Donnerstag , 5. Dezember 2019
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Detlef Olma überlegt, seinen Betrieb aus der Oberen Ohlingerstraße zu verlegen. (Foto: be)

Ein Filetstück in der Altstadt

Lüneburg. Die Altstadt war einmal das Viertel der Salinenarbeiter und kleinen Leute, die Häuser gebeutelt von Senkungsschäden. Es gab Pläne, die schiefen Fachwerkbauten abzureißen zugunsten eines Parkplatzes. Lange her und kaum noch vorstellbar. War ein Haus dort einst „für‘n Appel und ‚n Ei“ zu haben, sind heute in der Regel Hunderttausende Euro fällig. So sorgt ein Gerücht im Viertel für eine gewisse Aufregung: Die Pferde-Schlachterei Olma an der Oberen Ohlingerstraße stehe zum Verkauf. Doch ganz so stimme die Sache nicht, sagt Detlef Olma. Zwar würde er das Grundstück im Prinzip veräußern, doch gleichwohl wolle er seinen Betrieb fortführen – beides müsse zusammenpassen.

Er erzählt die Geschichte so: „Für uns ist es zu eng, ich kann hier nicht wachsen.“ Er brauche nicht nur Platz, um Wurst und Aufschnitt zu machen, sondern auch für seine Verkaufsanhänger, mit denen er zu Märkten fährt. Dazu komme, dass er Probleme habe, Personal für die schwere körperliche Arbeit zu finden. Überdies sei die Nachfolge noch nicht geklärt. Zwar verkaufe er in seinem Laden weniger, doch es gebe eine Nachfrage größerer Partner und auch einer Fluggesellschaft nach seiner Ware. Deshalb denke er über Kooperationen mit anderen Unternehmen nach: „Ich bin dabei, den Betrieb umzustrukturieren. Wichtig ist mir, dass nach unseren Rezepten produziert wird.“

Stadt unterstützt die Umsiedlungspläne

Eine Möglichkeit liege darin, den Standort in der Altstadt zu verkaufen. Es lägen auch schon Angebote vor, eins aus der Nachbarschaft, andere von üblichen Lüneburger Immobilien-Größen: „Entschieden ist nichts.“ Eine Rolle spiele dabei die Kommune. Die habe ein Vorkaufsrecht für eine Halle, die vor Jahrzehnten zur Schlachterei hinzugekommen sei, berichtet der 52-Jährige: „Ich könnte mir auch vorstellen, alles an die Stadt zu verkaufen.“

Dem Rathaus käme eine andere Nutzung zu pass. „Wir begrüßen und unterstützen die Umsiedlungspläne der Pferdeschlachterei“, sagt Sprecherin Ann-Kristin Jenckel. „Denn durch den Wandel in der Altstadt passt dieser Betrieb dort aus städtebaulicher Sicht nicht mehr gut hin.“

Allerdings bleibt man in der Verwaltung gelassen: „Wir warten vorerst ab, an wen Herr Olma sein Grundstück verkauft. Klar ist, dass an dieser Stelle nur eine sensible Bebauung möglich ist, die sich in das historische Umfeld einpasst. Für einen Teil des Grundstücks, auf dem die Halle steht, hat die Stadt ein Ankaufsrecht. Ob wir von dem Ankaufsrecht Gebrauch machen, hängt davon ab, welche Pläne ein künftiger Käufer mit dem Grundstück verfolgt. Die Stadt selbst plant kein Bauvorhaben an dieser Stelle, es gibt aber seit längerem Überlegungen, den Spielplatz dort zu erweitern.“

Was Investoren freuen dürfte: Die Halle steht laut Stadt nicht unter Denkmalschutz. Doch wohin die Reise geht, bleibt noch offen.

Von Carlo Eggeling