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Amtspatron Andreas Thiede (Mitte) mit den Ältermännern Bernd Bollhorn (links) und Rainer Haase. Foto: tja

Schatten über Lauenburg

Lauenburg. Die 385. Schipperhöge in Lauenburg wurde von Sorgen und Gerüchten überschattet: Die Schifferbrüderschaft von 1635 hatte Probleme, überhaupt einen Festsaal für das traditionsreiche Fest zu finden und die Mitglieder sorgen sich um den Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals. Gerüchten zufolge soll das Projekt nicht mehr mit dem nötigen Engagement geplant werden.

„Der Auftrag zum Ausbau der Strecke zwischen dem Umschlagplatz Horster Damm und der Elbe steht ebenso wie der Ersatzneubau der Schleuse und Brücke in Witzeeze unverändert“, erklärte Tilman Treber, der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Lauenburg. Nur – mehr Planungen laufen für den Ausbau der 120 Jahre alten Wasserstraße derzeit nicht. Doch die Schiffer unter den Mitgliedern warten darauf.

„Unsere größte Sorge ist aber die Zukunft der Schipperhöge selbst. Wir wissen nicht, wie wir 2021 feiern sollen.“ Der Verein könne das „Mosaik“ nicht nutzen, weil der Betreiber keine Termin-Zusage machen konnte. „Der Saal des Stappenbeck, in dem wir dieses Mal untergekommen sind, soll aber zum Medienzentrum umgebaut werden und steht uns damit künftig auch nicht mehr zur Verfügung“, berichtete Bernd Bollhorn, der neue Erste Ältermann der Brüderschaft.

„Das Parkett war klasse für unsere Tänze“

„Dabei wäre der Saal hier wirklich ideal“, sagte der ausgeschiedene Erste Ältermann Helge Lohfink. „Das Parkett war klasse für unsere Tänze“, lobte der ehemalige Erste Ältermann die Voraussetzung, die das Gasthaus bietet.

Am Sonnabend bis 2 Uhr und am Sonntag bis 5 Uhr feierten die Schifferbrüder ihre Festbälle. Bollhorn: „Die Endzeit haben wir um eine Stunde vorgezogen.“ Mit Matthias Gwenner und Joachim Schröder waren zwei neu aufgenommene Brüder erstmals dabei.

Andreas Panz, der Schriftführer der Schifferbrüderschaft, erinnerte sich noch an seine erste Höge. „Das war 1985. Damals hatten wir auch hier bei Stappenbeck gefeiert, es war das letzte Mal, dass wir hier zu Gast waren. Für viele ältere Mitglieder war es diesmal so eine Art Revival.“

Vor 385 Jahren gegründete Gemeinschaft

Weil durch den neuen Veranstaltungsort der Weg des Umzugs bis zum Schloss deutlich kürzer ausfiel als vom Mosaik aus, verlängerten die Schifferbrüder den Weg. Statt den Hohlen Weg rauf ging es diesmal durch die Grünstraße. So, wie schon früher.

Am Schloss erwartete Jutta Thies, die Vorzimmerdame von Amtspatron und Lauenburgs Bürgermeister Andreas Thiede, die Gäste mit einem Schluck. Auf dem Amtsplatz tanzten Vorstandsmitglieder, Clowns und Frank Fischer als Lustige Person zusammen. Beim Umzug waren auch Feuerwehrleute, Schützen, der Schifferverein Undine, die Vertreter der Stecknitzfahrer und die Kirche dabei. Bollhorn: „Die Stimmung im Saal und beim Umzug war jedenfalls gut.“

Aktuell sind 134 Männer Mitglieder in der vor 385 Jahren zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges und der Pest gegründeten Versicherung auf Gegenseitigkeit. Bollhorn, der als 18-Jähriger eingetreten war, musste jetzt erstmals keinen Beitrag mehr entrichten, weil sein Heft voll ist. 47 Zahlungen werden dort vermerkt.

Damals wie heute wird von der Schifferbrüderschaft ein Sterbegeld gezahlt, außerdem werden die Mitglieder zu Grabe getragen. „Für uns als alte Schifferstadt ist die Schipperhöge ein Stück lebendige Geschichte“, sagte Bürgermeister Thiede. Im Jahr 2021 soll am 8. und 9. Januar gefeiert werden – wo, wird sich hoffentlich bald klären.

Von Timo Jann