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Ein Bagger frisst sich durch die alten Hallen auf dem Marwitz-Gelände. Hier sollen im nächsten Jahr Mietshäuser entstehen. Foto: be

Neue Wohnungen für Neu Hagen

Lüneburg. Rund 60 neue Wohnungen entstehen in Neu Hagen zwischen Bach- und Dahlenburger Landstraße. Dafür weichen die alten Hallen der Textilreinigung Marwitz, die Abbrucharbeiten laufen. Dirk Hischemöller und seine Familie, Eigentümer des Areals und des Unternehmens, setzten auf Mietwohnungsbau. Zwar kann er noch nichts zur Höhe der Mieten sagen: „Aber es wird nichts im Luxussegment wie etwa im Ilme­naugarten.“ Eine Idee sei es, möglicherweise auch Mitarbeitern des Betriebes Wohnraum anzubieten: „Es sind keine Sozialwohnungen, aber es soll bezahlbar sein.“ Ein Teil der Wohnungen wird behindertengerecht gestaltet, zudem sollen in die Gebäude Fahrstühle gesetzt werden.

Marwitz ist ein Betrieb mit Tradition, 1823 in Ratzeburg gegründet, zog man um 1900 an die Ilmenau. Lange arbeitete man in Neu Hagen, später setzte die Geschäftsführung auf die neue Zentrale im Hafen. Spezialisiert hatte sich die Firma auf das Reinigen und Vermieten von Berufskleidung, Fußmatten sowie Hotel- und Restaurantwäsche.

„Der Lebenszyklus ist am Ende“

Der Bereich Gastronomie war an der Dahlenburger Landstraße angesiedelt, doch der schloss vor gut drei Jahren. Hischemöller hatte damals gesagt, der Maschinenpark dort sei mehr als 30 Jahre alt: „Der Lebenszyklus ist am Ende.“ Doch an diesem Standort könne man keine neue Anlage einbauen: „Die Gebäude sind zu niedrig. Eine Erweiterung ist nicht möglich.“ Also schloss man das Stammhaus.

Es habe verschiedene Angebot gegeben, das Gelände zu verkaufen, berichtet Hischemöller: „Doch wir haben uns für Wohnungen entschieden.“ Darüber habe man die unmittelbare Nachbarschaft informiert, auch Beweissicherungsverfahren für angrenzende Häuser seien eingeleitet worden. So können mögliche Veränderungen an Gebäuden dokumentiert werden, die durch Bauarbeiten ausgelöst werden könnten. Man habe die Pläne mit der Stadt und den entsprechenden Behörden abgestimmt, sagt der Geschäftsführer. Auch Umweltbelastungen waren ein Thema, denn in Reinigungen werden Chemikalien verwandt.

Hischemöller berichtet, dass Bodenproben genommen worden seien, unter anderem weil eine Tiefgarage entstehen soll. Man habe „geringe Belastungen“ festgestellt, der Bodenaushub komme auf eine Deponie. Die Stadt hat auch Auswirkungen für das Grundwasser untersucht. Hischemöller geht davon aus, dass nach Abriss und Bodenaushub im Frühjahr oder Sommer kommenden Jahres die Baumaschinen anrollen.

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Untersuchungen auf Schadstoffe

Vor dem Abriss wurden die Gebäude auf Schadstoffe untersucht, dabei wurde in einigen Bauteilen Asbest gefunden. Der Abriss wird daher von einer zugelassenen Fachfirma durchgeführt.

In den 90er-Jahren wurde auf dem Gelände eine Grundwasserverunreinigung durch den Schadstoff Perchlorethylen (PER) festgestellt. Dieses Mittel wurde früher zur chemischen Reinigung verwendet. Damals wurde eine Grundwassersanierung in Angriff genommen, die bis heute aktiv ist. Durch denselben Schadstoff wurde damals auch eine Verunreinigung der Bodenluft festgestellt – diese wurde in den 90er-Jahren rund um die Gebäude saniert, so dass eine Beeinträchtigung der Wohnbebauung ausgeschlossen werden konnte.

An einer Stelle auf dem Betriebsgelände ist der Schadstoff PER allerdings auch unter einer Halle versickert. Hier wird der Boden nach dem Abriss und vor dem Neubau abgetragen.

Von Carlo Eggeling