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Ein drittes Gleis zwischen Uelzen und Lüneburg allein würde laut Bahn keine Vorteile bringen. Nun wird auch über weiträumige Ortsumfahrungen nachgedacht. Foto: t&w

Der Bogen könnte größer werden

Lüneburg. Lüneburg steckt in der Zwickmühle. Einerseits stemmt sich die Stadt vehement gegen zunehmenden Güterverkehr auf der Schiene, andererseits braucht sie die Bahn für ihre vielen Tausend Hamburg-Pendler. Und vom imageträchtigen ICE-Verkehr will sie sich auch nicht abkoppeln lassen, zu sehr droht der Abstieg in die Provinz-Klasse. Wie die Stadt angesichts der laufenden Diskussionen um den Ausbau der Strecke Hamburg-Hannover diesem Dilemma entkommen will, ist nach wie vor offen. Doch es gibt Überlegungen, die für Entlastung sorgen könnten. Auch für Bienenbüttel.

„Wir haben jetzt Variante drei in den Blick genommen“, sagt Armin Skierlo. Er ist Sprecher für die Großprojekte der Deutschen Bahn und in die Überlegungen für den umstrittenen Bau eines dritten Gleises zwischen Lüneburg und Uelzen bestens eingebunden. Dieser Abschnitt ist bekanntlich Teil des Bahnprojekts „Hamburg/Bremen – Hannover“, das bislang als „Optimiertes Alpha-E mit Bremen“ für viel Aufregung in der Region sorgte. Denn seit Lüneburg und andere Trassen-Anlieger erklärten, den im „Dialogforum Schiene Nord“ gefundenen Konsens nicht mittragen zu wollen, sucht die Bahn gemeinsam mit Politik, Kommunen, Bürgerinitiativen und Verbänden nach einem neuen Weg.

Auch Bienenbüttel könnte umfahren werden

Dieser könnte in der von Armin Skierlo genannten Variante drei liegen. Zwar sieht auch sie den Bau eines dritten Gleises zwischen Lüneburg und Uelzen vor, allerdings sollen Lüneburg, Deutsch Evern und Bad Bevensen dann nicht mehr durchquert werden, wie es noch die Varianten eins und zwei vorsehen, sondern umfahren werden.

Neu ist wiederum, dass beim Thema Ortsumfahrung nun zwei Szenarien auf mögliche Vorteile hin untersucht werden – darunter zusätzliche Kapazitäten für Personen- und Güterzüge sowie eine deutliche Zeitersparnis zwischen Hamburg und Hannover im Deutschland-Takt. So werden zum einen die jeweils getrennten Umfahrungen von Lüneburg-Deutsch Evern und Bad Bevensen in den Blick genommen, zum anderen eine weiträumige Umfahrung von nördlich Lüneburg bis südlich Bad Bevensen, also mit Umfahrung auch von Bienenbüttel.

Dass dies der erklärten Absicht der Landesregierung in Hannover, großräumige Umfahrungen nicht hinnehmen zu wollen, widersprechen könnte, sieht Skierlo nicht. In der sogenannten „Gläsernen Werkstatt“, dem Runden Tisch, an dem die verschiedenen Varianten mit allen Akteuren durchgespielt werden, säßen auch Vertreter des Niedersächsischen Ministeriums. Dort habe sich niemand gegen die Umfahrungen ausgesprochen, „auch die Vertreter des Niedersächsischen Ministeriums nicht“, erklärte der Bahn-Sprecher.

Skierlo berichtete auf Nachfrage auch, dass eine Umfahrung, sollte sie kommen, zweigleisig ausgeführt würde. Nur so ließen sich die für den Bahnbetrieb erhofften Vorteile erzielen.

Drittes Gleis allein bringt nicht die erhofften Verbesserungen

Dass die Ortsumfahrungen überhaupt in den Blick genommen werden, liegt Skierlo zufolge an den Ergebnissen aus den Untersuchungen der Variante eins. Dabei habe sich gezeigt, dass ein drittes Gleis keine Verbesserungen im Angebot für den Personen-Fern- und Nahverkehr bringe und mit dem Deutschland-Takt nicht harmoniere. Auch betrüge der Zeitgewinn auf der Strecke Lüneburg-Hannover lediglich eine bis anderthalb Minuten. Außerdem läge die Wirtschaftlichkeit bei einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von 0,47 deutlich unterhalb des geforderten Faktors 1,0.

Die Ergebnisse aus den Untersuchungen zu den Ortsumfahrungen werden am Mittwoch, 29. Januar, in Hannover vorgestellt. Bereits am Donnerstagabend stellte das „Bürgerbündnis Nordheide gegen Eisenbahnneubautrassen“ ein von ihr beauftragtes Gutachten in Uelzen vor. Es soll dem Verfasser zufolge belegen, dass Alpha-E „im Sinne der Region machbar“ sei.

Von Ulf Stüwe

Hintergrund

Ein Teil von mehreren

Das Projekt „Hamburg/Bremen – Hannover“ wurde vom Bundestag im Bundesverkehrswegeplan 2030 verankert. Der dreigleisige Ausbau der Strecke Lüneburg-Uelzen wäre nur ein Teilabschnitt in dem größten Bahnausbau-Projekt in Norddeutschland, das auch unter dem Titel „Optimiertes Alpha-E mit Bremen“ bekannt ist. Zu den weiteren Ausbaustrecken gehören unter anderem die Abschnitte Langwedel-Uelzen (Amerika-Linie), Rotenburg-Verden-Minden sowie Bremerhaven-Bremen. Parallel arbeitet die Bahn am sogenannten „Ost-Korridor“ unter Einbindung der Strecke Uelzen-Stendal. Ziel ist die Anbindung von Ost- und Süddeutschland.