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Führungszeugnisse werden vom Bundesamt für Justiz ausgegeben. Foto: rnd

Trainer sollen Führungszeugnis vorlegen

Lüneburg. Der mutmaßliche Missbrauch mehrerer Jungen durch einen Trainer, der bei der DLRG und beim MTV-Treubund tätig war, hat Konsequenzen. Eine ergab eine entsprechende Anfrage der LZ im Rathaus. Dabei soll greifen, was die DLRG bereits macht: Sie fordert von Übungsleitern ein sogenanntes erweitertes Führungszeugnis. Darin ist festgehalten, ob Aspiranten polizeilich aufgefallen sind, auch um Sexualdelikte geht es dabei. Sozialdezernentin Pia Steinrücke sagt: „Das Thema Kinderschutz und entsprechende Konzepte werden zentraler Bestandteil des neuen Sportentwicklungskonzeptes sein, das die Stadt derzeit gemeinsam mit den Vereinen und Organisationen vor Ort erarbeitet.“

Die Linie: „Dabei spielt auch das erweiterte Führungszeugnis eine entscheidende Rolle. Es wurden bereits Gespräche mit dem Sportbeirat und dem Kreissportbund darüber geführt, dass das erweiterte Führungszeugnis eine verbindliche Vorgabe für alle Trainer werden soll. Eine gesetzliche Pflicht besteht hier nicht, wir halten es aber für sehr wichtig, dies einzuführen.“

Maßnahmen zur Prävention

Die Dezernentin verweist auf Konzepte, die bereits in Kindertagesstätten und Schulen umgesetzt werden, auch Vorgaben des Landessportbundes sollen einbezogen werden. Stichworte seien „Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung, Umgang mit Verdachtsmomenten sowie Maßnahmen zur Prävention“.

Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft inzwischen Anklage gegen einen in Untersuchungshaft sitzenden 26 Jahre alten Studenten erhoben. Sie geht von sieben Jungen im Alter von 10 bis 15 Jahren als Opfer aus. Der Mann, der auch in den Sportunterricht an der Grundschule Hasenburger Berg einbezogen war, wird als „engagiert und vorbildlich“ beschrieben. Es habe nichts Auffälliges gegeben. Die Vorwürfe waren im Juli öffentlich geworden. Die Beamten sicherten damals auf dem Handy und dem Computer des aus Münster nach Lüneburg gezogenen Beschuldigten belastendes Material.

Eltern kritisierten den MTV

Polizeisprecher Kai Richter hatte den Stand der Ermittlungen im Sommer so umrissen: Der Verdächtige soll von 2015 an unter anderem per Smartphone an Jungen zweifelhafte Nacktbilder geschickt beziehungsweise von ihnen bekommen haben. Später soll es zu massiven sexuellen Übergriffen durch den Beschuldigten gekommen sein, zum Beispiel bei Nachtwachen der DLRG am Reihersee.

Eltern hatten gegenüber der LZ das offene und hilfreiche Agieren der DLRG gelobt und gleichzeitig den MTV kritisiert: Der Verein habe erst nach Druck durch Väter und Mütter einen Elternabend einberufen.

Von Carlo Eggeling

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