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Trotz der Ausbreitung des Corona-Virus war es voll in der Gellersenhalle in Reppenstedt bei der Hauptversammlung der Kreisfeuerwehr. (Foto: phs)

Feuerwehr und Klimawandel

Reppenstedt. „Mensch – Klima – Feuerwehr!“ Das diesjährige Motto des Landesfeuerwehrverbands Niedersachsen macht deutlich, in welche Richtung sich das Engagement der Brandschützer künftig entwickeln wird. Und auch Kreisbrandmeister Torsten Hensel zielte mit seinen eröffnenden Worten in dieselbe Richtung: „Der Klimawandel ist die aktuell größte globale Herausforderung der Menschheit“, sagte er zum Auftakt der Hauptversammlung der Kreisfeuerwehr in der Gellersenhalle in Reppenstedt. Auch wenn die Statistik des vergangenen Jahres dies nicht ganz widerspiegelt.

Erneut ging die Zahl der Einsätze zurück: Insgesamt 1501-mal mussten die Kräfte der 94 Wehren in Stadt und Landkreis Lüneburg ausrücken, 301-mal weniger als im Vorjahr (minus 16,7 Prozent) und sogar 685-mal weniger als 2017. Damals wurde mit 2186 Alarmierungen der bisherige höchste Wert registriert. Die Hilfeleistungen (57 Prozent der Einsätze) nahmen gegenüber 2018 um 198 auf 857 ab. „Wir hatten weniger Unwetterlagen, weniger Sturm- und Starkregenereignisse“, so der Kreisbrandmeister. „Es war zwar ein witterungsmäßig durchwachsenes Jahr, aber mit weniger Extremen.“

Vorbereitung für Ernstfall

Auch die Ausbreitung des Coronavirus war Thema bei der Jahresversammlung der Kreisfeuerwehr. So dankte Torsten Hensel den Anwesenden, dass sie trotz der potenziellen Gefahr in die Gellersenhalle gekommen waren und warnte gleichzeitig vor Panikmache. Landrat Jens Böther meinte, dass „Corona uns doch mehr auf Trab hält, als erwartet“.

Die Vorfälle in Nordrhein-Westfalen hätten gezeigt, wie mit einer Isolation verfahren werden könne. Letztlich müsse bei allen Schritten aber auch die Ressourcenfrage geklärt werden: „Wie halten wir das System aufrecht, wenn Menschen in Schlüsselpositionen betroffen sind?“ Das müsse mit Kliniken und Institutionen vorab festgelegt werden. „Wir werden der neuen Herausforderung gewachsen sein“, sagte er überzeugt, „wir werden keine Panik verbreiten, sondern die Situation annehmen und reagieren.“ ul

Das schlug sich auch auf die Zahl der Vegetationsbrände nieder: In den vergangenen zwölf Monaten fing eine geringere Anzahl an Stoppel- und Getreidefeldern Feuer, und auch die Wälder waren weniger betroffen. „Bei den Bränden waren alle Wehren wieder auf der Hut und schnell mit ausreichender Mannschaft vor Ort“, sagte Hensel, der Schaden hielt sich in Grenzen. „Glück gehabt.“
Für andere Landkreise galt das nicht: Durch die frühzeitig einsetzende Trockenheit im April war der Feuerwehr-Flugdienst am Luftstützpunkt Lüneburg bereits Ostermontag zu einem Moorbrand in die Nähe von Goldenstedt (Landkreis Vechta) gerufen worden, um einen Tag später bei Hellwege (Landkreis Rotenburg/Wümme) zu helfen: Mehr als 1000 Quadratmeter Wald standen dort in Flammen. „Insgesamt hatten wir fünf Einsatztage, konnten jeweils nach Eingang des Anrufs binnen 30 Minuten in der Luft sein“, betonte Hensel und machte in diesem Zusammenhang auch deutlich, „dass wir uns nach der Vertragskündigung mit dem Luftsportverein nach alternativen Flugplätzen umgesehen haben, für die seit 50 Jahren aufgebaute und gut ausgebildete Mannschaft sinnvoll aber kein anderer Platz infrage kommt“.

1501

Einsätze registrierten die 94 Feuerwehren in Stadt und Landkreis Lüneburg. Damit rückten die Brandschützer 301-mal weniger aus als im Vorjahr.

Für seine Einheit hoffe er, dass der Standort Lüneburg erhalten bliebe. „Ohne unser bewährtes System mit Feuerwehren, Kameras und Flugzeug werden wir bei größeren Vegetationsbränden Probleme bekommen, denn die vielen Kiefern, die wir nun mal haben, bleiben ein Gefahrenschwerpunkt in unserem waldreichen Gebiet, und der Verlust der kurzen Zugriffszeiten bedeutet, dass die Feuerwehren gerade in der personalschwachen Anfangsphase keine Unterstützung haben werden.“ Die Mannschaft des Feuerwehr-Flugdienstes werde mit Auflösung des Flugplatzes wohl zerbrechen, so sein Fazit.

Positiver bewertete er hingegen die Zukunft des freiwilligen Brandschutzes in Stadt und Kreis: Die Zahl der Jugendwehren blieb mit 65 stabil, 20 Mitglieder konnten unterm Strich dazugewonnen werden. „Ich hoffe, dass es weiterhin aufwärts geht“, sagte Hensel, der an alle Anwesenden appellierte, die Jugendwarte bei der Werbung um neue Mitglieder zu unterstützen, da nur diese den Fortbestand der Einheiten sichern könnten.

Mehr Respekt für ehrenamtliche Helfer

Ein Aufruf, dem sich Gellersens Samtgemeindebürgermeister Steffen Gärtner, anschloss: „Wir alle müssen auf den Nachwuchs zugehen, Ehrenamt ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr.“ Gleichzeitig forderte er in aller Deutlichkeit dazu auf, sich in Zeiten, in denen Einsatzkräfte behindert und teilweise sogar angefeindet würden, hinter sie zu stellen, ihnen unter die Arme zu greifen. „Physisch und psychisch wird ihnen viel abverlangt, das erfordert enormen Respekt. Wir sind alle stolz auf die Feuerwehren und ihre Leistung.“

Ein Aspekt, den auch Landrat Jens Böther aufgriff: „Wir müssen der Gewalt gegen Rettungskräfte in aller Deutlichkeit begegnen. Und das gilt für jeden“, meinte er. Auch er unterstrich die Bedeutung der Jugendarbeit: „Wir als Feuerwehren müssen uns zeigen, sonst haben wir keinen Zulauf.“ Und auch das Thema Klimawandel beschäftigte Lüneburgs Landrat: „Wir sind zwar auf viele Extreme gut vorbereitet, haben bislang aber auch häufig Glück gehabt.“ Das müsse nicht so bleiben. Deshalb sei es notwendig, in den Katastrophenschutz zu investieren, sagte der Chef der Kreisverwaltung.

Von Ute Lühr