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Auch die Sanierung der Aula der Herderschule steht auf der To-do-Liste. Foto: A/t&w

Lüneburgs Gymnasien platzen aus den Nähten

Lüneburg. Als Niedersachsen dem Turbo-Abi mangelnde Schulreife attestierte, gewannen Lüneburgs Gymnasien zwar Zeit, um den Unterrichtsstoff zu vermitteln – aber sie verloren Raum. Denn ab diesem August fahren Herderschule, Johanneum und Wilhelm-Raabe-Schule wieder unter Volllast, müssen also 13 Jahrgänge parallel unterbringen. Ein neuer Jahrgang kommt hinzu, aber keiner verlässt die Schulen. Container werden aufgestellt, Gebäude an- und umgebaut. Stephan Cohrs, Leiter des Bereichs Hochbau und Technik, informierte jetzt den Schulausschuss des Lüneburger Rates über den Stand der Planungen.

Hätte die Landesregierung Recht behalten, wäre das unnötig gewesen. Es werde nicht zu einer Raumnot kommen, da die Schülerzahlen sänken, hieß es 2014 bei der Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren im Kultusministerium. Allerdings zeigen die neuesten Prognosezahlen des Ministeriums, dass zwar die Zahl der Schüler insgesamt um 0,7 Prozent sinkt, die der Gymnasiasten aber um 0,3 Prozent steigt. Und so präsentierte Stephan Cohrs die Pläne, damit die Lüneburger Gymnasien in städtischer Trägerschaft nicht aus den Nähten platzen.

Herderschule

In den Sommerferien 2020 werden voraussichtlich Container als Ausweichklassenräume aufgestellt. Cohrs: „Vermutlich eher nahe der Sporthalle als auf dem Vorplatz, um dessen Umbau nicht zu erschweren.“ Vom Frühjahr 2021 bis zum Herbst 2022 soll der Anbau von 2004 um vier Klassenräume aufgestockt werden – je zwei pro Stockwerk. Die Sanierung der Toiletten und der Fassade des Anbaus sollen bis Herbst beziehungsweise Ende 2022 erledigt sein. Anschließend steht die Sanierung von Aula, Aufzügen und Vorplatz auf der Liste. Die Kosten alleine für den Anbau des Anbaus werden in der Verwaltung auf 1,7 Millionen Euro geschätzt.

Johanneum

Die Raumnot im „Jojo“ ist noch größer. Schon allein, weil die Schule über alle Jahrgänge hinweg sechszügig fährt. Bis zu den Sommerferien 2023 soll in dem 70er-Jahre-Bau die Durchsageanlage auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden. Von 2021 bis Sommer 2022 soll der erst 2017 fertiggestellte Erweiterungsbau um drei Klassen- und drei Gruppenräume erweitert werden. Zudem soll eine Lüftungsanlage nachgerüstet werden. Dafür muss allerdings ein Gruppenraum im Heimatbereich für den 5. Jahrgang aufgegeben werden. Dieses Bauvorhaben wird bundesweit ausgeschrieben.

Firmen aus ganz Europa können sich hingegen für die Errichtung eines zweiten Erweiterungsbaus direkt am Hauptgebäude bewerben. Baustart ist hier für den Sommer 2022 vorgesehen, Inbetriebnahme im Frühjahr 2024. Hier liegen die Pläne in zwei Varianten vor: Zum einen sollen 15 allgemeine Unterrichtsräume, zwei Kunst- und drei naturwissenschaftliche Räume entstehen. Zum anderen 15 allgemeine, zwei Kunst- und zehn naturwissenschaftliche Räume inklusive einer Sanierung des bestehenden naturwissenschaftlichen Traktes.

Für die Aufstellung von zehn Containern gibt es zwei mögliche Standorte: nahe des Hauptgebäudes und nahe des ersten Erweiterungsbaus. Erste Kostenschätzungen für den Neubau am Hauptgebäude beliefen sich auf sieben Millionen Euro.

Wilhelm-Raabe-Schule

An der Feldstraße muss mit Raum noch filigraner jongliert werden, da es in dem historischen Komplex keine Erweiterungsflächen gibt und Schulleiter Thomas Wetzel seine Schüler nicht pendeln lassen möchte. Da die Technik im 1. Obergeschoss ohnehin erneuert werden muss, soll dies bis zum Sommer 2020 beim Umbau und der Umwidmung von Räumen bewerkstelligt werden. So sollen drei Klassenräume frei werden.

Im Dachstuhl soll bald unterrichtet werden. Foto: Stadt

Neuen Raum erschließt sich die Schule unterm Dach. Dort sollen von Anfang 2022 bis zum Sommer 2023 vier Klassenräume entstehen. Die zwei Kunsträume ziehen dann im Dachgeschoss um. Anschließend steht noch die Sanierung der Aula an. Kostenkalkulationen gibt es noch nicht.

Von Joachim Zießler