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Lutz Marmor beim Dreh im Studio mit der Grand Dame der Rosen, Brigitte Antonius. Foto: Michael Behns

Einmal noch der Chef sein

Lüneburg. Böse Zungen könnten behaupten, er könne nicht loslassen: Denn am Tag 1, nur wenige Stunden nach seinem offiziellen Ausscheiden als NDR-Intendant, ist Lutz Marmor gleich wieder in seine alte Rolle geschlüpft. Diesmal aber hat er den Chef des Norddeutschen Rundfunks nur gespielt: Der 65-Jährige stand am Montag ausnahmsweise mal selbst vor der Kamera, spielte in drei Szenen bei den Roten Rosen sich selbst. Eine Premiere als Abschiedsgeschenk.

Marmor, seit Montag offiziell Ruheständler, war seit 2008 Intendant des NDR. Zu den Rosen aber hat er schon länger eine enge Verbindung, hat mit dafür gesorgt, dass die tägliche Serie 2006 ins Nachmittagsprogramm der ARD aufgenommen wurde. Zu runden Rosen-Geburtstagen war er immer mal wieder nach Lüneburg gekommen, jetzt aber erstmals als Schauspieler.

Premiere, aber sicher nicht das neue Betätigungsfeld

„Abgesehen von einem ganz kurzen Auftritt in einem Tatort mein erstes Gastspiel in einer Serie überhaupt“, verrät er im LZ-Gespräch zwischen zwei Szenen. „Klar bin ich nervös“, gibt er zu. „Es wäre ja ganz schön peinlich, wenn ich die Szene versemmel, weil ich den Text vergessen habe oder das Timing nicht stimmt.“ Auch wenn die ersten beiden Szenen – die erste allerdings auch ganz ohne Text – da bereits im Kasten waren, ohne dass der Kurzzeit-Schauspieler versagt hatte, sagt Marmor augenzwinkernd: „Es wird sicherlich nicht mein neues Betätigungsfeld.“

In einer der Szenen sitzt Marmor im Café „Carlas“ und wird zum Opfer eine Verwechslung. Johanna (Brigitte Antonius) glaubt in ihm jenen Maler zu erkennen, der gerade eine Ausstellung mit Porträts Lüneburger Persönlichkeiten vorbereitet. Und da sie sich selbst natürlich auch dazuzählt, bittet sie ihn prompt, sie doch auch zu malen – was beim Intendanten zu sichtlichen Irritationen führt. In seiner letzten Szene ist Marmor schließlich unter anderem mit dem Satz „Auf zu neuen Ufern“ zu hören – eine durchaus bewusste Anspielung auf seine tatsächliche Lebensweggabelung.

Die Produktionsfirma hatte angefragt, ob er sich quasi zu seinem Abschied einen Kurzauftritt bei den Rosen vorstellen könne, erzählt Marmor. Er habe nicht lange überlegen müssen und zugesagt. Zumal er eine günstige Lösung sei, wie er schmunzelnd ergänzt: „Schließlich kriege ich ja keine Gage dafür.“ Zugesagt habe er aber eben vor allem aus einer besonderen Verbundenheit, die er mit der Serie und dem Team dahinter verspüre. „Ich habe großen Respekt davor, was die Schauspieler hier jeden Tag unter enormem Zeitdruck leisten. Das ist hier eine große Ensembleleistung.“ Doch auch die Gesichter hinter den Kameras verdienen sein Lob. „Hier wird eine tolle Arbeit gemacht.“

Keine Märchen, sondern echte Alltagsprobleme

Seinem Nachfolger als NDR-Intendant, Joachim Knuth, wolle er nicht ins Tagesgeschäft reinreden, „das gehört sich nicht“, entscheiden müssten über den Punkt zudem insgesamt neun Programmdirektoren der ARD, aber wenn es nach ihm ginge, hätten die Rosen auch über die bislang gesicherte Produktion bis Mitte 2021 eine Zukunft in der ARD. „Ich kann nur sagen, dass es eine Errungenschaft ist, eine solche Bank am Nachmittag zu haben. Eigentlich müssten das alle am Entscheidungsprozess Beteiligten auch finden.“

Auch wenn Quote und Marktanteil schon mal besser waren, was wohl nicht zuletzt mit der starken Zunahme der Abrufzahlen in der Mediathek zusammenhängen dürfte, sei zu berücksichtigen, dass die Serie auch deshalb wichtig sei für die ARD, weil sie „Alltagsprobleme der Zuschauer aufgreift und keine Märchen erzählt“, findet Marmor. Er weiß, wie sehr die Stadt hinsichtlich der Arbeitsplätze und der Außenwerbung für Touristen von der Ausstrahlung profitiert, aber auch, dass Lüneburg eine tolle Kulisse für die Fernsehmacher ist. Eine Win-win-Situation, die ihn beim Blick nach vorn zu dem Schluss kommen lässt: „Ich sehe da ganz gute Perspektiven auch über 2021 hinaus.“

Von Alexander Hempelmann