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Neue „Seniorpartner in School“, Routiniers und die Lüneburger Stützpunktleiterin (hinten, v. l.): Wolfram Wrage, Heinz Klockenbusch, Jens-Peter Laudien sowie (vorn, v. l.): Heide Scholling-Bohmert, Doris Kirchner, Eckhard Konetzki, Brigitte Schwingen und Barbara Plötner-Raulf. Nicht auf dem Foto: sind die Absolventen Ele Brandt, Ute Klemp und Ekkehard Lietz. Foto: t&w

Senioren haben ein Ohr für Mädchen und Jungen

Lüneburg. Zwei Jahre lang haben sie ihre theoretische Ausbildung absolviert, sie waren in dieser Zeit auch schon in verschiedenen Grundschulen aktiv – jetzt haben neun „Seniorpartner in School“ (SIS) im Lüneburger Heinrich-Heine-Haus ihre Ausbildungszertifikate bekommen. Insgesamt sind es damit 28 „Seniorpartner“, darin sind die „Neuen“ schon enthalten, die regelmäßig an sieben Grundschulen in Stadt und Landkreis unterwegs sind.

Sie helfen den Kindern, bei Konflikten, selbst entwickelte Lösungen ihrer Probleme zu finden, die „Seniorpartner“ begleiten die Kinder auch bei Problemen und in Konfliktsituationen in Schule und Umfeld durch Einzelgespräche, geben Hilfe zur Selbsthilfe.

„Seniorpartner in School“ kann werden, wer mindestens 55 Jahre alt ist, eine starre Altersregelung nach oben gibt es nicht. An den Grundschulen in Melbeck, Reppenstedt, Westergellersen und Bardowick sowie an den Lüneburger Grundschulen Im Roten Felde, Anne Frank und Igelschule bilden sie eine neutrale Anlaufstelle für die Kinder.

„Raum der guten Lösungen“

„Eine wirklich schöne Sache“, lobt Hartmut Lenz, Leiter der Grundschule Reppenstedt, die Senioren an seiner Schule. Lenz: „Bei Konflikten sind sie eine neutrale Anlaufstelle, bei der die Kinder ihre Streitigkeiten lösen können.“ Wichtig ist: Die Kinder wissen, was dort besprochen wird, bleibt auch im „Raum der guten Lösungen“, die Senioren unterliegen der Schweigepflicht.

Schon vor zehn Jahren, als die „Seniorpartner in School“ ihre Arbeit in Stadt und Landkreis Lüneburg starteten, war Wolfram Wrage dabei – er wurde jetzt nach zehnjähriger Tätigkeit verabschiedet. Einmal pro Woche, immer dienstags für vier Stunden von 9 bis 13 Uhr, war Wrage bis vor Kurzem in der Lüneburger Heiligengeistschule vor Ort.

Gern erinnert sich Wrage, der bald 77 Jahre alt wird, an seine zehn Jahre als „Seniorpartner“ zurück. Oft sei es vorgekommen, dass Kinder „mit zerknittertem Gesicht und traurig“ zu ihm gekommen seien und ihn dann fröhlich wieder verlassen haben. Wolfram Wrage: „Das Schöne ist, man bringt sich nicht nur ein, man bekommt auch soviel von den Kindern zurück.“

Nicht immer seien es Streitigkeiten, mit denen die Kinder zu den „Seniorpartner in School“ kommen, erzählt Wolfram Wrage. „Es kommen auch Kinder zu uns, die Probleme haben, Schwierigkeiten zu Hause oder mit Lehrern.“ Wrage weiter: „Viele Kinder freuen sich, wenn ihnen einfach einmal jemand zuhört. Wichtig ist: Wir begegnen den Kindern auf Augenhöhe.“

„Wir brauchen dringend Nachwuchs“

Obwohl jetzt neun voll ausgebildete „Seniorpartner in School“ an den Schulen in und um Lüneburg unterwegs sind, wird dringend Nachwuchs gesucht. Neben Wolfram Wrage beenden auch weitere der Senioren ihre Tätigkeit, und es stehen Schulen auf der Warteliste. „Wir brauchen dringend Nachwuchs“, sagt Barbara Plötner-Raulf, SIS-Stützpunktleiterin in der Region.

Ein Ausbildungsgang läuft seit dem vergangenen Herbst, ein weiterer soll voraussichtlich nach diesen Sommerferien beginnen. 80 Stunden, aufgeteilt in zehn Tage zu je acht Stunden, dauert die Schulung, eine gründliche Ausbildung, in der unter anderem Gesprächs- und Fragetechniken auf dem Programm stehen. Dazu kommen auch Rollenspiele, in denen Konflikte gelöst werden sollen, und „Mediationsspiele“.

Schon bevor sie sich für die gründliche Ausbildung entscheiden, können sich Interessierte aber bei Barbara Plötner-Raulf melden, um an einer der Schulen in die Praxis schnuppern zu können. Wer Interesse hat, kann sich unter (0171) 4749360 an Plötner-Raulf wenden. Die Teilnahme an der Ausbildungsstaffel ist kostenlos. Möglich machen die kostenlose Weiterbildung Spenden des Rotary Clubs Lüneburg-Hanse und vom Autohaus Dannacker&Laudien.

Von Ingo Petersen