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Prof. Dr. mult. Walter Leal ist ein Klimaexperte von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg. Foto: t&w

Forschen für eine bessere Welt

Adendorf. Mehr als 2000 Wissenschaftler aus der ganzen Welt tragen zu dem Projekt bei. Am Ende soll das gesamte Werk 17 Bände umfassen. Jeder einzelne Band enthält etwa 100 Kapitel, macht insgesamt 1700 Kapitel. Und geleitet wird das Mammutprojekt im Auftrag der Vereinten Nationen (UN) von einem Mann aus Adendorf: Prof. Dr. mult. Walter Leal, Klimaexperte von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg. Oder, wie Leal es scherzhaft formuliert: Von einem Professor aus Deutschland „und nicht aus Oxford oder Cambridge“.

Walter Leal (54) ist Leiter des Forschungs- und Transferzentrums „Nachhaltigkeit und Klimafolgenmanagement“ an der HAW Hamburg und hat seit 2007 eine Professur für Klimafolgenmanagement und Gesundheit inne. Er war auch schon in der Vergangenheit mehrfach für die UN tätig.

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat 2015 die „UN Agenda 2030“ beschlossen. 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung wurden damals festgelegt, unter anderem, um die Armut zu bekämpfen, den Hunger zu reduzieren, den Frieden zu fördern und den Klimawandel zu bekämpfen. „Niemand darf zurückgelassen werden“, sagte damals UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Und weiter: „Aber der wahre Test kommt noch, nämlich die Umsetzung.“

Gesamter Bericht wird 2021 fertiggestellt

Dabei sollen vor allem auch Wissenschaftler helfen. Experten aus 92 Nationen, unter ihnen Ingenieure, Biologen, Umweltwissenschaftler, Psychologen und Mediziner, tragen zu dem Mammutwerk, das 2021 komplett sein soll, bei. Sie alle liefern ihre Beiträge an ein Team aus Experten, die die Beiträge überprüfen und am Ende in die Enzyklopädie aufnehmen – oder auch ablehnen. Alle Fäden laufen bei Walter Leal zusammen.

Der gesamte Bericht, der 2021 fertiggestellt wird, soll Regierungen, Verwaltungen und Organisationen helfen, bei Fragen zu nachhaltiger Entwicklung und Klimaschutz Entscheidungen zu treffen, indem er Anregungen gibt, wie sich die Herausforderungen bewältigen lassen. „Es ist das größte redaktionelle Projekt zur nachhaltigen Entwicklung, das jemals durchgeführt wurde“, berichtet Walter Leal.

Die ersten beiden Bände „Enzyklopädie der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung“ sind bereits abgeschlossen und veröffentlicht: „Good Health and Well Being“ sowie „Climate Action“. Mit der umfangreichen Enzyklopädie hofft Walter Leal, „dass wir Impulse geben können für die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele 2030“. Die seien nämlich in höchstem Maße gefährdet, seit 2015 sei man „nicht vorangekommen“.

„Deutschland sollte Vorbildfunktion haben“

Als eines der führenden Industrieländer der Welt müsse Deutschland bei der Umsetzung der Klimaziele mit gutem Beispiel vorangehen: „Wir haben da eine Vorbildfunktion.“ Das kürzlich von der Bundesregierung beschlossene „Klimaschutzpaket“ sei da zum Beispiel nicht ausreichend. Der Preis für Verschmutzungsrechte von zehn Euro pro Tonne Kohlendioxid sei zu niedrig, ist Leal überzeugt. „Das bedeutet nur drei Cent mehr pro Liter Sprit. Wir brauchen aber 30 Cent mehr. Erst das bringt die Menschen zum Umdenken.“ Leal lobt auch die Bewegung „Fridays vor future“: „Ich finde es gut, dass junge Leute über den Klimaschutz sprechen.“

Wenn ab dem 2. Dezember Tausende Wissenschaftler sich in Spaniens Hauptstadt Madrid zur Weltklimakonferenz treffen, wird auch Walter Leal dabei sein – um dort Zwischenergebnisse seiner Arbeit vorzustellen.

Von Ingo Petersen

UN-Beschluss aus dem Jahr 2015

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Als Ziele, die bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen, hat die UN beschlossen: Armut beenden, Ernährung sichern, Gesundheit, Bildung für alle, Gleichstellung der Geschlechter, Wasser für alle, nachhaltige Energie für alle, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Ungleichheit verringern, nachhaltige Siedlungen, nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen, Maßnahmen gegen den Klimawandel, Bewahrung und nachhaltige Nutzung der Ozeane, Schutz der Landökosysteme, Frieden sowie globale Partnerschaft.