Aktuell
Home | Lokales | Schutzabstände haben Vorrang
Obwohl die Grünflächen durch die Lärmschutzwand von den Bahnanlagen getrennt sind, hat die Bahn großflächig entlang der Bahnstrecke am Lüner Weg gerodet. Foto: us

Schutzabstände haben Vorrang

Lüneburg. Der Bericht über den Kahlschlag am Lüneburger Ostbahnhof hat bei den Lesern der Landeszeitung nicht nur ein starkes Echo ausgelöst, sondern auch einen ähnlichen Fall zutage gefördert. Eine Anwohnerin des Lüner Wegs berichtet über Baumfällungen und massiven Rückschnitt entlang der Bahntrasse. Die Bahn selbst sieht sich im Recht.

„Ein Rückschnitt ist erforderlich, um die erforderliche Profilfreiheit, Sicherheitsräume und die Schutzabstände zur Oberleitung gewährleisten zu können“, teilte die Bahn auf Nachfrage mit. Weiterhin verlaufe in diesem Streckenabschnitt beidseitig neben der Oberleitung noch eine sogenannte Speiseleitung. „Hier sind zusätzlich zur Rückschnittszone Schutzabstände von fünf Metern zu allen Teilen der Leitung vorgeschrieben, sobald die Vegetation eine Höhe von vier Metern überschreitet“, sagte eine Bahnsprecherin.

Anwohnerin Beate Heinzmann beklagt das Vorgehen der Bahn. „Es muss ja nicht alles gleich komplett niedergemacht werden.“ Sie würde sich wünschen, dass bei den Arbeiten „differenzierter“ vorgegangen würde. „Es würde ja auch reichen, die Bäume nur zu kürzen.“ Außerdem fragt sie, ob hier nicht auch die Baumschutzsatzung greife.

„Die in Lüneburg gefällten Bäume fallen aufgrund ihrer Stärke nicht unter die Verbots-tatbestände der Lüneburger Baumschutzsatzung“, erklärt die Bahnsprecherin. Eine Ausnahmegenehmigung sei daher nicht erforderlich gewesen.

Baumschutzsatzung greift nicht

Auch eine Nachfrage bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Lüneburg ergab, dass die Bahn sich offenbar nichts habe zu Schulden kommen lassen. „Dort ist weder ein Naturschutzgebiet noch ein Landschaftsschutzgebiet, und gesetzlich geschützte Biotope sind dort auch nicht“, erklärt Kreis-Pressesprecherin Urte Modlich. Auch lägen keine Daten über gesetzlich geschützte Tierarten in dem Areal vor. „Wir haben da keine Handhabe.“

Auch wenn alles rechtmäßig sei, empfindet Beate Heinzmann das Vorgehen der Bahn dennoch als „sehr schmerzhaft“: „Die Bäume werden immer nur als Gefahr gesehen, aber sie geben Tieren Schutz und spenden Schatten.“ Es sei falsch, die Natur stets nur „als Feind“ zu sehen. Es dürfte nicht der letzte Aufreger sein: Die Bahn kündigte weitere Rückschnitte und „Baumentnahmen“ in Lüneburg an.

Von Ulf Stüwe