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Wenn schon der Mobilfunkmast an der Biogasanlage errichtet wird, dann doch bitte hinter den Gebäude, sagen Martin Voß, Barbara Spang und Klaus Werneke. Doch diesen Wunsch lehnt die Telekom ab. Foto: t&w

Funkstille in Barnstedt

Barnstedt. In Barnstedt droht Funkstille zwischen Anwohnern vom Butterberg und Bürgermeister Randolf von Estorff (CDU) – wegen eines geplanten Mobilfunkmastes. Den nämlich will die Telekom auf dem Areal der Biogasanlage errichten. Ende des Jahres soll er in Betrieb gehen, damit auch die letzten Funklöcher in Barnstedt der Vergangenheit angehören. Doch nicht alle sind mit dem ausgewählten Standort zufrieden.

Kritik kommt von Anwohnern am Butterberg, die eine Bürgerinitiative gegründet haben. Sie machen sich Sorgen um ihre Gesundheit. Ein Nachbar habe gerade erst seine Krebserkrankung überwunden, geben sie zu bedenken. „Wir wollen diesen Turm nicht verhindern, aber der Standort sollte möglichst sozialverträglich sein und die berechtigten Sorgen und Interessen aller Barnstedter berücksichtigen“, sagt BI-Sprecher Klaus Werneke. Bereits im Juni 2018 habe die BI in einer Ratssitzung vorgeschlagen, den Mobilfunkmast doch bitte um 100 Meter zu verschieben und hinter die Biogasanlage zu stellen. „Eine Rückmeldung auf unseren Vorschlag aber hat es nicht gegeben“, sagt Werneke, der sich vom Demokratieverständnis der Ratsmitglieder enttäuscht zeigt.

„Das größere Problem als der Mobilfunkmast ist für mich die Art und Weise, wie Bürgermeister und Gemeinderat mit engagierten Bürgern umgehen“, setzt Werneke nach. Sein Mitstreiter Martin Voß sagt: „Wir sind gesprächsbereit und kooperativ, aber stoßen auf eine Mauer des Schweigens.“ Auch Fragen würden nicht beantwortet. Etwa, ob auch andere Standorte in Erwägung gezogen und untersucht wurden.

Eine Mauer des Schweigens

Mit den Vorwürfen der BI konfrontiert, sagt Bürgermeister Randolf von Estorff: „Der Rat hat in dem gesamten Verfahren bislang größtmögliche Transparenz gezeigt.“ Rückendeckung erhält er von Gemeindedirektor David Abendroth, der die Kritik ebenfalls nicht gelten lässt. Er verweist auf Info-Veranstaltungen und Ratssitzungen, an denen auch ein Vertreter der Telekom teilgenommen habe. Eine mögliche Verlegung des Mastes hinter die Biogasanlage sei auf Bitten des Rates geprüft, von der Telekom aber verworfen worden. Begründung: „Eine weitere Verschiebung in östlicher Richtung verbessert die Situation nicht.“ Aber vor allem wirtschaftliche Gründe würden gegen eine Verschiebung sprechen, so die Telekom – „alleine der Aufbau einer temporären Baustraße für den Schwerlastverkehr auf dem Grundstücke der Biogasanlage würde das Unternehmen knapp 20.000 Euro kosten.“

Für die Anwohner am Butterberg ist die Argumentation der Telekom schwer zu ertragen – Kosten kontra Gesundheitsbedenken. Das jedenfalls lesen sie aus der Antwort heraus und sie verweisen auf das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das festgestellt habe, dass Mobilfunkstrahlung Krebs beschleunige.

Diese Behauptung wiederum ruft von Estorff auf den Plan. In einem Schreiben an die Gemeinderatsmitglieder stellt er klar: „Das BfS legt sich hinsichtlich möglicher Krebsrisiken nicht fest. Festgestellt wird lediglich, dass Verbraucher auf strahlungsarme Handy-Hardware achten sollten.“ Im übrigen sei der geplante Mobilfunkmast auch nicht für die neueste 5G-Technik vorgesehen, sondern für GSM- und 4G-Antennen.

Dass der Mast nicht mitten im Ort, sondern am Rand aufgestellt wird, war laut von Estorff eine Forderung der Gemeinde an die Telekom. „Da habe es zwei Optionen gegeben – die Kartoffelscheune von Axel Schröder und eben das Areal der Biogasanlage. „Die Scheune schied aus statischen Gründen aus.“ Bleibt also nur das Gelände der Biogasanlage, das aber seinem Bruder Christian von Estorff gehört.

Telekom will bald den Bauantrag stellen

So mancher im Dorf sieht da einen Zusammenhang. Vorwürfe hinter vorgehaltener Hand werden laut, er habe seinem Bruder mit dem Mastbau auf seinem Grundstück eine lukrative Einnahmequelle zugeschanzt. Für Bürgermeister von Estorff ist das eine „Schmutz- und Verleumdungskampagne“. Um „Verschwörungstheorien“ vorzubeugen, hatte er seinen Bruder gebeten, den Vertrag mit der Telekom öffentlich zu machen: „Solange der Mast noch nicht steht, bekommt er 25 Euro monatlich, nach Fertigstellung 125 Euro monatlich“, stellt Randolf v. Estorff klar – wohlwissend, dass mittlerweile ganz andere Summen im Ort kursieren.

Demnächst wird die Telekom den Bauantrag stellen. „Ich gehe davon aus, dass der den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere auch in Bezug auf die Umwelt und die Gesundheit, entspricht“, sagt Abendroth. Das beurteile dann der Landkreis als Baugenehmigungsbehörde.

Von Klaus Reschke