Aktuell
Home | Lokales | Zu viel Flexibilität
Ärger an der Grundschule Hasenburger Berg. Foto: A/t&w

Zu viel Flexibilität

Lüneburg. Alles war so schön geregelt. Nach Jahren, in denen die umfangreichen Bauarbeiten nicht fertig wurden, der immerwährende Lärm in den Klassenzimmern nicht nachließ, Eltern sich bei der Entwicklung der Grundschule Hasenburger Berg zur Ganztagseinrichtung nicht mitgenommen fühlten, der Starttermin immer wieder verschoben wurde und der Vorstand des Schulelternrats schließlich aus all dem die Konsequenzen zog und geschlossen zurücktrat.

Zuletzt schienen dann alle Ungereimtheiten beseitigt zu sein. Im Februar soll es losgehen – eigentlich mit dem Verein „Die Rübe“ als Träger für den Ganztag. Nun hat die Einrichtung einen Rückzieher gemacht.

Ausschlaggebend dafür war ein Gespräch in der Landesschulbehörde, in dem darauf hingewiesen wurde, dass die Variante, mit der die Schule den offenen Ganztag gestalten möchte, nicht erlasskonform ist. Bekanntlich hat die Frage, wie frei die Eltern in der Entscheidung sind, an welchen Tagen ihre Kinder länger in der Schule bleiben, in der Vergangenheit zu vielen Diskussionen geführt. Am Ende waren es 69 Mütter und Väter, die sich mehr Flexibilität wünschten, und 101 Elternteile, die für eine starre Variante votierten. Bedeutet: Die Kinder, die zum Ganztag angemeldet wurden, müssen dienstags, mittwochs und donnerstags bis 15 Uhr daran teilnehmen. Einzelne Tage können nicht flexibel angewählt werden.

Verunsicherung auch im Kollegium der Schule

„Die Rübe hat immer gesagt, dass sie bei der Flexi-Variante raus ist. Denn dann lässt sich das Stammgruppenprinzip nicht so umsetzen, dass es mit dem pädagogischen Konzept vereinbar wäre“, erklärt Schulleiterin Marianne Borowski auf Nachfrage. „Das Kollegium ist doch sehr verunsichert. Wir haben über viele Jahre an diesem Konzept gearbeitet, wir wollten den Kindern damit Verlässlichkeit bieten und uns an ihren Bedürfnissen orientieren.“ Die neue Situation, die sich nun ergeben habe, werde nicht positiv aufgenommen.

Borowski erzählt, dass sie auch viele Anrufe von Eltern erhalten habe, Nachfragen dazu, wie sicher das sei und wie die Randzeitenbetreuung geregelt werde. Gegenüber der LZ wollte sich der Schulelternrat nicht äußern. Der Vorsitzende teilte mit, dass die Diskussionen in der Elternschaft kontrovers seien, Unklarheit herrsche und man noch nicht aussagefähig genug sei.

Fest steht: An dem festen Modell führt kein Weg vorbei, ein neuer Anmeldebogen wurde bereits an die Eltern herausgegeben. Doch wieso ist erst so spät aufgefallen, dass die bevorzugte Variante der Schule nicht dem Erlass des Kultusministeriums entspricht? Borowski sagt dazu nur: „Das Konzept war der Behörde seit Anfang Juli bekannt.“

„Es gibt dafür keine Rechtsgrundlage“

Andreas Herbig, Referent des Behördenleiters, weist darauf hin, dass der Ganztag, beantragt durch die Stadt als Schulträger, im April genehmigt worden sei. „Das, was im April genehmigt wurde, stimmt nicht mit dem überein, was jetzt geplant wurde.“ Der Behörde seien die Pläne der Grundschule zu Ohren gekommen, daraufhin sei man mit der Schule in Kontakt getreten. „Es gibt dafür keine Rechtsgrundlage.“ Die Wahlfreiheit der Erziehungsberechtigten dürfe im Rahmen des offenen Ganztags nicht erlasswidrig eingeschränkt werden. „Das gilt für jede öffentliche Schule und sämtliche externe Dienstleister im Ganztagsbereich.“

Ohne die Rübe muss die Schule ab Februar jonglieren. Die drei Ganztagsschultage von 12.45 bis 15 Uhr sollen Borowski zufolge erstmal Lehrer, Externe, etwa aus Sportvereinen, sowie eventuell auch Ehrenamtliche und Eltern auffangen. Die Randzeitenbetreuung am Montag- und Freitagnachmittag sowie die Zeit von 15 und 17 Uhr, ist für das erste Schulhalbjahr gesichert. Den bis Ende Juli gültigen Vertrag mit der Stadt will die Rübe erfüllen.

Für die Zeit danach soll laut Stadtprecher Sebastian Koepke-Millon per Ausschreibung ein neuer Partner gewonnen werden. „Für das Ganztagsangebot ist die Schule zuständig. Aus einer Mail der Schulleitung haben wir erfahren, dass die Rübe hierfür nicht zur Verfügung stehen wird.“ Die Stadt erwarte, dass die Ausgestaltung der Ganztagszeiten mit Fachpersonal abgedeckt wird, sagt Koepke-Millon. „Wir werden diesbezüglich Gespräche mit der Schulleitung führen.“

Von Anna Paarmann