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Für die Bahnstromversorgung werden bei einem Neubau bis zu 40 Meter hohe Masten eingesetzt. (Foto: DB)

Bahn plant neue Stromtrasse

Reppenstedt/Lüneburg. Der nach eigenen Angaben fünft größte Stromversorger Deutschlands plant den Bau einer neuen Hochspannungstrasse für Bahnstrom, und zwar zwischen Reppenstedt und Lüneburg. Das haben LZ-Recherchen ergeben. Auf Nachfrage bestätigt eine Sprecherin von DB Energie, Stromsparte des Deutsche Bahn-Konzerns, dass insgesamt drei mögliche Strecken für eine neue 110-Kilovolt-Trasse erwogen werden – mit bis zu 40 Meter hohen Traversen. Dafür soll noch im ersten Quartal 2020 beim Landkreis Lüneburg ein sogenanntes Raumordnungsverfahren angeschoben werden. Die Inbetriebnahme der neuen Hochspannungsleitung ist für 2025 angepeilt.

Ein neuer Stromkreislauf

Nach Angaben der Bahnsprecherin wird die Bahnstromversorgung der Strecke Hamburg-Berlin modernisiert. „Dafür wird das 110-kV-Bahnstromnetz zwischen Stendal und Wittenberge erweitert.“ Doch wie passt da eine neu geplante Trasse westlich von Lüneburg rein?

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Kilometer ist das Bahnstromnetz der DB Energie lang. Damit werden nach Unternehmensangaben täglich rund 20 000 Züge mit elektrischer Energie versorgt. 51 über das Bundesgebiet verteilte Kraft-, Umformer- und Umrichterwerke liefern die Energie.

Derzeit wird die Bahnstromversorgung an der Strecke Hamburg-Berlin noch über dezentrale Werke sichergestellt. Sogenannte Umrichterwerke sorgen dafür, dass Strom aus dem öffentlichen Netz mit einer Frequenz von 50 Hertz auf Bahnstrom mit 16,7 Hertz transformiert wird. Das Umrichterwerk in Wittenberge wird derzeit noch über die Leitung in Stendal gespeist, mit der Ertüchtigung soll das Werk aber auch an das zentrale Netz angeschlossen werden. Dafür soll ein neuer Stromkreislauf hergestellt werden und zwar mit dem Verlauf Lüneburg-Boizenburg-Wittenberge-Stendal-Hannover-Lüneburg. Dabei spielt der Abzweig Reppenstedt eine wichtige Rolle, das geht aus einem Gesprächsprotokoll hervor, das ein Treffen von Vertretern von DB Energie, Landkreis Lüneburg, Stadt Lüneburg und Gemeinde Reppenstedt dokumentiert, das bereits im November 2018 zwecks Vorabstimmung stattgefunden hatte.

Drei Varianten für den Ausbau

Für den geplanten Kreislauf muss der Strom in beide Richtungen fließen können, heißt es in dem Protokoll des Fachgesprächs. Das sei aber mit dem alten Abzweig Reppenstedt nicht möglich. Der soll durch zwei neue Leitungen ersetzt werden zwischen dem bisherigen Abzweig und Lüneburg. Die eine Leitung könnte so den neuen Stromkreislauf schließen sowie den Kreis zwischen Lüneburg und Hamburg, heißt es.

Zum aktuellen Stand schreibt die Bahnsprecherin auf LZ-Nachfrage: „Die DB wird drei Ausbau-Varianten in das Raumordnungsverfahren beim Landkreis Lüneburg eingeben. Zwei davon betreffen Reppenstedt. Bei diesen würde entweder östlich oder westlich von Reppenstedt ein zirka 1,5 Kilometer langes Stück 110-kv-Trasse neu gebaut.“ Die bestehende Strom-Trasse, die an Mechtersen und Vögelsen vorbeiführt, auf der ehemaligen Buchholzer Bahn, würde dann zurückgebaut, heißt es. Die neue Trasse könnte allerdings die Reppenstedter Pläne für ein neues Wohngebiet am Schnellenberger Weg zumindest tangieren. Und weiter: „Die dritte Variante verläuft nahe beziehungsweise auf der Bestandstrasse“, sagt die Bahnsprecherin.

Standort am Zeltberg

Im Gespräch ist außerdem, das Unterwerk der Bahn in Höhe des Lüneburger Stadtteils Zeltberg nahe der Bahnstrecke Richtung Bardowick zu verlegen. In 10 bis 15 Jahren stünde für das Werk ohnehin eine Erneuerung an, für die allerdings die notwendigen Platzreserven nicht vorhanden seien. Da sich bereits im Vorfeld die Verhandlungen über eine Ausweichfläche in das Ochtmisser Dreieck zwischen A39, Bahnschienen und Aral-Tankstelle wenig aussichtsreich gestalteten, betont die Bahnsprecherin, dass bei allen drei angedachten Trassenvarianten das Unterwerk Lüneburg auch am alten Standort bleiben könnte. Das letzte Wort scheint da aber noch nicht gesprochen zu sein.

Die LZ konfrontierte die DB Energie außerdem mit dem Vorhalt, dass durch den Bau der neuen Bahnstromtrasse Vorbereitungen für eine neue Bahnstrecke in der Region Lüneburg getroffen würden, die im Zusammenhang stünde mit dem Großprojekt „optimiertes Alpha-E + Bremen“ beziehungsweise „Hamburg/Bremen-Hannover“. Doch das wies die Bahnsprecherin vehement zurück: „Der Ausbau der Bahnstromversorgung hängt nicht mit den genannten Projekten zusammen.“

Von Dennis Thomas