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Anne Zetl vom LBZ Echem und Superintendent Christian Cordes finden, dass Landwirte und Pastoren viel gemeinsam haben. Foto: t&w

Speeddating im Stall

Echem. Schon lange Zeit stand für Christian Cordes, den Superintendenten im Kirchenkreis Lüneburg, und Anne Zetl, Pressesprecherin des Landwirtschaftlichen Bild ungszentrums Echem (LBZ) fest, dass sie einmal zusammenarbeiten wollen. „Wir wussten lange nicht, was ein gemeinsames Projekt sein könnte, aber uns gefiel schon immer die Idee, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen“, erinnert sich Cordes.

Nun ist es endlich soweit: „Es ist Zeit zu reden! Und zwar am besten miteinander statt überein­ander.“ Unter diesem Motto wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Echemer Dialog“ am Freitagabend ein Speeddating zwischen Landwirten und Pastoren stattfinden. Jeweils neun Vertreter jeder Berufsgruppe werden dabei sein, vier Gänge lang haben sie Zeit, sich zu beschnuppern und sich gegenseitig aus ihrem Alltag zu erzählen – immer 20 Minuten lang, dann wechselt der Gesprächspartner.

Einblicke in ihr Leben gewähren

„Es soll nicht darum gehen, eine Position zu verkaufen, sondern dem anderen zu erzählen, was einen selbst im Alltag bewegt“, erklärt Anne Zetl. „Gerade Landwirte sollen sich nicht immer nur verteidigen müssen, sondern einfach mal Einblicke in ihr Leben gewähren. Ich beobachte schon bei unseren Azubis, dass sie sich oft von der Außenwelt unverstanden fühlen.“

Das einander Zuhören im LBZ sei sicher nur ein kleiner Schritt, das zu ändern, „aber es lohnt sich diesen Samen zu setzen“. Das LBZ werde zu einem Essen in gemütlicher Atmosphäre einladen, erzählt Anne Zetl, die bedauert, selbst nur Zaungast der Gespräche sein zu dürfen.

„Das Essen ist ja so eine Art Urbild“, erklärt Cordes. „Auch Jesus hat sich mit Menschen zusammengesetzt. Und bei dieser Art von Abendmahl kann man gut in Gespräche kommen, die die richtige Balance zwischen Tiefgang und Oberflächlichkeit haben.“

Stolz auf die bunte Mischung

Christian Cordes findet, dass sich Landwirte und Pastoren näher stünden, als es auf den ersten Blick wirkt: „Das sind beides Berufe, die eine Art Berufung und eine hohe Motivation erfordern, sie erhalten weniger Wertschätzung, als ihnen vielleicht zustehen würde. Und beide Berufe sind sehr vom Strukturwandel in der Gesellschaft betroffen. Viele Menschen in der Landwirtschaft sind sicher auch von Sorgen geplagt, die sie in die Kirche bringen, das ist ein Kreislauf.“ Ihm liegt viel daran, Landwirte besser zu verstehen. „Oft werden wir Pastoren zu aktuellen Problemen gefragt, wollen auch gerne etwas sagen, sind aber unsicher. Das wollen wir ändern.“

Anne Zetl: „Wir sind sehr stolz auf die bunte Mischung an Menschen, die wir für diesen Abend gewinnen konnten. Ein Schäfer wird dabei sein, ein Geflügelbauer ebenso wie Schweine- und Rinderhalter, konventionell und öko.“ Auch bei den Pastoren sind Vertreter aus Stadt und Land dabei, Männer und Frauen, Berufsanfänger sowie eine Kranken­hausseelsorgerin. „Das wird mit Sicherheit ein spannender Abend“, freut sich Anne Zetl. Sie kann sich vorstellen, so eine Art Speeddating auch mit anderen Multiplikatoren der Gesellschaft zu wiederholen, zum Beispiel mit Lehrern oder Journalisten.

Von Lea Schulze