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Rainer Dittmers hatte sich für die SPD-Vorstandssitzung abgemeldet, will aber bei der Mitgliederversammlung „selbstverständlich“ dabei sein. Foto: t&w

Nachfolger für Dittmers gesucht

Adendorf. Wer wird Nachfolger von Rainer Dittmers (SPD) als Ratsvorsitzender und als 1. stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Adendorf? Eine Antwort dara uf wird noch länger auf sich warten lassen – erst am Donnerstag, 12. März (19 Uhr, Rathaus) steht die nächste Ratssitzung an. Dittmers‘ Nachfolger als Vorsitzender des Lüneburger Kreistags soll dagegen schon am kommenden Montag (16 Uhr, Ritterakademie) gewählt werden – im Gespräch ist Sozialdemokratin Inge Voltmann-Hummes.

Rainers Dittmers war nach seinen umstrittenen Äußerungen auf Facebook zur Landtagswahl in Thüringen zurückgetreten. Am Dienstagabend traf sich der Vorstand der Adendorfer SPD zu einer außerordentlichen Sitzung. Am Donnerstag, 20. Februar, 19 Uhr, steht die turnusmäßige Jahresversammlung der örtlichen SPD an, bei der die Kandidaten oder die Kandidatinnen für Dittmers‘ Nachfolge bestimmt werden sollen, erklärte Jürgen Schreiber, Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat. Während Dittmers sich für die Vorstandssitzung am Dienstag abgemeldet hatte, „bin ich bei der Mitgliederversammlung selbstverständlich dabei“.

SPD will einen Kandidaten vorschlagen

Auch Adendorfs Bürgermeister Thomas Maack (SPD) ist gespannt darauf, wer ihn künftig bei repäsentativen Aufgaben vertreten und den Rat leiten wird. Obwohl selbst Sozialdemokrat, will er sich bei der Kandidatenfindung zurückhalten. Zwar verfüge die SPD-Fraktion mit zwölf von 27 Sitzen nicht über die absolute Mehrheit, werde aber als größte Fraktion sicher einen Kandidaten oder eine Kandidatin vorschlagen.
Die kommende Ratssitzung in drei Wochen dürfte Dittmers‘ 1. Stellvertreter Ulrich Sauke-Gensow (Grüne) eröffnen, 2. Stellvertreterin als Ratsvorsitzende ist Heike Piepke (CDU). Jürgen Schreiber (SPD) und Gunther von Mirbach (CDU) sind zurzeit 2. und 3. stellvertretender Bürgermeister.

Knapp eine Woche nach dem Rücktritt von seinen Ehrenämtern hat für Rainer Dittmers der Alltag als „normales“ Mitglied in den Gremien schon begonnen. „Der Vorteil für mich ist, dass ich künftig in Rat und Kreistag auch etwas zur Sache sagen kann. Bisher musste ich ja immer lieb sein“, gewinnt der Adendorfer seinem Ämterverzicht etwas Gutes ab.

Und auch für die Zukunft kündigte Rainers Dittmers an, politisch aktiv zu bleiben. „Natürlich trete ich zu den nächsten Wahlen an. Für den Gemeinderat und für den Kreistag“, sagt er und verweist darauf, dass er bei den zurückliegenden Gemeinderatswahlen in Adendorf mit Abstand die meisten Einzelstimmen aller Kandidaten bekommen hatte.

Seinen Facebook-Account hat Rainer Dittmers, wie er beteuert, allerdings deaktiviert.

Von Ingo Petersen

Reaktionen aus den Ratsfraktionen

Respekt, Verständnis und Kritik

Gunther von Mirbach (CDU): „Der Facebook-Post von Rainer Dittmers war spontan und nicht geschickt. Sein Rücktritt als Ratsvorsitzender und stellvertretender Bürgermeister ist bedauerlich, verdient Respekt. Angesichts des Fegefeuers, das in der aktuellen politischen Situation über Demokraten hergeht, wenn sie sich äußern und dabei nicht immer die ‚political correctness‘ einhalten, ist der Rücktritt verständlich. Ehrenamtliches Engagement wird leider immer schwieriger, wer will sich noch solcher Belastung aussetzen? Unsere Demokratie nimmt Schaden – die Verursacher stehen links und rechts.“

Markus Graff (Die Linke): „Der Schritt war erforderlich und letztlich konsequent. Es wundert mich aber, dass die Kreistags- und Ratsfraktion der SPD keine Notwendigkeit für einen solchen Rücktritt sahen. Offensichtlich haben hier wahltaktische Überlegungen eine entscheidende Rolle gespielt. Es gilt jetzt, nach vorne zu schauen.“

Hans-Dieter Wilhus (ABAE): „Rainer Dittmers hatte eine besondere Verantwortung als Adendorfer Ratsvorsitzender, 1. stellvertretender Bürgermeister und als Kreistagsvorsitzender. Wir hatten nach seinen Äußerungen das Gespräch mit ihm gesucht, dazu ist es dann nicht mehr gekommen. Mit seiner Rücktrittsentscheidung setzt er Maßstäbe.“

Jürgen Schreiber (SPD): Schon frühzeitig habe sich Rainer Dittmers für „seine unbedachten“ Äußerungen entschuldigt, sagt der Fraktionsvorsitzende. „Er hat einen Fehler begangen, aber auch seine jahrelange kommunalpolitische Tätigkeit in herausragenden Positionen muss berücksichtigt werden.“

Daniel Schneider (FDP): „Die FDP hat gerade selbst gelernt, dass falsche Einschätzungen und Fehler im Handeln politische Konsequenzen nach sich ziehen. Wir nehmen den Rücktritt mit Respekt zur Kenntnis. Dieser Schritt war aus unserer Sicht unvermeidlich. Herr Dittmers hat seine Tätigkeit als Ratsvorsitzender und stellvertretender Bürgermeister stets professionell und überparteilich ausgeführt. Dennoch hätte er wissen müssen, dass gerade in so einer herausragenden Position Meinungsäußerungen auch in sozialen Medien politischen Stellenwert haben.“

Bärbel Sasse (Grüne): „Das Amt des Ratsvorsitzenden hat Rainer Dittmers zwar überparteilich und souverän ausgeführt, dennoch nehmen wir Grünen den Rücktritt von Dittmers nach seinem unsäglichen Facebook-Post erleichtert zur Kenntnis. Dieser Rücktritt hat dem Rat, dem Ehrenamt des stellvertretenden Bürgermeisters und des Ratsvorsitzenden abträgliche Diskussionen erspart.“

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