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Diese Klappbrücke über den Ems-Jade-Kanal ist ein Beispiel dafür, wie die Querung über die Ilmenau aussehen könnte. Foto: AdobeStock

Klappt‘s mit einer Klappbrücke zur Arena?

Lüneburg. Fahrradfahrer und Fußgänger, die künftig von der Goseburg zu einer Veranstaltung in der im Bau befindlichen Arena an der Lüner Rennbahn möchten, könnten ab 2022 dazu eventuell eine Klappbrücke über die Ilmenau queren. Das ist zumindest die Vorzugsvariante aus technischer Sicht, die eine von der Stadt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie empfiehlt. Uta Hesebeck, Fachbereichsleiterin Straßen- und Ingenieurbau, stellte im Bauausschuss Ergebnisse dieser Studie vor. Sie machte aber auch deutlich, dass endgültig erst über den Brückentypus entschieden wird, wenn zahlreiche umweltschutzfachliche Untersuchungen erfolgt sind.

Projekt ist sehr anspruchsvoll

Wie berichtet, soll die Brücke entstehen, um die Autoströme aus dem Westen bei Großveranstaltungen in der Arena einzudämmen und eine schnelle Verbindung für Radler und Fußgänger zu schaffen. Das Projekt ist allerdings sehr anspruchsvoll, denn es liegt im Landschaftsschutz- und FFH-Gebiet, im Überschwemmungsgebiet, und die Ilmenau ist hier noch eine Bundeswasserstraße. Um es zu realisieren, bedarf es im Vorfeld vieler Verfahren im Zeichen des Umwelt- und Naturschutzes. Außerdem ist ein Planfeststellungsverfahren notwendig, da momentan noch kein Planrecht vorhanden ist.

Die Machbarkeitsstudie hat unter technischen Aspekten sieben Varianten unter die Lupe genommen. Dazu gehörte auch die Überlegung, die vorhandene Eisenbahnbrücke mitzubenutzen. Das würde allerdings zur Erhöhung der Eigenlast um 35 Prozent führen, so dass man ohne eine statische Nachrechnung der vorhandenen Brücke den Eisenbahnverkehr darüber streichen müsste. Außerdem käme es zu hohen Investitionskosten für Belag und Anlagen zur technischen Sicherung, gleichzeitig sei das Haltbarkeitsdatum der 50 Jahre alten Brücke sehr begrenzt, erläuterte Hesebeck. Die Variante „seitlich angehängte Radwegbrücke“ an das bestehende Bauwerk hätte, wie die vorherige Variante auch, beidseitig 70 Meter lange Rampen zur Folge. „Das wäre ein großer Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet.“ Zu klären sei darüberhinaus, ob das Anhängen funktioniert. Auch bei dieser Lösung wäre der Zugverkehr voraussichtlich nur sehr eingeschränkt möglich.

Bauwerk auch mit touristischem Reiz

Desweiteren in den Fokus genommen wurden neue Brückenbauwerke südlich der bestehenden Brücke mit einer Durchfahrtshöhe 4,50 Meter – vorgegeben, weil es sich bei der Ilmenau um eine Bundeswasserstraße handelt. Die klassische Brücke würde aber barrierefreie Rampen mit 70 Meter Länge haben. Bei einer Brücke zum Ausheben würde sich die Länge der Rampe zwar halbieren, doch wenn ein Schiff kommt, müsse stets ein Kran geordert werden, um den Aufbau anzuheben. Bei der Variante „Aufstapeln“ würde die Brücke mit Hydraulikdruck hochgefahren. Das wäre laut Studie zeit- und kostenintensiv. Bei Bedarf wäre sie für Fußgänger und Radler bis zu 16 Stunden nicht zu nutzen.

Eine spontane Öffnung wäre bei der Hub- sowie der Schiebebrücke möglich, beide sind aber sehr wartungsintensiv. Technisch gesehen macht die Klappbrücke das Rennen: Sie ist spontan zu öffnen, hat kurze Sperrpausen, die Rampen wären zirka 35 Meter lang „und das Bauwerk hat touristischen Reiz“, zitierte ­He­sebeck die Studie. Auf Stefan Minks (SPD) machte sie gar einen charmanten Eindruck, auch Karlheinz Fahrenwaldt (Linke) war durchaus angetan. Auf Frage von Christel John (CDU), wie hoch die Kosten seien, sagte Hesebeck, dass sie bei 900.000 Euro bis 1,5 Millionen Euro liegen könnten. Vorerst sei nur eine grobe Schätzung möglich. Erst wenn auch Prüfungen zum Umwelt- und Artenschutz vorliegen, könne man sich für eine Vorzugsvariante entscheiden und die weiteren Planungen für eine Querung auf den Weg bringen. Ein möglicher Baubeginn könnte frühestens im Sommer 2021 sein.

Von Antje Schäfer

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