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Der Elbe-Lübeck-Kanal spielt eine immer unwichtigere Rolle für die Berufsschifffahrt. Bei der Ladung wurde der historische Tiefstwert erreicht. Foto: tja

Der Kanal ist fast leer

Lauenburg. Negativrekord für die Schifffahrt im Elbe-Lübeck-Kanal: Mit 1086 Frachtern, die 505.325 Tonnen Ladung an Bord hatten, wurde im vergangenen Jahr der absolute Tiefpunkt in der 120-jährigen Geschichte des Elbe-Lübeck-Kanals (ELK) ermittelt. Das geht aus den Statistiken des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Lauenburg hervor. Das ist gegenüber 2018 ein Rückgang um 80.000 Ladungstonnen und 140 Binnenschiffe. Noch deutlicher fällt die negative Entwicklung aus, wenn man die Werte mit denen von vor zwölf Jahren vergleicht. Damals transportierten die Schiffe noch die doppelte Fracht durch den Kanal. 2001 hatten 4488 Schiffe sogar 1,48 Millionen Tonnen geladen.

„Das ist total ungewöhnlich, denn die Schleuse Lauenburg hat Tage, da steppt dort der Bär“, berichtet Dörte Münstermann aus dem Schifffahrtsbüro des WSA. „Gerade im Herbst war das Aufkommen an Binnenschiffen im Kanal eigentlich auch sehr gut“, sagt sie. Nur: Die Wasserstraße, die die Elbe mit der Ostsee verbindet, ist für die Berufsschifffahrt zunehmend unattraktiv. „Mit den ganzen Schleusen da funktioniert das nicht vernünftig, das ist unwirtschaftlich“, erklärt Heiko Tominski von der deutschen Binnenreederei AG.

Neujahrsempfang auf der Hitzler-Werft

Die aktuelle Entwicklung steht im krassen Gegensatz zu den ehrgeizigen Ausbauplänen, die der Deutsche Bundestag mit dem Verkehrswegeplan 2030 beschlossen hatte. Danach sollten fast eine Milliarde Euro in den Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals investiert werden. Derzeit laufen allerdings nur die Planung für den Kanalabschnitt von der Elbe bis zum Umschlagplatz Horster Damm. Und für den Ersatzneubau der Schleuse Witzeeze samt der Straßenbrücke dort.

Beim Neujahrsempfang auf der Hitzler-Werft hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann, der auch Maritimer Koordinator der Bundesregierung ist, bereits andere Ideen ins Spiel gebracht. Kleine Schiffe, die möglicherweise sogar autonom fahren könnten. Entsprechende Tests laufen schon auf anderen Wasserstraßen. Brackmann war ein Verfechter des Kanalausbaus. Doch es scheint immer deutlicher zu werden, dass die Maßnahme nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen keinen Sinn macht.

Container werden nach wie vor gar nicht durch den Elbe-Lübeck-Kanal transportiert, weil das einlagig unwirtschaftlich ist und zweilagig aufgrund zu geringer Durchfahrtshöhen unter den Brücken nicht passt. Die Binnenschiffe hatten im vergangenen Jahr unter anderem 108.000 Tonnen land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse, 21.100 Tonnen Metall, 258.000 Tonnen Baustoffe und knapp 50.000 Tonnen Dünger an Bord. Außer den Frachtern wurden auch 3397 Sportboote in der Lauenburger Schleuse gezählt. 2008 waren es noch 3523.

Von Timo Jann