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Susanne Paschek (l.) und Elke Husen mit einigen Mützen, die sie bereits genäht haben. Foto: t&w

Von Herzen für den Kopf

Rullstorf. Auf dem Tisch liegt ein Stoff mit Aufdrucken wie „Ich bin stärker“, „Krebs sollte nur ein Sternzeichen sein“. Aus diesem ist eine Beanie gefertigt, die auf einem Styropor-Kopf sitzt und die einen Anhänger mit den Worten hat: „Kopf hoch, sonst kannst Du die Sterne nicht sehen“. Genäht haben diese „Onkomütze“ Elke Husen und Susanne Paschek. Es ist eins der ersten Modelle, mit denen Krebspatienten in vielfältiger Hinsicht Mut gemacht werden soll.

Bereits vor acht Jahren hatte Susanne Paschek die Aktion „Herzen gegen Schmerzen“ initiiert, deren Motor sie über vier Jahre war. Ehrenamtliche aus Stadt und Landkreis produzierten damals Tausende Kissen in Herzform, die Brustkrebspatientinnen nicht nur Zuversicht spenden sollten, sondern deren lange Flügel die Achselhöhlen von Patientinnen entlasten, wenn Lymphknoten entfernt worden sind. Elke Husen gehörte damals zu dem Kreis der Frauen, die sich leidenschaftlich für das Projekt engagierten. Seither ist eine Freundschaft zwischen ihr und der Rullstorferin Susanne Paschek gewachsen.

„Ein wahnsinnig schönes Gefühl“

Bei Facebook wurde Husen auf die Aktion mit den Onkomützen aufmerksam, die Robert Möllers aus Rheine im vergangenen Herbst ins Leben gerufen hat. „Seither haben sich in vielen Städten und Dörfern Näher und Näherinnen sowie Menschen, die gerne stricken und häkeln, zusammengetan, um für an Krebs erkrankte Menschen eine Mütze herzustellen“, berichten die beiden Frauen. Denn infolge der Chemotherapie fallen bei vielen Patienten die Haare aus.

Eine individuell gestaltete Mütze in fröhlichen Farben soll nicht nur den Kopf bedecken, „sondern auch ermuntern und dabei unterstützen, dass der oder die Erkrankte den Krebs besiegt“, verdeutlicht Susanne Paschek. Sie und Elke Husen hat ein auf Facebook eingestelltes Video sehr gerührt, in dem die Empfängerin einer solchen Mütze sagt: Es sei ein wahnsinnig schönes Gefühl, wenn fremde Menschen in dieser Form an einen denken.

Datenbank mit Schnittmustern

„Wir wollen nun die Aktion in Lüneburg etablieren und eine Gruppe gründen. Jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten mitmachen. Der Name ist bereits gefunden. ,Von Herzen gern‘“, sagt Elke Husen. Denn das, wofür sie sich einmal mehr engagieren, komme von Herzen. „Wir möchten damit auch ein Zeichen setzen in einer Zeit, in der das Miteinander manchmal so kalt geworden ist“, ergänzt Susanne Paschek. Verteilt werden sollen die Mützen nach Bedarf in Kliniken und Hospizen, aber auch an Einzelpersonen.

Was sie jetzt brauchen, sind Mitstreiter, die aus weichem Jerseystoff ansprechende Mützen in unterschiedlichen Größen schneidern. In unterschiedlichen Farben, auch mit Applikationen besetzt oder mit wärmendem Flies gefüttert. Eine Datenbank mit Schnittmustern gibt es über die Facebook-Gruppe. „Wir würden uns außerdem über Sachspenden wie Stoffreste und Nähgarn freuen.“

Und weil sich die beiden Frauen von Herzen gern für Mitmenschen engagieren, haben sie inzwischen auch Stoff-Mini-Herzen produziert. Susanne Paschek erläutert deren Nutzen: „Krebs-Patienten bekommen für die Chemo einen Port gelegt. Bei Frauen liegt dieser häufig in Höhe des BH-Trägers, der dann auf den Port drückt. Abfedern können das die kleinen Kissen, die dazu am Träger festgemacht werden.“ Hergestellt aus bunten Stoffen bringen sie dazu auch noch freundliche Akzente ins Leben der Krebspatienten – wie eben auch die Onkomützen.

Wer die Aktion unterstützen und Kontakt aufnehmen möchte, kann eine E-Mail schicken an s.paschek61@gmail.com oder an elke.husen@gmx.de.

Von Antje Schäfer