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Yulia Mühlbauer hat noch Probleme mit dem neuen Fahrplan, wenn sie auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle zwischen Johanneum und Hinderburgstraße unterwegs ist. (Foto: t&w)

Viele Fahrgäste sind gut informiert

Lüneburg. Nach einem völlig neuen Fahrplan rollen seit Sonntag die Busse in Stadt und Landkreis Lüneburg. Gestern war der erste Tag, an dem sich zeigen musste, ob das neue Nahverkehrskonzept, vom Landkreis „Konzept Lünebus“ genannt, tatsächlich tauglich für die Praxis im Berufsverkehr ist. Weitgehend zufrieden waren am Abend die Verantwortlichen beim Landkreis, die Anzahl an Beschwerden hielt sich in Grenzen.

Am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) war gestern Sebastian Heilmann als Verkehrsplaner der Hansestadt Lüneburg vor Ort. Die Stimmung sei weitgehend friedlich gewesen, viele Fahrgäste hätten sich im Vorfeld gut informiert, hieß es von ihm. An der Lünebus-Hotline beantwortete Merle Rahmann vom Fachdienst Schule, Kultur und ÖPNV des Landkreises zahlreiche Fragen zum neuen Konzept.

Fahrgast: „Noch keine Veränderung festgestellt“

Die Landeszeitung sah sich am ZOB um: Kurz nach 15 Uhr. Stadt- und Überlandbusse rollen ein, Fahrgäste warten in der Kälte an den Haltestellen. Die meisten kommen gut weg, steigen in den Bus ein, mit dem sie mitfahren wollen. So wie Frank Hartmann, der aus der Lüneburger Innenstadt nach Barendorf möchte. Er hat einen kurzen Fußweg vom Platz Am Sande hinter sich, um die Linie 5304 in Richtung Barendorf zu erreichen. „Alles läuft reibungslos. Bislang habe ich noch keine Veränderung festgestellt, nachdem der neue Nahverkehrsplan in Kraft getreten ist“, sagt er.

Yulia Mühlbauer allerdings hat Probleme. „Wo ist mein Bus?“, fragt sie. Es sei die reinste Katastrophe nach der Fahrplan­umstellung, meint sie. „Vorher konnte ich vom Johanneum zu meiner Arbeit an der Hindenburgstraße mit der Linie 5014 immer direkt fahren. Das geht jetzt nicht mehr, ich muss umsteigen“, berichtet sie. Für den Heimweg müsse sie nun den Bus 5361 Richtung Bavendorf nehmen, um ans Ziel zu kommen – für sie an diesem Nachmittag noch gewöhnungsbedürftig.

Das gilt auch für die ältere Dame, die mit dem Bus aus Adendorf gekommen ist. Sie will weiter nach Barum. War der erste Teil ihrer Fahrt noch problemlos, so sei es jetzt am ZOB „konfus“, sagt sie. „Ich muss den Bus 5405 nehmen. Doch leider lässt sich aus dem ausgehängten Fahrplan nicht erkennen, wann der nächste fährt und wann ich später von Barum wieder zurück nach Hause fahren kann.“ Auch ein Busfahrer dieser Linie habe ihr keine hilfreiche Auskunft geben können.

Weitere Neuigkeiten vom Landkreis Lüneburg gab es derweil bezüglich der Stadtbuslinie 5011 – ihretwegen hatte es nach Bekanntwerden des neuen Fahrplans die meiste Kritik gegeben. Dort hatte es in den Hauptverkehrszeiten (6 bis 8 Uhr morgen, 16.30 bis 18.30 Uhr abends) nicht, wie angekündigt, einen 15-Minuten-Takt gegeben. Das stellte sich dann aber schnell als Versehen heraus (LZ berichtete). Schon am Freitag hieß es vom Landkreis, dass zusätzlich zu den im Fahrplan angegebenen Bussen am Morgen auch um 6.40 Uhr und 7.40 Uhr Busse ab Osterwiese in Richtung ZOB fahren.

Fahrplanbücher sind begehrt

Gestern hatte Kreissprecherin Katrin Holzmann noch eine gute Nachricht für Pendler aus Richtung Häcklingen/Rettmer: Ab sofort verkehren am Abend, zusätzlich zu den im Fahrplan angegebenen Bussen, weitere Fahrzeuge um 16.45 Uhr, 17.15 Uhr, 17.45 Uhr und 18.15 Uhr in Richtung Häcklingen/Rettmer.

Für Verwirrung sorgte noch bis gestern, dass am Bahnhof Lüneburg, entgegen der Ankündigung des Hamburger Verkehrsverbunds von Ende vergangener Woche keine Fahrplanbücher erhältlich waren. Der Landkreis machte die Verkehrsunternnehmen darauf aufmerksam.
Bei der KVG-Bus-Info im Glockenhof waren die Fahrplanbücher dagegen seit gestern Vormittag für drei Euro käuflich zu erwerben – und fanden reißenden Absatz.

Nachteile ergeben sich für Einzelne

Uns erreichten weitere Leserfragen nach Veränderungen im Busverkehr – wir fragten beim Landkreis nach.

Mit der Stadtbuslinie 5015 sei er bisher immer problemlos am frühen Sonntagabend von der Hölderlinstraße im Moorfeld über den ZOB nach Häcklingen gefahren, berichtet Bernd Sievers. Das gehe jetzt nicht mehr: Am Sonntag ist er um 18.29 Uhr in der Hölderlinstraße eingestiegen, um 18.40 Uhr am ZOB angekommen. Der Bus 5011 in Richtung Häcklingen fährt aber jetzt um 18.30 Uhr. Sievers: „Ich musste dann 50 Minuten auf den nächsten Bus warten.

Vom Landkreis heißt es: „Es gibt zum Fahrplanwechsel eine Reihe von Änderungen, die auch für bestehende Verbindungen zum Teil ein Nachteil sein können. So ist es auch hier. Zwischen der Linie 5015 und 5011 bestehen nur sehr wenige Verkehrsbeziehungen. Hier kommt es auf die gewünschte Endhaltestelle an: Eine Alternative könnte sein, auf die Linie 5007 bis Rosenkamp Wendeplatz auszuweichen (z. B. Abfahrt Hölderlinstraße mit 5015 um 18.29 Uhr bis ZOB, weiter mit Linie 5007 um 18.46, Ankunft Rosenkamp 19.02 Uhr) oder direkt mit der 5110 zu starten (Abfahrt Hölderlinstraße um 19.15 Uhr, Ankunft ZOB um 19.22 Uhr, weiter mit Linie 5011 um 19.30 Uhr nach Häcklingen).

Alles andere als glücklich ist man in Erbstorf über den Wegfall der Verbindung nach Erbstorf im Zuge der Linie 5015.

Dazu erklärt der Landkreis: „Fahrgastzahlen und -potenzial für die 5015 waren in der Vergangenheit gering, das heißt es gibt wenige Einwohner entlang der Strecke und nur geringe Pendlerströme. Daher wurde ein politischer Beschluss gefasst, diese Verbindung nach Erbstorf wegfallen zu lassen. Eine alternative Anbindung besteht über die 5110 oder 5007. Die Oberschule Adendorf ist für Schüler aus dem Stadtteil Ebensberg zu bestimmten Zeiten momentan nur über einen Umstieg am Meisterweg erreichbar. Hier werden wir die Verbindungen nach der 6. und 8. Stunde nachbessern.“

Eine Leserin beklagt, dass die Linie 5011 das Schäferfeld nicht mehr ansteuert. Stattdessen fährt nun die 5014 dieses Gebiet an. Das habe zur Folge, dass statt vorher vier Mal pro Stunde der Bus nur noch zwei Mal pro Stunde fährt, selbst zu Stoßzeiten.

Dazu heißt es vom Landkreis: „Auch auf dieser Strecke gab es wenige Fahrgäste und wenige potenzielle Nutzer. Für Kaltenmoor fallen die Zahlen viel höher aus, daher wurde Kaltenmoor mit dem 15-Minuten-Takt angeschlossen. Die Linienäste und damit auch die Nummern wurden aufgrund der Engstelle Brodbänken geändert, da die Strecke zu gefährlich für Gelenkbusse ist.

Von Ingo Petersen und Stefan Bohlmann