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Der ehemalige Stadtförster Michael Stall begutachtet eine Douglasie nahe der Roten Schleuse. Auch im vergangenen Jahr haben die Lüneburger Wälder unter der langen Dürre gelitten. Foto: A/t&w

Der Wald und der Klimawandel

Lüneburg. Der deutsche Wald leidet. Trockenheit, Hitze und Stürme setzen den Bäumen zu. Vor allem die Fichte gehört zu den Verlierern: Durch die extremen klimatischen Bedingungen ohnehin schon geschwächt, machen dem Baum des Jahres 2017 jetzt die Borkenkäfer – allen voran Buchdrucker und Kupferstecher – endgültig den Garaus. Forstexperten sind sicher: Das Fichtensterben ist eine Folge des Klimawandels.

Die Politik hat das Problem – aber auch den Wert des Waldes für das Klima – offenbar erkannt: Für die Wiederaufforstung von rund 20 000 Hektar Wald will Niedersachsen 117 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln zur Verfügung stellen. „Mehr Bäume für Klimaschutz“, fordern die Landtagsfraktionen von SPD und CDU. Denn nur so lasse sich das Treibhausgas CO₂ wirksam abbauen.

In der Tat haben Forscher herausgefunden, dass der Klimawandel mit nichts anderem so effektiv bekämpft werden könne wie mit Aufforstung. Laut Weltklimarat (IPCC) müssen für eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad rund eine Milliarde Hektar Land bis zum Jahr 2050 aufgeforstet werden. Derzeit ist die Erde mit 5,5 Milliarden Hektar Wald bedeckt.

Schnellwachsende Nadelbäume

Bedenken werden trotzdem laut – vom Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen: Der begrüßt zwar, dass sich die Landtagsfraktionen „bei der Bewältigung der derzeitigen Krise der Nadelholzwirtschaft“ engagieren und die niedersächsischen Wälder anpassen, schützen und als CO₂-Senke nutzen wollen. Aber zugleich fürchtet der Naturschutzbund, dass bei den Wieder- und Neuaufforstungen erneut auf die falsche Baumart gesetzt wird: „Mit Küstentanne und Douglasie in die Sackgasse?“ fragt der Nabu daher durchaus provokant in einer Pressemitteilung, der Nabu-Landesvorsitzende Holger Buschmann präzisiert: „Der alte Fehler, schnellwachsende Nadelbäume mit Steuergeldern zu fördern, darf dabei nicht wiederholt werden. Nur ein naturnaher, laubholzgeprägter Wald ist anpassungsfähig und wird auch für kommende Generationen die im Klimawandel noch weniger verzichtbaren Waldökosystemleistungen bereitstellen können.“

Die Nabu-Kritik an der Douglasie kann Knut Sierk, regionaler Pressesprecher der Landesforsten, nicht nachvollziehen: „Die Douglasie ist waldbaulich integriert“, verteidigt der Forstexperte die Nadelbaumart.

Sogenannte „Mischbaumart“

Die ursprüngliche Heimat der Douglasie ist Nordamerika. Hier schafft sie es ab und zu sogar ins Weiße Haus – als „First Tree“, also als offizieller Weihnachtsbaum. In Deutschland ist der Nadelbaum bereits seit weit mehr als 150 Jahren in den Wäldern zu finden. Für Sierk eine gute Wahl: Schließlich sei die Douglasie deutlich trockenresistenter als die Fichte. Zudem würden sich ihre Nadeln besser zersetzen und so zur Humusbildung beitragen, als die Fichte. Doch trotz dieser positiven Eigenschaften sagt Knut Sierk auch mit Nachdruck: „Wir werden in den Landesforsten nun aber nicht den Fehler machen und die Fichtenreinbestände durch Douglasien-Monokulturen ersetzen.“ Die Douglasie ist seinen Worten zufolge aber bestens als sogenannte „Mischbaumart“ geeignet: „Douglasie und Buche zum Beispiel funktionieren zusammen ganz hervorragend“, stellt Sierk auf LZ-Anfrage fest.

Hinzu komme, dass die Douglasie auch weniger sturm- und schädlingsanfällig sei als die Fichte. Doch trotz dieser Vorzüge – als „Ersatzbaum“ wollen Sierk und seine Kollegen die Douglasie nicht verstanden wissen. Wohl aber als Alternative auf bestimmten waldbaulichen Standorten. Der Pressesprecher sagt: „Die Douglasie ist eine ­Baumart, mit der wir gerade auch mit Blick auf den Klimawandel gut arbeiten können.“

Küstentanne spielt keine Rolle

Die Küstentanne dagegen spielt in den Landesforsten keine große Rolle, obwohl auch diese ­Baumart in Europa bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts angebaut wird. Die Große Küstentanne ist eine der schnellwüchsigsten und größten Tannenarten weltweit, wodurch sie für Waldbesitzer interessant wird. Untersuchungen haben ergeben, dass die Küstentanne für die sich abzeichnenden Bedingungen des Klimawandels gut geeignet erscheint. Die richtige Herkunft vorausgesetzt, ist sie selbst an ein Klima mit ausgeprägter Sommertrockenheit gut angepasst.

Von Klaus Reschke