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Sollen künftig die SPD in Lüneburg führen: Philipp Meyn (von links), Hiltrud Lotze, Carl Johann Niederste Frielinghaus und Kathrin Rühe-Neumann. Foto: t&w

Lüneburgs SPD künftig mit Doppelspitze

Lüneburg. Das politische Jahr beginnt in Lüneburg mit einer unerwarteten Personalrochade. SPD-Ortsvereinsvorsitzender Friedrich von Mansberg gibt nach gerade einmal zwei Jahren sein Amt bereits wieder ab. „Ich muss kürzer treten“, erklärte er auf Nachfrage der LZ mit Blick auf die Dauerbelastung seiner zahlreichen politischen Aktivitäten und der stellvertretenden Intendanz am Theater.

Der 50-Jährige behält sein Ratsmandat, „politisch bin ich nicht aus der Welt“. Bei der Neuwahl für den Vorsitz der mit 470 Mitgliedern stärksten politischen Kraft wird er jedoch nicht wieder antreten. Stattdessen kandidiert seine Vorgängerin als seine Nachfolgerin – aber nicht allein: Wie bei ihrer Bundespartei wollen die Lüneburger Sozialdemokraten eine Doppelspitze installieren.

„Wir bilden verschiedene Lebenswelten ab“

Der bisherige Ortsvereinsvorstand hat sich bei seinem Treffen am vorigen Donnerstag einstimmig auf ein Führungsquartett verständigt, das am 20. Februar zur Wahl stehen soll. Neben der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Hiltrud Lotze kandidiert Carl Johann Niederste Frielinghaus für den gemeinsamen Vorsitz. Es ist ein Paar, das nicht nur die Kombination Mann/Frau, sondern auch eine ganze Altersspanne abbildet. Während Lotze bereits zur Generation „60+“ zählt, ist Leuphana-Student Niederste Frielinghaus erst 20 Jahre alt. Kathrin Rühe-Neumann (51) und Philipp Meyn (37) wollen als stellvertretende Vorsitzende kandidieren.

„Wir sind überzeugt, dass dies eine gute Lösung ist, weil wir verschiedene Lebenswelten abbilden“, betont Hiltrud Lotze, die den Ortsverein vor Friedrich von Mansberg bereits 14 Jahre geführt hatte. Niederste Frielinghaus ist an der Universität Vorsitzender des Studentenparlaments und hat als Juso-Kreisvorsitzender bereits Erfahrungen mit einer Doppelspitze. Der gebürtige Schweriner lebt seit 2018 in Lüneburg. In die SPD trat er vor der Bundestagswahl 2017 ein, „sehr zur Freude meines Opas, der auch meinen Mitgliedsbeitrag übernommen hat“.

Sozialdemokratisch geprägt ist auch der Lebensweg von Kathrin Rühe-Neumann, die seit fünf Jahren in Lüneburg lebt, aber erst vor zwei Jahren Mitglied wurde. Es ist das erste Parteiamt, für das die Förderschullehrerin kandidiert. Philipp Meyn ist der einzige Vertreter des alten Vorstandes in dem Quartett. Der Gymnasiallehrer gilt im Stadtrat als eine der künftig prägenden Kräfte in der SPD.

„Wir wollen Motor der Partei sein“

Das Quartett steht im Falle seiner Wahl – weitere Kandidaturen sind möglich, bislang aber nicht bekannt – vor großen Aufgaben. Im Herbst 2021 wird sich entscheiden, ob die Sozialdemokraten ihre jahrzehntelange Vormachtstellung in der Stadt verteidigen können und stärkste Fraktion im Rat bleiben und den Oberbürgermeister-Posten stellen. Lotze gibt beides als Ziel aus.

„Wir wollen Motor der Partei sein“, betont die 61-Jährige. Dafür gelte es, jetzt die inhaltliche Diskussion unter den Mitgliedern anzustoßen, eine breite Auswahl an Kandidatinnen und Kandidaten für den Stadtrat zu finden und als mitgliederstärkste Partei den Dialog in der Stadt zu prägen. Für die Nominierung der Mädge-Nachfolge verspricht sie ein „offenes und transparentes Verfahren, an dem sich unsere Mitglieder beteiligen können“. Dazu sollten auch Ideen aus der Partei kommen. „Wir werden jetzt nach Menschen schauen, die uns auffallen.“ Auf einen Zeitplan für die Nominierung, die auf einer für alle Mitglieder offenen Versammlung beschlossen werden soll, will sie sich noch nicht festlegen – „nicht zu früh und nicht zu spät“.

Von Marc Rath