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Mehrere Maurerkübel voller Eicheln hat Ulrich Volker gesammelt. „Es wäre schade, die verkommen zu lassen.“ Foto: t&w

Der Mann der 5000 Eicheln

Ehlbeck. Eigentlich wollte er sich quasi als menschlicher Eichelhäher betätigen. Doch er durfte nicht, wie er wollte. Dabei war Ulrich Volker fleißig: Er sammelte auf dem Dorfplatz in Ehlbeck unter den stattlichen Bäumen Tausende von Eicheln. Nun war er auf der Suche nach einer Waldfläche. „Ich pflanze eigenhändig alle 5000 Eicheln ein, dann haben wir in drei Jahren einen kleinen Eichenwald“, so war sein Plan, den er der LZ vorschlug. Doch so einfach ist das offenbar nicht, zumindest wenn es nach dem forstlichen Saatgutrecht geht, erklärt Knut Sierk, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten auf Nachfrage.

Wer Baumsaatgut im eigenen Wald sammelt, darf es auch dort, beziehungsweise auf dem eigenen Grundstück, wieder einsäen. Das besagt im Grundsatz das Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) – das ist in der Beziehung das höchste der Gefühle. „Aber wenn ich zum Beispiel Eicheln irgendwo sammle, darf ich die nicht mal auf einem Nachbargrundstück ausbringen, um dort die Grundlage für einen neuen Wald zu schaffen“, sagt Sierk.

Es geht um standortangepasste Pflanzen

Das FoVG schreibt nämlich vor, dass nur Material aus anerkannten Saatgutbeständen mit entsprechenden Herkunftsnachweisen eingesetzt wird. Sierk: „So soll sichergestellt werden, dass zur Waldverjüngung nur standortangepasste Pflanzen verwendet werden, die auch mit den klimatischen Bedingungen zurecht kommen. Fatal wäre es, wenn jemand beispielsweise Eicheln aus dem Balkan bei uns im großen Stil ausbringen würde.“ Die von diesen Vorgaben betroffenen 27 Baumarten sind in einer Liste des FoVG benannt und beziehen sich beispielsweise auf Rot- und Hainbuche, Bergahorn, Trauben-, Stiel- und Roteiche über Pappel, Fichte, Kiefer und Douglasie bis Sommerlinde und Esskastanie.

Ulrich Volker: „Ich hatte die Idee eigentlich als vernünftig angesehen. Den Sinn der Vorschriften erkenne ich in dem Fall aber nicht, da ich die Eicheln doch unter einem Baum im Dorf gesammelt habe.“ Aufgeben wolle er deshalb nicht. Einen Tipp, was er alternativ mit den aufgelesenen Eicheln tun kann, hat Rehlingens Bezirksförster Rainer Mühlhausen parat: „Vielleicht freut sich der Tierpark über das Futter für seine Rehe.“

Von Dennis Thomas