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Die Visualisierung zeigt, wie der aufgestockte Gebäudeteil Ecke Ritterstraße/Ludwigstraße mit der Kupferverkleidung aussehen könnte. Unten ist Platz für eine Küche, das Obergeschoss könnte als Erweiterung der Bücherei genutzt werden. Foto: architekten oldenburg.plesse

Kupferfassade als Blickfang

Lüneburg. Der Dachreiter, der 1490 auf die Kapelle des Hospitals zum Großen Heiligen Geist gesetzt wurde, ist heute Wahrzeichen der Heiligengeistschule. Vor 21 Jahren wurde er saniert, erhielt eine neue Kupferabdeck­ung. Das Material Kupfer greift nun auch der Entwurf für die Erweiterung und den Umbau eines Nebengebäudes der Schule auf, die zur Ganztagsschule ausgebaut wird. Das Projekt ist eines von vielen, das im Rahmen des Bildungs- und Infrastrukturfonds II umgesetzt werden soll und mittels dessen Schulen, Kitas und Krippen saniert und erweitert werden. Bei den Beratungen zum Etatentwurf 2020 gab es im Bauausschuss einen Überblick zu den zahlreichen Hochbauprojekten, detailliert vorgestellt wurde der erste Bauabschnitt Heiligengeistschule.

Aus dem pädagogischen Schulkonzept, das dem Ausbau der Heiligengeistschule zur Ganztagsschule zugrunde liegt, ergebe sich ein erhöhter Raumbedarf, erklärte Maja Lucht von der städtischen Gebäudewirtschaft. „Dieser ist jedoch im Bestand nicht unterzubringen.“ Ein Ausbau des mittelalterlichen Dachstuhls im Gebäudetrakt Richtung Lambertiplatz sei aus Denkmalschutzgründen ausgeschlossen. Die Stadt hat das Lüneburger Architektenbüro Oldenburg Plesse mit einem Entwurf für den Umbau und die Erweiterung des Nebengebäudes an der Ritterstraße beauftragt. In einem ersten Schritt werden für den Ganztagsschulbetrieb eine Küche und Speiseraum (Mensa) sowie weitere Unterrichtsräume benötigt.

Multifunktionaler Speiseraum

Andreas Oldenburg erläuterte zum Entwurf für den ersten Bauabschnitt: Um den Schulhof durch Anbauten nicht einzuengen, wird das Nebengebäude entlang der Ritterstraße neu konzipiert. Aus der Turnhalle wird ein multifunktionaler Speiseraum mit zirka 88 Plätzen, der auch als Aula genutzt werden kann. Im Dachraum könnte ein Hausaufgabenraum sowie die Schulbücherei Platz finden, eine Gaube soll für Licht sorgen. Der Sportbetrieb werde in die Turnhalle der St.-Ursula-Schule verlagert, so Lucht.

Das Eckgebäude Ritterstraße/Ludwigstraße wird aufgestockt. Im Erdgeschoss soll die Austeil-Küche untergebracht werden, das Obergeschoss könnte als Erweiterung der Schulbücherei sowie als Ruheraum genutzt werden. Eine neue Optik gewinnt das Eckgebäude, indem die Aufstockung eine Kupferfassade erhält. Dieses Material steht in Korrespondenz zum Dachreiter. Oldenburg verwies auf das vor Jahren entstandene Gebäude neben dem Viskulenhof, das auch diese Verbindung von Backstein und Kupfer habe.

Am anderen Ende des Nebengebäudes soll ein Teil abgerissen werden und ein Neubau mit Erd- und Obergeschoss entstehen. Angesiedelt sind hier auf jeder Etage zwei Klassenzimmer (jeweils für eine Regel- sowie eine Sprachförderklasse) sowie pro Geschoss ein Gruppenraum. Die Fassade des Obergeschosses erhält ebenfalls eine Kupferverkleidung, für das Flachdach ist eine Begrünung vorgesehen.

Fertigstellung für Ende 2021 geplant

Der Entwurf, der „auch moderne Wege gehe“, sei mit der Denkmalpflege abgestimmt und auch mit dem Vorsitzenden des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt (ALA), Christian Burgdorff, diskutiert worden, sagte Stadtbaurätin Heike Gundermann. Der ALA trage die Materialität sowie den Entwurfsgedanken mit. Zustimmung gab es von Heiko Meyer, parteilos in der SPD-Fraktion, Birte Schellmann (FDP) und dem Ausschussvorsitzenden Eberhard Manzke (CDU).

Baubeginn könnte im kommenden Jahr sein, die Fertigstellung Ende 2021. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 3,2 Millionen Euro. Laut Maja Lucht umfasst ein zweiter und dritter Bauabschnitt den Umbau des Hauptgebäudes, um das Ganztagskonzept vollumfänglich umzusetzen. Die Stadt geht von einer Gesamtinvestition von 7,2 Million Euro aus. Durch Einnahmen und Zuschüsse liegt der Eigenanteil der Stadt bei voraussichtlich 4,8 Millionen Euro.

Von Antje Schäfer

Heiligensgeiststift

Baustellenbericht

Zum Stand der Sanierung des Heiligengeiststifts, dessen erstes Obergeschoss und der Dachstuhl eines Seitenteils am 12. April ausgebrannt waren, trug die Verwaltung kurz vor. Demnach laufen seit Ende April die Arbeiten im Gebäude. Das Obergeschoss sei inzwischen demontiert, derzeit würden die Steine im Untergeschoss herausgenommen und gesäubert. Im ersten Quartal 2020 solle der Rückbau abgeschlossen sein, im September/Oktober mit dem Wiederaufbau des Gebäudes begonnen werden. Läuft alles glatt, könnten die Arbeiten im Frühjahr 2022 abgeschlossen sein.