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Die „Äldermänner“ Horst Blanquett (l.) und Hans-Jürgen Werner ziehen beim Bardowicker Schifferball in den Saal des Gasthauses „Zum Anker“ ein. Die Schürzen schützten den feinen Zwirn der Herren früher vor Punschflecken. Foto: t&w

Party, Punsch und gute Laune

Bardowick. Es gibt wohl nur noch wenige Vereine in Bardowick, die ihre Traditionen so konsequent pflegen, wie der „Verein der Ilmenauschiffer Bardowick von 1861 “. Und diese Brauchtumspflege kommt an im Ort: Mehr als 150 Gäste waren am Sonnabend der Einladung zum Schifferball gefolgt – dem 159. in der Geschichte des Vereins.

Doch allem Bewährten zum Trotz – einige Neuerungen gab es dann doch schon gleich zu Beginn des Ballvergnügens im Saal des Gasthauses „Zum Anker“: Denn als Horst Blanquett und Hans- Jürgen Werner – mit 77 und 76 Jahren die ältesten anwesenden Vereinsmitglieder und damit die „Äldermänner“ – in den Saal einzogen, erklang zwar der Tradition entsprechend das „Niedersachsenlied“. Doch das wurde erstmalig seit mehr als 25 Jahren nicht von den „Bewicker Harmonikanten“ intoniert, sondern von Musikern des „Sinfonischen Blasorchesters Flutissima Bardowick“ – unterstützt von Achim und Ingo von den „Shanty-Piraten“.

Übrigens nicht die einzige musikalische „Umbesetzung“. Sorgte in den vergangenen 14 Jahren die „Juri Davidoff Band“ dafür, dass die Tanzfläche selten leer wurde, übernahm diese Aufgabe in diesem Jahr erstmalig die Musikkapelle „The Funnies“.

Äldermänner trugen weiße Schürzen

Das für Außenstehende seltsam anmutende Ornat der beiden „Äldermanner“ Horst Blanquett und Hans-Jürgen Werner ist schnell erklärt: Denn zur Tradition beim Schifferball gehört auch der heiße Punsch, der nach dem Einzug gereicht wird – eine hochprozentige Mischung aus Rotwein, Rum und Zucker. „Früher haben die Äldermänner den Ballgästen den Punsch ausgeschenkt“, erklärt Vereinsvorsitzender Dietmar Wienecke: „Damit man sich dabei nicht bekleckerte, trugen die Äldermänner die weißen Schürzen.“

Und auch die Schiffsmodelle, die hinter den beiden Äldermännern in den Saal getragen und anschließend über der Tanzfläche an Seilen aufgehängt wurden, sind Teil der Tradition. Durch Anstoßen müssen die drei Modelle immer in Bewegung gehalten werden. „Denn nur Schiffe, die sich bewegen, bringen Geld“, erklärte Vereinsvorsitzender Dietmar Wienecke den tieferen Sinn dieses Brauchtums.

Stillschweigen über „Äldermann“-Nachfolger

Um 23 Uhr leitete „Äldermann“ Hans-Jürgen Werner ein weiteres Ritual des Schifferballs ein: Jetzt ausgestattet mit Zylinder, weißem Schal und Zeigestock dirigierte er die Festgesellschaft beim Bänkellied „Die Vereinsbank“. Für den 76-Jährigen, der seit 61 Jahren Mitglied im Schifferverein ist, war dies zweifellos ein besonderer Moment, denn für Hans-Jürgen Werner war es zugleich auch der Abschied von dieser Aufgabe.

Im nächsten Jahr wird dann ein anderer ab 23 Uhr mit Zylinder und Hut auf dem Tisch stehen und den Tanzsaal beim gemeinsamen Vers-Aufsagen mit anschließendem fröhlichen Gesang und Gejohle dirigieren. Wer das sein wird, darüber herrscht offiziell noch Stillschweigen, „aber ich habe da schon so eine Vorahnung“, sagt Dietmar Wienecke schmunzelnd.

Von Klaus Reschke