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Fällt Erasmus dem Brexit zum Opfer?

Lüneburg. Die Wellen, die der Brexit auslöst, klatschen auch gegen das Leuphana-Zentralgebäude. Denn zum Kollateralschaden des britischen Ausstiegs aus der EU könnte das Erasmus+-Programm der Europäischen Union werden. Vor zwei Wochen hatte das Unterhaus es mit 344 zu 254 Stimmen abgelehnt, die Regierung darauf zu verpflichten, das Austauschprogramm von Schülern und Studenten fortzusetzen. Bis Ende des Jahres wird sich nichts ändern, weil so lange die Übergangsphase läuft. Wie es danach weitergeht, wird ab 1. Februar im Brexit-Poker ausgehandelt.

Zwar beteuerte das Bildungsministerium unmittelbar nach der Entscheidung des Unterhauses, dass London die akademischen Beziehungen zum Kontinent fortsetzen wolle. Doch zunächst Mal sind die Wünsche Tausender Studierender und Auszubildender nach einem Auslandsaufenthalt Teil der Brexit-Verhandlungsmasse von Boris Johnson.

Layla Moran, die liberaldemokratische Abgeordnete, die den Antrag zur Verpflichtung des Johnson-Kabinetts eingebracht hatte, bedauert dies: „Die Universitäten warnen, dass kein von Großbritannien geleitetes Programm jemals dem Ruf und den umfangreichen Partnerschaften, die Erasmus zu bieten hat, gerecht werden könnte.“

Grenzüberschreitende Mobilität im Bereich Bildung

In der Tat ist das Erasmus+ genannte Programm eine der Erfolgsgeschichten der europäischen Verständigung. An dem 1987 aufgelegten Programm nahmen bereits mehr als 4,5 Millionen junge Menschen teil, darunter mehr als 650.000 Studenten aus Deutschland. Das Programm ist für den Zeitraum von 2014 bis 2020 mit 14 Milliarden Euro ausgestattet. Am Programm nehmen neben den EU-Staaten auch Island, Kroatien, Liechtenstein, Norwegen und die Türkei teil. Aber Großbritannien war für deutsche Studenten nach Spanien und Frankreich das drittbeliebteste Zielland gewesen.

Auch die Leuphana Universität nimmt an dem Projekt grenzüberschreitender Mobilität im Bereich Bildung teil. Zuständig ist das International Office. So sammeln ausländische Studenten Auslandserfahrung in Lüneburg, während deutsche befristet in die akademische Welt anderer Staaten eintauchen.

Monika Scherf leitet das Amt für regionale Landesentwicklung, wo „Europe Direct Lüneburg“ angesiedelt ist, eine von bundesweit 46 Info-Stellen der EU-Kommission. Sie hofft, dass das Austauschprogramm nicht von den Brexit-Mühlsteinen zerrieben wird: „Ich halte es für sehr wichtig, dass das Erasmus-Programm bestehen bleibt. Es ist eine großartige Möglichkeit für junge Leute, andere Kulturen und Mentalitäten kennenzulernen, und für den erfolgreichen Fortbestand der EU genau das, was wir brauchen.“

Von Joachim Zießler