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Heike Rode (r.) und Claire Pape auf der Dachterrasse, von der aus man auch einen Blick auf die drei Innenstadtkirchen hat.

Leben in der Gemeinschaft

Lüneburg. Von der 100 Quadratmeter großen Dachterrasse haben die Bewohnerinnen und Bewohner einen grandiosen Blick auf die drei Innenstadtkirchen und auch das H anseviertel nebenan. Gleich daneben befindet sich eine Teeküche sowie ein Baderaum für alle. Der hat damit zu tun, dass das Wohnprojekt „Fluse“ – ehemals „Gemeinschaft.sinn“ – ganz stark auf Gemeinschaftsflächen setzt. „Im Gegenzug gibt es pro Bewohner nur 25 Quadratmeter Wohnraum, die Bäder sind dementsprechend klein“, erläutert Heike Rode von der Gruppe „Fluse“. Gut ein Jahr ist es her, dass der Baustart für das Gebäude erfolgte, im Februar soll es bezugsfertig sein.

1284 Quadratmeter Nutzfläche bietet das Haus

Anfangs war geplant, dass das Wohnprojekt, das bezahlbaren Wohnraum schafft, der von Menschen mit unterschiedlichen Wohnbedürfnissen und Lebensentwürfen gemietet werden kann, im Hanseviertel Ost angesiedelt werden sollte. Doch die Verhandlungen der Stadt mit dem Land um den Erwerb der Flächen zogen sich bekanntlich hin. Die Stadt – Bauverwaltung und Politik – schufen dann die Voraussetzungen durch einen Bebauungsplan dafür, dass das Wohnprojekt am Meisterweg entstehen konnte.

40 Zimmer und 38 Bewohner

1284 Quadratmeter Nutzfläche bietet das zweistöckige Gebäude mit Staffeldach. Es gibt elf Wohnungen für Einzelpersonen, Familien sowie Wohngemeinschaften. Insgesamt sind es 40 Zimmer, 38 Bewohner – darunter acht Kinder – freuen sich auf den Einzug und das Leben in der Gemeinschaft. „Neben der Dachterrasse gibt es einen Gemeinschaftsraum, den wir auch für Veranstaltungen unter Einbindung der Nachbarschaft zur Verfügung stellen möchten“, sagt Claire Pape. Im Keller wird es eine Waschküche geben und eine Werkstatt für Holz- und Metallarbeiten, damit nicht jeder seine eigenen Werkzeuge haben muss. „Denn es geht uns darum, Ressourcen zu teilen.“ Außerdem ist eine Food-Kooperation geplant. Nahrungsmittel sollen gemeinsam direkt in der Region eingekauft werden – ohne Verpackung. Derzeit wird das Bezahl-Konzept noch entwickelt, möglich sei eine „Solidarische Kasse“, bei der alle in einen Topf einzahlen und sich dann mit Lebensmitteln versorgen können.

Beim Gang durchs Gebäude, in dem zurzeit noch auf Hochtouren gearbeitet wird, zeigt Heike Rode auf die Wände, „die aus ökologischen Gründen mit Kalkfarbe gestrichen sind.“ Grundlage bei allen Bauentscheidungen war es, die möglichst ökologischste Alternative zu wählen. Solange diese bezahlbar war, denn das Wohnprojekt steht dafür, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, der gemietet werden kann. Kein leichtes Unterfangen, denn immerhin 320 Euro pro Quadratmeter mussten für den Erwerb des Grundstücks ans Land bezahlt werden.

Von Anfang an gab es Unterstützung durch die Kommune

Die Finanzierung erfolgt über „Bundes- und Landesförderung, private Darlehen sowie eine Förderung durch die Stadt Lüneburg. Nachdem die N-Bank unser Wohnprojekt als Modellprojekt anerkannt hat, können nun alle Wohnungsgrößen gefördert werden“. Die Kommune, allen voran die Baudezernentin, habe das Projekt immer unterstützt. Nur so sei es gelungen, dass auch größere Wohnungen seitens des niedersächsischen Umweltministeriums gefördert werden. Zehn der insgesamt elf Wohnungen könnten nun zu Mietpreisen von 6,50 bis 7 Euro pro Quadratmeter angeboten werden.

Claire Pape und Heike Rode unterstreichen, dass es sehr begrüßenswert sei, dass in den vergangenen Jahren in Lüneburg viele unterschiedliche Wohnprojekte entstanden seien. Sie loben auch, dass die Stadt sehr offen dafür sei und vielerorts unterstütze. „Alle Projekte haben in ihrer Vielfalt eine Berechtigung.“ Das gelte aus ihrer Sicht auch für das Wohnprojekt Unfug. Wie berichtet, hat die Stadt die Räumung der Bauwagen angekündigt, weil die Gruppe für diese keine Genehmigung hat.
Wer mehr über das Projekt Fluse wissen und es unterstützen möchte, findet Infos unter www.gemeinschaftsinn.wordpress.com. Über Wohnprojekte informieren kann man sich auch beim Stammtisch des Vereins „Mehr Leben“ (www.mehr-leben-wohnprojekte.org), der jeden ersten Montag im Monat im Gemeinschaftsraum des Wohnprojekts Lebendige Nachbarschaft (LeNa), Brockwinkler Weg 72b, ab 19 Uhr tagt.

Von Antje Schäfer