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Alexandra Miemczyk berichtete, wie man auf Verpackungen verzichten kann. Foto: phs

Kaffeesatz ist das bessere Peeling

Kirchgellersen. Der Gedanke schoss ihr beim Abendbrot an einem Augustabend im Jahr 2017 durch den Kopf. Eine Plastikpackung mit Käse lag auf dem Tisch, sie war ruckzuck leer – der Inhalt bestand aus nur fünf Scheiben. „Was für ein Müllwahnsinn“, sagt Alexandra Miemczyk heute. Die Idee zu einer Initiative war geboren – heute ist eine Bewegung daraus geworden. Die Ehefrau und Mutter tourt unter dem Motto „Lebe lieber unverpackt“ durch die Lande. Ihre Botschaft: Jeder kann etwas tun, es muss nichts kosten und ist einfach. Am Sonnabend machte Alexandra Miemczyk auf Einladung der Grünen Gellersen im Kirchgellerser Gemeindehaus Station.

Sechs gelbe Säcke hat der Vier-Personen-Haushalt der Buchholzerin damals jeden Monat zur Abholung vor die Tür gestellt, heute sind es nur noch sechs Säcke im Jahr. Bis dahin war es ein Weg des Lernens: „Machen Sie deshalb einen Schritt nach dem anderen“, betont die Referentin in Kirchgellersen.

„Damals war ich noch ein Exot“

Bei ihr begann es mit dem Käse, den sie sich seitdem an der Käsetheke in ihre mitgebrachte Box füllen lässt, „damals war ich noch ein Exot“. Heute machen viele Supermärkte mit – und wenn nicht: „Reden Sie mit den Einzelhändlern, wir Verbraucher haben Macht.“ So gebe es durchaus auch ein Angebot etwa für Quark und Sahne in Pfandgläsern. „Fordern Sie das ein.“

Zwei Plastikdosen Frischkäse aß die Familie damals, „mein zehnjähriger Sohn hat dann ausgerechnet, dass das in einem Jahr ein drei Meter hoher Dosenturm an Müll ist“. Heute produziert Alexandra Miemczyk ihren Frischkäse selber. Butter gibt es statt in Aluverpackung in ­Pergamentpapier oder am Käsestand auf dem Wochenmarkt, statt Wasser aus Plastikflaschen gibt es welches aus der Leitung. Und in ihrer Handtasche und im Auto hat sie immer einen Vorrat an kleinen Säckchen, um darin beim Einkauf etwa Gemüse, Obst und Brötchen verstauen zu können.

Man braucht nur fünf Mittel

Jeder hat seinen eigenen Weg bei der Müllvermeidung – der von Alexandra Miemczyk führte als nächstes in ihren Putzschrank. Flüssige Seife, Pulverwaschmittel, WC-Reiniger, Entkalker, Backofenspray, Gehwegplattenreiniger und vieles mehr stand da. „Heute weiß ich: Man braucht nur fünf Mittel“, sagt die Umweltschützerin: Zitronensäure, Essigessenz, Natron, Waschsoda und Kernseife. Glasreiniger etwa mischt sie sich aus Essigessenz und Wasser, Badreiniger aus Essigessenz und Zitronensäure, Waschmittel aus Kernseife, Waschsoda und Wasser… Küchenrollen ersetzt Alexandra Miemczyk durch waschbare Geschirrtücher, ihr Duschgel durch ein festes Stück Seife, und statt Peeling verwendet sie Kaffeesatz. Und selbst ihr Deodorant mischt sie aus Natron.

Der Tisch, auf dem sie im Gemeindehaus Dutzende Plastikverpackungen aus dem Haushalt aufgebaut hat, lichtet sich zusehends im Verlauf des Vortrags. Jeder kann einen Beitrag leisten, den Berg von acht Millionen Tonnen Plastikmüll, der jedes Jahr in die Weltmeere gelangt, nicht weiter so anwachsen zu lassen, das ist ihre Botschaft. „Alles, was ich mache, ist kein Verzicht, denn Verzicht tut weh“, sagt die Buchholzerin. Weitere Infos: lebe-lieber-unverpackt.com

Von Thomas Mitzlaff