzerkrankung dar, sondern zieht den gesamten Körper in Mitleidenschaft.“

Pumpt das Herz schwächer, kann der ganze Körper nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt werden, sodass alle Organe unter einer Minderversorgung leiden. Das führt dann zum Beispiel zu Atemnot. „Und die meisten denken: Luftnot im Alter – das ist doch normal.“ Ist es aber nicht, sagt Remppis. Dieser Aberglaube führe dazu, dass Patienten gar nicht oder falsch behandelt würden, eine Frühform der Herzinsuffizienz unentdeckt bleibt. „Wenn dann Wasser in den Beinen und Müdigkeit dazukommen, handelt es sich schon um eine schwere Verlaufsform.“ Und selbst dann, wenn sich der Patient aufmache, alle Fachärzte abzuklappern, könne das, gerade auf dem Land, schon mal ein ganzes Jahr lang dauern. Oft endet der steinige Weg dann im Krankenhaus.

Behandlung in Klinik oft vermeidbar

Dabei ist Remppis überzeugt, dass die Behandlung in einer Klinik in drei Viertel der Fälle vermeidbar wäre – durch eine frühzeitige Erkennung der Herzschwäche und eine gesündere Lebensweise der Patienten. Wer im Herz-Check-Mobil leichte Symptome bescheinigt bekommt, der wird mit der Diagnose nicht allein gelassen: Betroffene können dann per App zum Beispiel ihren Fitnessstand, ihr Schlafverhalten, Gewicht und Blutdruck-Messwerte überprüfen und mit ihrem Arzt teilen. Nach einem Jahr gibt es eine Einladung zur Kontrolle.

Wer einen schweren Befund hat, bekommt wiederum einen Termin beim Facharzt oder in der Klinik und eine Kontrolluntersuchung nach einem Jahr. Die gewonnenen Daten werden zu wissenschaftlichen Zwecken von einer Arbeitsgruppe der Berliner Charité ausgewertet. Unter anderem werden durch das Projekt erzielte Kosteneinsparungen gemessen. Denn: „70 Prozent der Kosten entstehen zum Schluss im Krankenhaus“, weiß Remppis, der in früheren Jahren als Professor in Heidelberg am Herzen geforscht hat.

„Wir wollen die Medizin zu den Patienten bringen.“ – Bjoern Andrew Remppis, Kardiologe

Noch ist sein Projekt ein Testballon: Die mobile Früherkennung wird vermutlich im Herbst 2020 in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern eingeführt, nutzen können das Angebot zunächst nur Patienten der AOK Nordost. Stellen dort ansässige Hausärzte oder die Patienten selbst ein erhöhtes Risiko fest, können sie online einen Termin für eine mobile MRT-Untersuchung in der Nähe ihres Wohnorts vereinbaren. Remppis ist zuversichtlich, dass das bald auch in ländlichen Regionen der übrigen Bundesländer möglich sein wird. „Wir wollen die Medizin zu den Patienten bringen.“

Von Anna Petersen